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Lokales Phönix-Organetten aus Leipzig schafften es bis nach Südamerika
Leipzig Lokales Phönix-Organetten aus Leipzig schafften es bis nach Südamerika
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21:02 27.04.2018
Die Intona von Phönix, circa 1895, mit Kurbelantrieb, 16 Zungen und einem Ringdurchmesser von 22 Zentimetern. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Mit seiner 1876 entwickelten Orchestrionette sowie mit dem 1882 präsentierten Ariston – das erste mechanische Instrument mit runder, leicht auswechselbarer Lochplatte – legte Paul Ehrlich den Grundstein für die Musikwerke-Industrie in Leipzig sowie auch für einen Aufschwung dieses Fabrikationszweiges in ganz Deutschland. Ehrlichs Erfindungsreichtum und Kreativität schienen unerschöpflich. Auf ihn gingen annähernd 80 Patente und Gebrauchsmuster hinsichtlich mechanischer Musikwerke zurück.

Seinem Beispiel folgten die Leipziger Musikwerke Phönix, Schmidt & Co. und begannen 1886 in der Kurprinzstraße 18 (heute Grünewaldstraße) mit der Produktion von Organetten. Doch gleich zu Beginn reichte Ehrlich, Erfinder und bis dahin einziger Produzent von Organetten, Klage gegen den Konkurrenten ein, unterlag jedoch 1889. Phönix-Automaten funktionierten mit gelochten Ringen oder Platten aus Zinkblech. In einem Artikel über die Organette „Phönix“ wurde als Besonderheit hervorgehoben, dass die Platten aus oxidfreiem Zinkblech gefertigt seien, was das Rosten selbst im feuchten Klima ausschließt. Zudem könnten Stücke von verschiedener Länge (68, 80 und 130 Takte) geliefert werden. „Die Tonqualität ... ist eine sehr gewählte und nicht die des gewöhnlichen Leierkastens. Sie ähnelt der einer kleinen Orgel oder eines Harmoniums.“ Schließlich: „Ein drehbarer Zug gestattet ausserdem noch während des Spiels den Ton zu verändern, sodass man abwechselnd piano, forte oder auch tremolo spielen kann.“

Als 1892 Direktor Robert Lücke starb, folgte eine schwierige Phase bis 1894 wieder berichtet wurde: „Die Fabrik … scheint sich unter der Leitung ihres neuen tüchtigen und verständnisvollen technischen Directors zu neuen Thaten emporschwingen zu wollen ... Im Interesse der Gesellschaft wünschen wir, dass [...] nun auch ein kaufmännischer Geist, der Verständniß hat für modernes Geschäftswesen, Einzug hält. Es ist nicht genug, etwas Gescheidtes zu fabriciren, man muß auch verstehen, es an den Mann zu bringen“. Zur Herbstmesse 1910 hieß es, Phönix hätte nun keine echte Konkurrenz mehr und daher volle Auftragsbücher. Noch 1911 verkauften sich die Automaten gut: „Die Fabrikate der Firma, Leierkästen mit auswechselbaren Zinknotenscheiben, erfreuen sich noch allgemeiner Beliebtheit, und werden auch für den Export nicht nur nach dem kontinentalen Ausland, sondern auch für Übersee, speziell Südamerika, stark verlangt.“ Bis zu ihrem Ende 1916 blieb die Firma auf Organetten spezialisiert. Im Verlauf des Ersten Weltkriegs musste auch diese Produktionsstätte aufgeben.

Quelle: Katalog zur Ausstellung „Leipzigs klingende Möbel – Selbstspielende Musikinstrumente 1880–1930“; https://mfm.uni-leipzig.de; www.eisenmuehle.de

Von Cornelia Lachmann

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