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Leipzig: SPD-Vize Glöckner für Frauenquote bei der Benennung von Straßen

Leipzig: SPD-Vize Glöckner für Frauenquote bei der Benennung von Straßen

Braucht Leipzig für die Benennung von Straßen und Plätzen eine Frauenquote? Ja, sagt Ingrid Glöckner, stellvertretende SPD-Fraktionschefin im Stadtrat. Nach einer Analyse des Amtes für Statistik und Wahlen haben in Leipzig bislang rund 2000 Straßen männliche, aber nur rund 100 weibliche Namensgeber.

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Braucht Leipzig für die Benennung von Straßen und Plätzen eine Frauenquote? Ja, sagt Ingrid Glöckner, stellvertretende SPD-Fraktionschefin im Stadtrat.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Im Frühjahr hatte eine Namensgebung in Friedrichshain-Kreuzberg Wellen geschlagen. Das Jüdische Museum wollte seinen Vorplatz nach dem Philosophen Moses Mendelssohn benennen - und durfte nicht. Denn: In dem von den Grünen regierten Berliner Bezirk gilt seit 2005 eine Frauenquote von 50 Prozent. Bis die erreicht ist, dürfen prinzipiell nur noch weibliche Namen vergeben werden. Am Ende stand ein Kompromiss: Auf dem Schild befindet sich nun der Name "Fromet- und Moses-Mendelssohn-Platz" - die Frau des berühmten jüdischen Philosophen wurde mit verewigt.

Nach einer Analyse des Amtes für Statistik und Wahlen haben in Leipzig bislang rund 2000 Straßen männliche, aber nur rund 100 weibliche Namensgeber. "Leipzig hat ein Defizit an nach Frauen benannten Straßen", sagt Amtsleiterin Ruth Schmidt. "Daher folgt zumeist eine intensive Suche nach Frauen." Eine Quote sei derzeit aber nicht angedacht.

Genau diese Lösung könnte sich aber Ingrid Glöckner vorstellen. "Eine Quote wäre nicht schlecht", findet die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat. Ob diese bei 50 Prozent oder darunter liege, müsse man sehen. Bloße Willensbekundungen seien unverbindlich. Mit einem festgelegten Anteil könne man mehr erreichen, meint die Politikerin, die sich freut, selbst in der Clara-Wieck-Straße zu wohnen, die nach der Komponistin und Pianistin benannt ist.

Auch Margitta Hollick (Die Linke) kann sich eine Quote grundsätzlich vorstellen. Die Namensvergabe in den vergangenen Jahren ist aus Sicht der Stadträtin "mehr vom Zufall geprägt" gewesen. Frauen, die es verdient haben, sollten gewürdigt werden. "Wir müssen auch in Leipzig erreichen, dass Frauen im Stadtbild präsenter sind." Hollick ist aber nicht für eine dogmatische Umbezeichnung. Die Benennung des Gymnasiums in der Bornaischen Straße nach der Frauenrechtlerin Louise Otto-Peters sieht Hollick durchaus widersprüchlich. Schließlich sei Theodor Mommsen, Namensgeber der früheren Schule am Standort, ein bedeutender Nobelpreisträger gewesen.

"Völliger Quatsch, was soll denn das?" - die CDU-Fraktionsvorsitzende Ursula Grimm kann einer Frauenquote für die Bezeichnung von Straßennamen rein gar nichts abgewinnen. "Es gab Zeiten, da waren bedeutende Persönlichkeiten halt Männer. Daher kommt das Ungleichgewicht." Das Geschlecht spiele für sie keine Rolle - auch bei der heutigen Namensvergabe nicht. Es komme auf die Bedeutung einer Person an.

In diese Richtung argumentiert auch Isabel Siebert. "Es wäre eine Geschichtsverfälschung, würde man heute mit Zwang Straßen nach Frauen benennen", findet die FDP-Stadträtin. "Es ist nun einmal Teil der Geschichte, dass Männer häufig die entscheidenden Akteure waren. Sollte eine weibliche historische Persönlichkeit ihren Straßennamen in Leipzig noch nicht erhalten haben, freue ich mich über Vorschläge." Und den Frauen für die Straßenschilder von morgen helfe man heute am besten mit Unterstützung anstatt mit einem festgelegten Anteil.

Katharina Krefft hält eine Quote zum jetzigen Zeitpunkt für verfrüht. "Perspektivisch" sei die Idee "charmant" - für den Moment ist die Grünen-Stadträtin aber eher "für eine pragmatische Lösung". Es müsse zunächst einmal darum gehen, die Frauennamen zu sammeln und ins Bewusstsein zu rücken, die eine Würdigung verdient hätten.

Welche Frauen haben in Leipzig eine Rolle gespielt? - Aus dem Gleichstellungsbeirat heraus habe sich eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, die derzeit genau dieser Frage nachgehe, berichtet Krefft.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.07.2013

Björn Meine

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