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„Leipzig-Schild in Masar-i-Scharif“ - General Pfeffer übernimmt Kommando in Afghanistan

„Leipzig-Schild in Masar-i-Scharif“ - General Pfeffer übernimmt Kommando in Afghanistan

Im Dienstzimmer von Generalmajor Erich Pfeffer in der Leipziger General-Olbricht-Kaserne hängt ein afghanischer Mantel, glänzend und grüngestreift, so wie ihn auch Präsident Hamid Karsai oft trägt.

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Der Kommandeur der 13. Panzergrenadierdivision in Leipzig, Generalmajor Erich Pfeffer, übernimmt das Kommando über 11.500 Soldaten in Afghanistan.

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. Daneben liegt ein bunter handgewebter Teppich, der einer Landkarte gleicht und Afghanistan zeigt. Pfeffer weist auf die nördlichen neun Provinzen, ein Gebiet, so groß wie die halbe Bundesrepublik. Diese Region wird ab Ende Februar für ein ganzes Jahr sein Verantwortungsbereich sein. Der 53-jährige Zwei-Sterne-General übernimmt als Kommandeur des Regionalkommandos Nord die Verantwortung über 11.500 Soldaten der Internationalen Schutztruppe. 

Frage: Wer hat Ihnen den afghanischen Mantel und den Teppich gegeben?

Erich Pfeffer: Den hat mir der afghanische General Wesa geschenkt, der Anfang Dezember unter anderem den Leipziger Divisionsstab besuchte. General Wesa hat als Kommandeur bei der afghanischen Armee den gleichen Verantwortungsbereich wie ich und wird mein Ansprech-Partner sein.

Wie schätzen Sie die Sicherheitslage vor Ort ein?

Sie ist deutlich besser geworden als vor einem Jahr. Das zeigt sich auch darin, dass in der Bevölkerung im Norden Afghanistans als die größten Probleme die hohe Arbeitslosigkeit und die Mängel in der Infrastruktur wahrgenommen werden, nicht mehr die Sicherheitsfragen.

Für die Infrastruktur ist aber nicht die Bundeswehr zuständig.

Aber wir müssen gemeinsam mit den afghanischen Sicherheitskräften das sichere Umfeld garantieren. Dass es sicherer geworden ist, bedeutet keinesfalls, dass es keine Gefahr mehr gibt.

Sind Sie und die Soldaten Ihrer Division überhaupt noch motiviert für den Afghanistaneinsatz? Schließlich läuft die Mission aus und Sie wissen nicht, was bleibt.

Natürlich sind wir motiviert. Es wäre ja traurig, wenn ich mit lauter unmotivierten Soldaten in den Einsatz gehen würde. Die Herausforderung ist, die afghanischen Sicherheitskräfte auszubilden und ihnen zunehmend Verantwortung zu übergeben.

Das heißt, Sie brauchen mehr Ausbilder als Kämpfer?

Ja, darauf sind wir eingerichtet. Wir brauchen mehr Mentoren und Berater. Wir unterstützen die Afghanen dort, wo sie noch nicht genügend Kapazitäten haben, etwa bei der Aufklärung oder bei Operationen aus der Luft. Kämpfer, und zwar gute, haben die afghanischen Streitkräfte selbst schon genug.

Aber allgemein ist das Vertrauen in die Fähigkeiten der afghanischen Sicherheitskräfte nicht groß. Die Ausbildung unterscheidet sich ja doch von der bei der Bundeswehr. Ist das Schlagwort von der Übergabe der Verantwortung nur eine Beruhigungspille?

Die Afghanen tragen die Verantwortung für ihr Land, und sie müssen die Lösung finden, die zu ihrer Kultur und ihrem Selbstverständnis passt. Wir sind zur Unterstützung da und werden den Afghanen keine Lösung nach deutschem Muster aufdrücken. 

Sie gehen für ein ganzes Jahr an den Hindukusch. Wie fühlen Sie sich? Was sagt Ihre Familie?

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Etwas anders als sonst war das letzte Weihnachtsfest vor dem Einsatz in Afghanistan schon, verrät Generalmajor Erich Pfeffer.

Quelle: Christian Nitsche

Nun, das vergangene Weihnachtsfest war schon anders als sonst. Besonders meine Mutter, sie ist 75, macht sich Sorgen. Meine Frau weiß, was sie erwartet. Sie muss wieder für lange Zeit allein zurechtkommen. Eine Woche Urlaub bleibt uns noch, bevor ich Mitte Februar losfliege.

Wird Ihre Ehefrau in Leipzig bleiben?

Meine Frau und ich, wir haben uns in Leipzig eine Wohnung genommen, um trotz der kurzen Zeit in der Messestadt gemeinsam heimisch zu werden. Aber wenn ich in Afghanistan bin, wird sie für diese Zeit zurückkehren in unser Haus in Nordrhein-Westfalen. Meine Frau hat dort eine ehrenamtliche Aufgabe übernommen.

Wie halten Sie Kontakt? Telefonieren Sie jeden Tag mit Ihrer Frau?

