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Lokales Leipzig: Größtes Wohnprojekt in Ostdeutschland kurz vor dem Start
Leipzig Lokales Leipzig: Größtes Wohnprojekt in Ostdeutschland kurz vor dem Start
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00:19 18.06.2017
Als erstes sollen am Dösner Weg 180 Wohnungen entstehen. 30 Prozent davon erhalten Größen, die den Vorgaben der Kosten der Unterkunft (KdU) entsprechen.  Quelle: Entwurf: nps Architekten
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Leipzig

 Die Debatten haben sechs Jahre gedauert. Doch nächste Woche dürfte der Zug für die Neugestaltung der 36 Hektar großen Brachfläche hinter dem Bayerischen Bahnhof endlich losfahren. Vertreter der drei größten Fraktionen im Stadtrat erklärten gestern auf LVZ-Anfrage, sie würden bei der Ratsversammlung am 21. Juni für das Projekt stimmen. „Es geht da auch um drei Schulen, mehrere Kitas und einen riesigen Stadtpark“, sagte Heiko Oßwald (SPD). „Man kann nicht einerseits fordern, schneller Kitas und Schulen zu bauen, und dann alles blockieren.“

Sabine Heymann (CDU) verwies auf die ebenfalls dringend benötigten, bis zu 3000 Wohnungen. Die Union wolle nicht noch länger warten, bis da etwas passiert. Zugleich werde sie aber genau darauf achten, dass nicht weniger Autostellplätze entstehen als es die Bauordnung vorsieht. „Fantasien von autoarmen Quartieren, die dann zu Lasten der Nachbarviertel gehen, sind mit uns nicht zu machen.“

Für die Linke betonte Siegfried Schlegel, bei den vielen Ruinen vor Ort – wie von Gurken-Schumann – müssten vielen Versprechungen „jetzt endlich mal Taten folgen“. Zwar fehlten einigen Genossen belastbare Vereinbarungen zum Thema sozialer Wohnungsbau. Auch gebe es grundsätzliche Kritik, „dass der frühere Grundstückseigentümer Bahn AG hier einfach Staatseigentum an der Kommune vorbei an ein privates Unternehmen verhökern konnte“. Insgesamt wolle die Fraktion die Vorlage jedoch stützen – vielleicht bei einigen Stimmenthaltungen.

Folglich dürfte es eine – vielleicht sogar komfortable – Mehrheit für ein Vorhaben geben, das seit seinen Anfängen 2011 als größtes Neubauprojekt für Wohnungen in Ostdeutschland galt. Letztes Jahr drohte es zu scheitern. Nun steht ein Kompromiss zur Abstimmung, der Befürworter und Gegner hat. So erklärte Norbert Menke, Chef des Stadtkonzerns Leipziger Gruppe, zur jüngsten Bilanzpressekonferenz mehrfach, wie wichtig der künftige Stadtteil sei. „Als verantwortlicher Rundum-Versorger wollen wir dort einen Leuchtturm in Sachen Energie, Wasser, Mobilität und Nachhaltigkeit schaffen.“ Kurz darauf meldete sich der Umweltverband BUND zu Wort. Und forderte einen Baustopp für das Areal. Im Mai hätten „Baggerarbeiten und Lkw-Verkehr“ Lebensräume von geschützten Arten wie Zauneidechsen und Ödlandschrecken zerstört. Trotz aller Aufforderung schütze die Stadt diese Tiere nicht.

Dies wies die Leiterin des Umweltamtes, Angelika Freifrau von Fritsch, auf LVZ-Nachfrage zurück. „Wir sehen die Lage beim Artenschutz als unproblematisch an. Der Investor hatte von Anfang an einen Fachgutachter bestellt, dessen Aufgaben unser Amt vorgegeben hat. Dazu wird regelmäßig berichtet und geprüft.“

Investor ist die private Leipziger Stadtbau AG. Sie versicherte, bislang keinerlei Bauarbeiten auf dem Areal veranlasst zu haben. Eventuell hängen die vom BUND gesichteten Laster mit Bauarbeiten auf dem benachbarten MDR-Gelände zusammen. Eine Anfrage dort blieb gestern bis Redaktionsschluss ohne Antwort.

Falls die Ratsmehrheit zustimmt, könnte der Investor nächstes Jahr seine ersten Vorhaben starten. Schon 2016 hatte er Bauvoranfragen für vier Bereiche im Rathaus eingereicht. Dabei geht es um:

  • 180 Wohnungen am Dösner Weg – wo entgegen anderslautender Berichte keine Holzhäuser vorgesehen sind
  • eine Kita mit 165 Plätzen im Bereich von Gurken-Schumann
  • den Wiederaufbau des Ostflügels des Bayerischen Bahnhofs sowie ein Neubauensemble am Eingang der Straße des 18. Oktober
  • sechsgeschossige Wohnhäuser an der Kohlenstraße

Die Stadtbau AG hat sich in dem Kompromiss verpflichtet, alle Flächen, die zum Bau von Schulen und Sporthallen im Bereich der Tarostraße benötigt werden, für 39 Euro pro Quadratmeter an die Stadt zu verkaufen. Und zwar sobald die vier Bauvoranfragen positiv beschieden sind. Bislang ist das für noch keinen dieser Anträge geschehen.

Von Jens Rometsch

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