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Lokales Leipzig: Überforderte Eltern treiben Sozialausgaben in die Höhe
Leipzig Lokales Leipzig: Überforderte Eltern treiben Sozialausgaben in die Höhe
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07:00 08.09.2016
Immer mehr Eltern brauchen Hilfe bei der Erziehung ihrer Kinder. Quelle: dpa
Leipzig

Immer mehr Eltern brauchen Hilfe bei der Erziehung ihrer Kinder. Für die Stadt ist die Entwicklung wegen ihrer Unkalkulierbarkeit von großer Brisanz. Für dieses Jahr hat die Sozialbehörde den Bedarf inzwischen auf 81 Millionen Euro angehoben. Im Haushalt eingeplant sind lediglich 65 Millionen Euro. Die Ratsversammlung soll nun eine Aufstockung des Budgets beschließen.

Die Erziehungshilfen steigen seit Jahren so rasant wie kaum ein anderer Ausgabeposten, erreichen immer neue Höchststände. Innerhalb von nur zwei Jahren kletterten sie nunmehr um 23 Millionen Euro. Ein Anstieg um 40 Prozent! Und ein Ende ist nicht abzusehen.

„Alle Prognosen berücksichtigend ist davon auszugehen, dass die Stadt Leipzig kontinuierlich weiter wächst und sich nachweislich verjüngt. Somit steigen auch potentiell die durch den ASD (Allgemeiner Sozialdienst, d. Red.) pflichtig zu erfüllenden Aufgaben“, schreibt das Sozialdezernat in seiner Beschlussvorlage für den Stadtrat.

In diesem Jahr wird die Kommune für die Erziehung von 2858 Kindern und Jugendlichen 81 Millionen Euro ausgeben. Im Jahr 2014 waren es noch 2315 Fälle, die mit 58 Millionen Euro zu Buche schlugen. Die durchschnittlichen Kosten pro Fall erhöhten sich von 25 000 Euro auf mehr als 28 000 Euro im Jahr.

Am höchsten sind die Ausgaben dann, wenn das Jugendamt Kinder aus ihren Familien herausnimmt und eine Heimbetreuung anordnet. Seit dem Tod des zweijährigen Kieron-Marcel vor vier Jahren in Gohlis sind die Behörden vorsichtiger geworden und gehen schneller von der ambulanten zur stationären Betreuung über. Der kleine Junge war in seiner Wohnung verdurstet, nachdem seine drogenabhängige Mutter dort an einer Überdosis Rauschgift gestorben war.

Allein die stationären Hilfen machen drei Viertel der aktuellen Kostensteigerung aus. In jedem dritten Fall wird der Nachwuchs mittlerweile von Problemfamilien getrennt. Das Sozialdezernat räumt ein, dass die Verteuerungen auch Folge einer fehlenden Angebotsstruktur insbesondere im Bereich der stationären Hilfen seien. Kinder und Jugendliche müssen immer öfter außerhalb von Leipzig untergebracht werden. Daraus ergibt sich ein weiteres Problem. Eine mögliche Reintegration in die Familien gestaltet sich so schwieriger. „Aufgrund der teilweise erheblichen Entfernungen“, so die Behörde, „kann insbesondere die Steuerung der Rückführung der Kinder und Jugendlichen in den elterlichen Haushalt nicht ausreichend gesichert werden.“

Und noch ein Trend lässt sich beobachten. Um so genannter Schulabstinenz vorzubeugen, setzen die Behörden zunehmend Schulbegleiter ein. Sie sollen dafür sorgen, dass auffällige Kinder und Jugendliche zum Unterricht gehen und dort auch bleiben. Allein von Juni bis Dezember vergangenen Jahres sei die Zahl von 105 auf 130 Fälle gestiegen. „Im Einzelfall entstehen hierdurch Kosten zwischen 1500 und 6000 Euro monatlich“, heißt es in dem Papier an den Stadtrat.

Eine Ursache für die explodierenden Kosten in der Erziehungshilfe liegt nach Ansicht der Sozialwissenschaftlerin Heike Förster von der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) in den Kürzungen der Hilfen nach der Jahrtausendwende. „Immer wenn rigide Sparkurse gefahren werden, hat man die Fallzahlsteigerungen und demzufolge auch die steigenden Kosten zirka zehn Jahre später“, sagte sie im Frühjahr in einem Interview mit der LVZ. „Das ist wie ein Bumerang, der wieder zurückkommt.“

Von Klaus Staeubert

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