Das lässt sich so nicht planen. Aber ich werde wieder häufiger Briefe schreiben. Meine Frau hat alle meine Briefe, die ich ihr aus bisherigen Einsätzen geschrieben habe, aufgehoben. Telefonate sind vergänglich.

Werden Sie Ihre Frau wenigstens zu Weihnachten 2012 in die Arme nehmen können?

Wahrscheinlich nicht. Wir richten uns darauf ein, dass wir uns ein Jahr nicht sehen werden. Wenn es doch klappen sollte mit einem Heimflug, werden wir uns freuen. Aber an Weihnachten wird es sicher nicht sein. Da werde ich lieber Soldaten zu ihren Familien fliegen lassen.

Wie wird Ihr Zuhause aussehen für ein Jahr in Masar-i-Scharif?

Das ist ein schöner Bundeswehrcontainer mit Bett, Schrank, Stuhl und Tisch. Diesem werde ich meine persönliche Note geben. Natürlich sind die Gestaltungsmöglichkeiten begrenzt. Aber ich möchte auf alle Fälle ein Leipzig-Schild vor dem Stab anbringen. Ich hoffe, der Oberbürgermeister gibt mir eins.

Sie lösen Generalmajor Markus Kneip ab. Er ist bei einem Angriff verwundet worden. Wie sehr belastet Sie das?

Man kann nicht alles voraussehen, was passiert. Ich versuche mit Krisen dann umzugehen, wenn sie da sind. General Kneip wird das Kommando am 26. Februar an mich übergeben und mich vorher genau in alles einweisen.

Seit Oberst Klein, der ja damals Chef des Stabes der Leipziger Division war, den Befehl zum Angriff auf Tanklaster in Nordafghanistan gegeben hat, steht jeder Kommandeur noch mehr unter Druck bei gravierenden Entscheidungen. Wie tragen sie diese Last?

Als Kommandeur muss ich Entscheidungen treffen. Dafür gibt es Regeln. Das Risiko, eine Entscheidung zu fällen, die hinterher möglicherweise umstritten ist, belastet mich nicht so sehr wie die Verantwortung, die ich für meine Soldaten trage. Sie verantwortungsbewusst einzusetzen, das ist für mich das Wichtigste. Das, was mich ruhig schlafen lässt, ist das Vertrauen in meine Soldatinnen und Soldaten. Ich weiß, dass sie sich seit langer Zeit vorbereitet haben und hochmotiviert an ihre Aufgaben gehen. Dieses Teamverständnis ist ganz wichtig.

Wie ist das zahlenmäßige Verhältnis der afghanischen Soldaten zu denen der Schutztruppe?

Insgesamt haben wir im Norden Afghanistans 41 000 Sicherheitskräfte, darunter 11 500 von der Internationalen Schutztruppe Isaf. Zu diesen zählen etwa 5000 Bundeswehrsoldaten, 5000 US-Soldaten und Kameraden aus 18 Nationen. An dieser Konstellation sehen Sie aber, wie stark die afghanischen Soldaten und Polizisten schon vertreten sind. Diese können daher deutlich mehr Präsenz in der Fläche zeigen als die Isaf-Truppen. Der Aufbau der afghanischen Armee ist quantitativ zu 80 Prozent abgeschlossen. An der Qualität arbeiten wir durch gemeinsame Operationen.

Wie schaffen Sie den Spagat, jetzt die Division zusammen zu führen für den Einsatz und diese danach aufzulösen?

Die Kernelemente der Division, die beiden Brigaden in Frankenberg und Torgelow sowie das Fernmeldebataillon 610 und das Heeresmusikkorps 2 bleiben ja erhalten, nur in anderen Strukturen.

Aber Ihr Posten als Divisionskommandeur fällt weg. Könnten Sie sich denn vorstellen, auch das neu zu schaffende Ausbildungskommando des Heeres in Leipzig leiten?

Ja, das würde ich gern machen. Aber das entscheide nicht ich.

Kann das Personal, das jetzt in Leipzig ist, auch in das Ausbildungskommando übernommen werden?

Das werden wir so weit wie möglich versuchen. Da müssen wir aber die Feinplanungen abwarten, die das Ministerium im April vorlegen will. Dann haben wir eine Übersicht über die Dienstposten und die erforderliche Qualifizierung und können schauen, wer dafür in Frage kommt. Die Planung für den Umbau in Leipzig verläuft dann unter meinem Stellvertreter, Brigadegeneral Klaus von Heimendahl, parallel zu meinem Einsatz am Hindukusch.

Und 2013 schlägt es dann 13 für die 13.?

Das Heer muss sich noch stärker als bisher auf die Einsätze ausrichten. Die 13. Panzergrenadierdivision leistet dazu ihren Beitrag. Ab Mitte 2013 wird voraussichtlich die Auflösung des Stabes erfolgen.

Nehmen Sie einen Glücksbringer mit in den Einsatz?

Ja, meine Frau gibt mir einen mit. Aber mehr verrate ich nicht.

Interview: Anita Kecke

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