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Lokales Leipzig-Mockau: Zwei Zeppeline verursachen Verkehrschaos
Leipzig Lokales Leipzig-Mockau: Zwei Zeppeline verursachen Verkehrschaos
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16:40 19.05.2015
Luftschiffhalle in Mockau mit dem Zeppelin "Sachsen" am 22. Juni 1913. Quelle: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

"In endloser langer Reihe bewegten sich die Menschen auf den Hauptzugangsstraßen von Mockau und von Eutritzsch her. Und immer neue Menschenmassen brachten die Straßenbahnen, deren Betrieb zwar verstärkt war, die aber dessenungeachtet auch nicht im entferntesten dem gewaltigen Verkehr genügen konnten", berichtete die Leipziger Volkszeitung am 23. Juni 1913. Schuld an dem Ausnahmezustand waren die beiden Zeppeline "Sachsen" und "Viktoria Luise", die zur Einweihung des Luftschiffhafens Leipzig-Mockau am Vortag aus Berlin angereist waren. 78 000 Flugbegeisterte wollten sich das Spektakel nicht entgehen lassen.

Grund dafür war auch der hohe Besuch, der sich angekündigt hatte. Der Leipziger Oberbürgermeister Rudolf Dittrich konnte neben dem Sächsischen König Friedrich August III. auch den Luftfahrtpionier Ferdinand von Zeppelin begrüßen. Der damals 75-jährige Luftschiffbauer kam in seinem neuesten Schiff, der "LZ 17 - Sachsen" eingefahren und wurde laut der Zeitung mit Jubelstürmen empfangen. Der Graf soll später gesagt haben, er könne sich an einen gleich großen und dauernden Begeisterungsausbruch kaum erinnern.

Seit 1911 hatten der Leipziger Verein für Luftfahrt und der Luftflottenverein den Bau von Leipzigs erstem zivilen Flughafen vorangetrieben und die Stadtverwaltung in einer Denkschrift zum Bau aufgefordert. Zu dem Zeitpunkt befand sich nur ein Flugplatz in Lindenthal, der vom dortigen Flugplatzverein betrieben wurde. 1912 kaufte die Stadtverwaltung das Gondhardsche Rittergut in Mockau als zukünftiges Gelände für einen Luftschiffhafen. Das Geld für den Bau einer Zeppelinhalle wurde über die neu gegründete Leipziger Luftschiffhafen- und Flugplatz Aktiengesellschaft (Lefag) aufgebracht.

Die für die Aufnahme von Luftschiffen benötigte Halle hatte eine Fläche von rund 12 800 Quadratmetern und war innen bis zu 32 Metern hoch. Der Bau bot Platz für zwei große oder drei kleine Luftschiffe. Vor allem diente er der "Sachsen" als Heimathafen, wobei die Luftschiffe meistens für Stadtbesichtigungen genutzt wurden. Von den 110 Starts zwischen Juni und Oktober 1913 hatten nur 30 andere Städte als Ziel.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde der Flugplatz vom Militär beschlagnahmt. Ab 1915 produzierte die Firma Schütte-Lanz vor Ort ihre eigenen Luftschiffe für das Militär.

Am 8. Februar 1917 stürzte die Flughalle wegen zu großer Schnee- und Eislasten ein. Durch eine Wasserstoff-Explosion wurden ein fertiges und ein in Bau befindliches Luftschiff zerstört, was das endgültige Aus für einen regelmäßigen Luftschiffverkehr in Mockau bedeutete. Ab Wiedereröffnung des Flughafens im Jahr 1923 war der Platz festes Domizil der Flugzeuge, die sich gegenüber den Luftschiffen als wirtschaftlicher und sicherer erwiesen hatten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.06.2013

Theis, Florian

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