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Lokales Leipzig-Lößnig: Bürger kämpft um Robinien
Leipzig Lokales Leipzig-Lößnig: Bürger kämpft um Robinien
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00:19 05.06.2017
Diskussionen unterm Baum: Darf man die Robinien fällen? Quelle: privat
Leipzig

In Lößnig ist ein Streit um die Zukunft von vier rund hundert Jahre alten Robinien entbrannt. Die Stadt will sie fällen – wegen Stammfäule. Anwohner Eckart Sackmann hat eine erste Fällaktion am Mittwoch mit seinem Protest vielleicht verhindert. Sogar die Polizei musste einschreiten...

Am Dienstag wies die Stadt mit Zetteln auf die für den nächsten Morgen geplante Aktion in der Lobstädter Straße hin. „Es geht um die vier vermutlich letzten Bäume, die noch aus der Entstehungszeit des denkmalgeschützten Viertels stammen“, sagt Sackmann, der eine kleine Protestgruppe organisierte. „Wir haben den Arbeitern den Weg versperrt.“ Die hätten dann den zuständigen Mitarbeiter der Stadt angerufen. „Als wir uns weiter weigerten, die Bäume kahlschlagen zu lassen, rief der die Polizei“, berichtet Sackmann. „Die verhielt sich sehr umsichtig und wartete eine Klärung ab: Herrscht akute Umsturzgefahr, sind die Bäume durch Vögel oder Fledermäuse bewohnt?“ Schließlich sei gerade Brutzeit – da dürfe eigentlich nichts gefällt werden. Es habe fünf Stunden Diskussion gegeben – die Naturschutzbehörde sei dazugekommen, berichtet Sackmann. Die Behörde habe Vogelbrut in allen Bäumen festgestellt. Das heißt: Schutz bis Ende September, Ende der Fällaktion.

Die Stadt habe die akute Gefährdung nicht nachweisen können – etwa über ein Gutachten, so Sackmann. „Den Sturm am Dienstag haben alle vier überstanden, ohne auch nur Äste abzuwerfen.“ Die Bäume hätten nach denselben Anspruch auf Denkmalsschutz wie das Ensemble ringsum. Nun fürchtet Eckart Sackmann, das dieses Beispiel kein Einzelfall ist. Holzt die Kommune also einfach drauf los?

Nein, sagt Volker Rasch von der Stadt Leipzig. Die Robinien seien von Stammfäule betroffen, es gebe dringenden Handlungsbedarf. Man sei im Sinne der Verkehrssicherheit in der Pflicht. Dass die Bäume den jüngsten Sturm überstanden hätten, sei keine Garantie für die Zukunft, so Rasch. Die Bäume wären aber auch ohne die Intervention des Anwohners nicht gefällt worden, meint er. „Die Firma, die vor Ort war, ist beauftragt, den Baum auf mögliche Bruten zu kontrollieren.“ Von unten könne man nicht den gesamten Bereich einsehen und zum Beispiel Nester in Bruthöhlen entdecken. Wenn eine Brut entdeckt wird, sei die Firma angehalten, die Aktion abzubrechen.

Die Stadt lässt keinen Zweifel daran, dass sie die Bäume im Herbst absägen will. Kurzfristig sollen heute zunächst die Kronen gekürzt werden, um die Windlast zu verringern. Eckart Sackmann will auch das verhindern; sein Kampf geht weiter. High Noon in der Lobstädter Straße.

Von Björn Meine

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