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Lokales Leipzig: Ortschaftsräte wehren sich gegen zunehmenden Fluglärm
Leipzig Lokales Leipzig: Ortschaftsräte wehren sich gegen zunehmenden Fluglärm
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10:01 16.11.2018
Mehrere Antonow AN 124 am Flughafen Leipzig/Halle. Der Fluglärm ist ein Dauerthema in den Ortschaftsräten. Quelle: dpa
Stadtgebiet

Mit einer konzertierten Aktion machen die meisten Ortschaftsräte im Leipziger Norden und Nordwesten erneut mobil gegen den ständig zunehmenden Fluglärm in den Nachtstunden in ihren Wohngebieten. Die Gremien fordern in Schreiben an das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, die im Juni 2017 vom Deutschen Bundestag einstimmig angenommene Petition zur sogenannten kurzen Südabkurvung endlich umzusetzen und diese Flugroute zu streichen. Denn kommt der Wind von Osten, heben die Maschinen gen Osten ab – um kurz darauf nach Süden abzudrehen. Diese Südabkurvung stellt für die Anwohner im Norden und Nordwesten der Messestadt eine erhebliche Belastung dar.

„Grenzen des Zumutbaren sind überschritten“

„Die Lärmgrenzen des Zumutbaren sind längst überschritten und es soll noch viel schlimmer werden“, konstatierte Bert Sander (parteilos) vom Netzwerk der Bürgerinitiativen am Schkeuditzer Flughafen. Derzeit gebe es jede Nacht zwischen 23 Uhr und 5 Uhr morgens 150 Starts und Landungen am Airport Leipzig/Halle. Und dies zu 88 Prozent auf der Südpiste, die den Wohnquartieren am nächsten liegt. Schon ab 2020 seien jeweils 220 Frachtflüge Nacht für Nacht geplant. Dies ergebe sich aus dem Koalitionsvertrag der Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD, die den Ausbau des Flughafens Leipzig/Halle zum deutschlandweiten Frachtdrehkreuz beschlossen hat.

„Gesundheit Zehntausender ist betroffen“

Thomas Kuhnert (CDU), Mitglied der Bürgerinitiative „Abschaffung kurze Südabkurvung“, appellierte als Gast der jüngsten Ortschaftsratssitzung in Lindenthal und einstiger langjähriger Vorsteher des Nord-Ortsteils, sich ebenfalls an der konzertierten Aktion zu beteiligen. Und die Lindenthaler, die ohnehin mit am meisten unter dem Lärm zu leiden haben, beschlossen einstimmig über alle Parteigrenzen hinweg, ebenfalls einen Protestbrief an das Bundesverkehrsministerium zu verfassen. Kuhnert betonte, dass im Planfeststellungsverfahren für die beiden Start- und Landebahnen 2004 quasi gesetzlich geregelt sei, die Pisten 50:50 zu nutzen und nicht 12:88. „Aber beim Dienstleister DHL spielen gesetzliche Vorgaben offensichtlich keine Rolle“, klagte er. Das Logistik-Unternehmen schere sich nicht darum und lasse seine Flugzeuge vorwiegend von der Südbahn starten – was zu Lasten der Gesundheit zehntausender Bürger gehe, betonte der Ex-Ortschef. Rund 60 000 Leipziger seien durch die Südabkurvung in ihrer Lebensqualität erheblich eingeschränkt. Viele von ihnen würden immer wieder um den Schlaf gebracht, so Kuhnert.

Bundestagsabgeordnete unterstützen konzertierte Aktion

Der frühere Lindenthaler Ortschef informierte des Weiteren darüber, dass auch die vier Leipziger Bundestagsabgeordneten Jens Lehmann (CDU), Daniela Kolbe (SPD), Monika Lazar (Grüne) und Sören Pellmann (Die Linke) die konzertierte Aktion unterstützten. Lehmann habe sich zur Sache bereits bei Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) einen Termin gesichert.

Der Burghausener Ortsvorsteher Stefan Köster (parteilos) hob in seinem Schreiben an Staatssekretär Steffen Bilger hervor, dass der Bundestag die besagte Petition mit dem höchsten Votum zur Umsetzung an das Verkehrsministerium weitergeleitet habe. Das Anliegen der Petition basiere auf Dokumenten des Planfeststellungsbeschlusses von 2004 sowie auf Urteilen des Bundesverwaltungsgerichtes und des Oberverwaltungsgerichtes, sei also „das Resultat eines langen demokratischen Abstimmungsprozesses“. Dies dürfe das Scheuer-Ministerium nicht länger negieren.

Von Günther Giessler

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