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Leipzig – Kiew: Städtepartnerschaft kommt in Bewegung

Kontakte werden ausgebaut Leipzig – Kiew: Städtepartnerschaft kommt in Bewegung

Immer mehr Leipziger Vereine haben Kontakte in die Ukraine aufgebaut – jetzt ziehen die Verwaltungen nach. Leipzig hilft, einen neuen Flächennutzungsplan für die 2,8-Millionen-Einwohner-Stadt auszuarbeiten.

Die Gäste aus Kiew am Donnerstag beim Aufwärmen auf der Nordanlage am Sportforum.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. 21 Jugendliche und vier Erwachsene aus Kiew sind seit Donnerstag auf Besuch in Leipzig. Der Ausbau der Beziehungen zwischen beiden Partnerstädten ist auf gutem Weg und ruht auf immer mehr Säulen. Der Verein Ukraine-Kontakt hat erst beim jüngsten Besuch in Kiew im Mai neue Verbindungen zwischen Vereinen angebahnt. Was noch fehlt, sind Partnerschulen in Leipzig. In den Kiewer Einrichtungen ist der Wunsch nach mehr Austausch groß.

Einen Ausbau der Beziehungen hatte im März 2015 Leipzigs OBM Burkhard Jung (SPD) bei einem Besuch in Kiew vereinbart. Vor allem im Verwaltungsbereich, wo die Leipziger beim Umbau helfen wollen. Nachdem es erst etwas hakte, ist Bewegung in die Sache gekommen, wie Gabriele Goldfuß registriert, Leiterin des Referats Internationale Zusammenarbeit. Ihre Mitarbeiterin Katja Roloff war mit auf der jüngsten Reise in Kiew. Es gibt erste Ergebnisse: Leipzig hilft dabei, einen Flächennutzungsplan für die 2,8-Millionen-Einwohner-Stadt zu erabeiten. Im Rahmen eines Förderprogramms wird ein „Integrierter Experte“ die Städtepartnerschaft betreuen, Projekte zwischen Leipzig und Kiew begleiten und Kiew mit Themen der Europäischen Union vertraut machen. Außerdem will das hiesige Rathaus den Kiewern bei einer nachhaltigen kommunalen Entwicklung helfen und mit Modellen der Bürgerbeteiligung vertraut machen, wie es sie etwa beim Ausbau der Karli gegeben hatte. „Wir sind zuversichtlich“, erklärt Katja Roloff. Mittlerweile herrsche große Motivation im Kiewer Rathaus. Die Städtepartnerschaft mit Kiew ist die älteste, sie besteht seit 1961.

Auf der anderen Ebene, der direkten, bei der Begegnung zwischen den Menschen von hier und dort, ist die Freundschaft längst viel weiter. Nicht ohne Verdienst ist dabei der Verein Ukraine-Kontakt. Gerade sind neun Leipziger von der jüngsten Kiewreise des Vereins zurückgekehrt. Das Ziel: die Weiterentwicklung bestehender und das Knüpfen neuer Kontakte. Renate Voigt, Geschäftsführerin bei Ukraine-Kontakt, ist guter Dinge, wenn sie Bilanz zieht. Der Sportclub Motor Gohlis Nord (Mogono) und die Leichtathletik-Förderation der Stadt Kiew setzen ihre Partnerschaft fort; bei Lipsiaden sind die Kiewer schon zum vierten Mal dabei – Mogono fährt 2017 zum Leichtathletik-Tournier. Der Stadtsportbund baut einen Kontakt zwischen den Kinderfußballclubs Blau-Gelb und Stolitza auf. Der Verein „Freunde des Seniorentanzes“ will nach den Treffen mit Kiewer Senioren in den Jahren 2012, 2013 und 2014 die Zusammenarbeit ausbauen und neue Tänze mit den Freunden einstudieren. Der Verein „Haus Steinstraße“ arbeitet an gemeinsamen Kunst- und Kreativ-Projekten mit der Kita/Grundschule „Kievskie Kaschtany“. Die Tanzensembles Junikinder und Step-Dance Kiew kennen sich seit Oktober 2015, haben schon eine gemeinsame Modenschau im Allee-Center veranstaltet und treffen sich diesen Oktober zum Workshop in Leipzig. Die Musikagentur Frank Vonthal pflegt seit letztem Jahr Beziehungen mit der Kiewer Band Altana. Das Regenbogen-Gymnasium Zwenkau und die 149. Schule in Kiew stehen in einer Partnerschaft; zuletzt war die Neuntklässlerin Leonie Gessinger zu Besuch bei den Freunden. Der Anker in Möckern hat den Kontakt zur Kiewer Reggae-Band The Vyo angebahnt, die auch beim Courage-Festival am 1. Mai aufgetreten ist. Außerdem hat der Anker den Kontakt zu einem Kinderfreizeitzentrum in Slawjansk (Ostukraine) hergestellt; 20 Kinder von dort werden im Juli in Leipzig erwartet.

Der Verein Ukraine-Kontakt selbst hat nicht nur zahlreiche Bürgerreisen organisiert, sondern seit 1991 mehr als 1000 Kinder zum Erholungsurlaub aus der atomverseuchten Umgebung rund um Tschernobyl geholt. Nur bei den Schulpartnerschaften geht es nicht vorwärts, bedauert Renate Voigt. „Es muss an den Leipziger Partnerschulen nicht unbedingt Russisch-Unterricht geben“, wirbt die Vereins-Geschäftsführerin. In den interessierten Kiewer Schulen sei Deutsch erste Fremdsprache, zum Teil schon ab Klasse 2. „Der Austausch erfolgt also in deutscher und englischer Sprache“, erklärt Voigt. Prinzipiell seien Partnerschaften in allen Schulformen möglich – von der Grundschule bis zum Gymnasium.

Die am Donnerstag angekommene Gästegruppe besteht vor allem aus sportlichen Kindern und Jugendlichen zwischen 13 und 16 Jahren. Die wollen nicht nur am Sonntagabend mit den Leipziger Freunden das Länderspiel Deutschland-Ukraine ansehen, sondern auch an den Leipziger Kinder- und Jugendsportspiele teilnehmen – der Lipsiade. Bis nächsten Dienstag sind die Partnerstädter hier. Heute gibt es einen offiziellen Empfang im Rathaus, zu dem außerdem Gäste aus der israelischen Partnerstadt Herzliya stoßen. In großer Runde geht es auf eine Stadtrallye und in den Zoo, es gibt ein gemeinsames Barbecue, einen Besuch bei Belantis und auf der Rückfahrt einen Stopp mit Stadtführung in Dresden. Renate Voigt und ihre Mitstreiter rühren indes weiter die Werbetrommel. „Vereine und Schulen, die sich einen Kontakt nach Kiew wünschen, können sich gerne bei uns melden.“

Ukraine-Kontakt e.V.; Große Fleischergasse 12; 04109 Leipzig. Telefon: 35 24 327; Mail: ukrainekontakt@t-online.de.

http://begegnungen-leipzig-ukraine.de/

Von Björn Meine

Leipzig 51.3396955 12.3730747
Leipzig
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