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Lokales Leipzig: Von Hugo Lichts Markthalle gibt’s noch dunkle Gewölbe
Leipzig Lokales Leipzig: Von Hugo Lichts Markthalle gibt’s noch dunkle Gewölbe
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00:17 07.09.2016
In der Markthalle sorgten einst sechs Fahrstühle für Waren-Nachschub aus den Lagerkellern, die sich noch heute unter dem Wilhelm-Leuschner-Platz hinziehen.   Quelle: Foto: Archiv
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Leipzig

Anno 1891 war sie vollendet worden. Ein Schmuckstück für den Handel, gemauert aus gelben Ziegeln, überdacht mit einer imposanten Konstruktion und bekrönt von einem 34 Meter hohen Turm mit italienischem Einschlag, der es technisch in sich hatte. Drinnen befand sich als treibende Kraft für sechs hydraulische Warenaufzüge ein Wasserreservoir. Die Fahrstühle bedienten mehrere Stockwerke – beförderten Waren auf die Galerie oder aus den unterirdischen Depots ins große Verkaufsareal zu ebener Erde. In zeitgenössischen Berichten ist zu lesen, wie weitläufig die Lager in den Tiefen der Markthalle waren. Dampfkessel und Maschinen, so schreiben die Chronisten, verrichteten dort unten ebenso ihr Werk wie eine Kühlanlage.

Nach dem Bombardement vom 4. Dezember 1943 war das vorher so prächtige Quartier für den Einzelhandel zwar schwer gezeichnet, aber der Betrieb lief trotzdem eingeschränkt weiter. Und nach Kriegsende, als der in eine Trümmerwüste verwandelte Königs- zum Leuscher-Platz wurde, zeigte sich die Zentalmarkthalle noch halbwegs intakt und erfüllte ihre Funktion. Bis das Nationale Aufbauwerk der DDR ihr Schicksal besiegelte – 1959 wurde der Platz vollends planiert, um Neues schaffen. Ein Kongresszentrum sollte es sein, doch dafür fehlte die ökonomische Kraft. Nach der Wende wurde neuer Anlauf für eine Renaissance der Markthalle genommen. Heraus kam aber nur eine riesige Parkpalette auf dem Areal, das sich an der Markthallenstraße erstreckt. In der Hoffnung, bald baulich richtig loslegen zu können, wurde die hässliche Hochgarage 2001 demontiert.

Seitdem kocht das Thema Markthalle immer wieder hoch – aus architektonischem Blickwinkel, aber auch aus konzeptioneller Sicht innerhalb einer Gesamtlösung für den Leuschner-Platz. Während öffentlich emsig darüber debattiert wird, was auf ihn draufkommt, interessiert Lost-Places-Fans, was noch drunter ist. Als 1959 Hugo Lichts Bauwerk von der Bildfläche verschwand, wurde nur oberirdisch abgeräumt. Mit Betonplatten abgedeckt, blieb der weitläufige Kellerbereich bestehen.

Noch heute zeugt die einsam auf dem verwahrlosten Terrain aufragende Umbauung eines Lastenaufzuges von der Nutzung der Gewölbe als Depots zu DDR-Zeiten. Wer das Gelände inspiziert, stößt auf mehrere Abstiege, die dicht gemacht sind. Stoßtrupps urbaner Erkundung gelingt es dennoch immer wieder ins versunkene Markthallenreich vorzudringen. Im Internet kursierende Kurzfilme über diese Touren lassen ahnen, warum Krimi-Autor Heintz seine „Totenblick“-Handlung teils dort unten spielen lässt.

 

Von Mario Beck

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