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Leipzig: Neue Schau zur Übernahme der NVA durch die Bundeswehr

Zeitgeschichtliches Forum Leipzig Leipzig: Neue Schau zur Übernahme der NVA durch die Bundeswehr

Wäre aus dem Kalten Krieg ein heißer geworden, hätte man aufeinander geschossen. Doch es kam anders: Eine neue Schau im Zeitgeschichtlichen Forum widmet sich der Übernahme der Nationalen Volksarmee (NVA) durch die Bundeswehr.

Blick in die neu gestaltete Ausstellung.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Militärisch exakt und in guter Stimmung ging es zu bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Ab morgen Kameraden! Armee der Einheit“ am Donnerstag. Die Schau im Zeitgeschichtlichen Forum widmet sich ab sofort der Eingliederung der Nationalen Volksarmee (NVA) in die Bundeswehr. Die wurde Geschichte mit dem Tag der Einheit am 3. Oktober 1990. Der damalige Minister für Abrüstung und Verteidigung der letzten DDR-Regierung, Rainer Eppelmann, hatte am Vorabend der Wiedervereinigung seiner Armee verkündet: „Mit dem 2. Oktober hört nach dem Willen unseres Volkes die Deutsche Demokratische Republik auf zu bestehen, aber nicht ihre Menschen. Mit dem 2. Oktober hört die Nationale Volksarmee auf zu bestehen, aber nicht ihre Soldaten und Zivilbeschäftigten.“ Im Tagesbefehl zum 3. Oktober des einstigen NVA-Bausoldaten, der sich als Pfarrer und Bürgerrechtler geweigert hatte, mit dem Waffe Dienst zu tun, hieß es: „Sie sind ab 3. Oktober 1990, 00.00 Uhr, Soldaten und Zivilangestellte der Bundeswehr …“

Die NVA hatte zu ihrem Ende noch einen Bestand von 90 000 Soldaten und weiteren Beschäftigten. 50 000 wurden für die nächsten zwei Jahre übernommen, letztlich kamen fast 11 000 Mann und Frau in Bundeswehrdienste. Die neue Bundeswehr durfte laut 2+4-Vertrag über einen Personalbestand von 370 000 Angehörigen verfügen, womit auch die West-Armee Personal abzubauen hatte. Ab dem Oberst gab es für NVA-Dienstgrade keine Weiterbeschäftigung. Für Ausstellungsprojektleiter Hanno Sowade ist die Vereinigung der beiden Armeen eine „großartige Geschichte, nach der Friedlichen Revolution ein weiteres Wunder. Kein Schuss fiel, kein Verbrechen geschah, die Fusion verlief erstaunlich geräuschlos“. Es sei gelungen, die beiden am weitesten auseinanderliegenden Bereiche zweier grundverschiedener gesellschaftlicher Systeme zu vereinen. Sowade erinnert: „Wäre aus dem Kalten Krieg eine kriegerische Auseinandersetzung geworden, hätte man aufeinander geschossen. Stattdessen ein Zusammenschluss ganz und gar ohne Gewalt und ohne Verbrechen. Nicht mal Munition kam aus den nicht mehr hoch gesicherten Depots abhanden.“

Zur Eröffnung der Ausstellung spricht Generalmajor a.D. Ekkehard Richter. Bis 1990 im Bonner Verteidigungsministerium eingesetzt, gehörte er im Einheitsjahr zum Bundeswehr-Führungstrupp, der die Integration der NVA organisierte: „Es musste alles sehr, sehr schnell gehen.“ Richter, der bis 1995 Kommandant der 13. Panzergrenadierdivision in Leipzig war, staunt noch heute, wie reibungslos die Verschmelzung zweier Armeen über die Bühne ging. Nicht nur Personal war neu zu orientieren, auch die Bestände der NVA mussten abgebaut oder vernichtet werden. Ein groß angelegte Verschrottung fand statt: 11 300 Kampfpanzer und gepanzerte Fahrzeuge, 700 Flugzeuge und Hubschrauber, 190 Schiffe. Die Bundeswehr behielt nur sieben Prozent der Ost-Bestände, darunter 24 Flugzeuge von Typ MiG 29.

Natürlich, so Udo Beßer, erst „Soldat für den Frieden“ und „Klassenkämpfer“, dann „Staatsbürger in Uniform“, sei die Fusion keine Romanze gewesen, doch letztlich ein Erfolg. Auch wenn die neuen Untergebenen sogar den Frühsport hätten abschaffen wollen. Doch die Alten und die Neuen fanden zusammen. Wie Ausstellungsmacher Sowade meint, war das spätestens zur Oderflut 1997 geschehen: „Beim Füllen der Sandsäcke und weiteren Hilfeleistungen fragte kein Mensch mehr, ob man aus dem Osten oder Westen kommt.“ Die vereinigte Armee im Verbund der Nato hatte schon bald ganz andere Aufgaben zu erfüllen. Einsätze auf dem Balkan, in Afghanistan, in Afrika und neuerdings im Baltikum.

Täglich, außer Montag, geöffnet. Eintritt frei. – www.hdg.de

Von Thomas Mayer

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