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Lokales Leipzig: Wackeln die Stühle der LVV-Chefs?
Leipzig Lokales Leipzig: Wackeln die Stühle der LVV-Chefs?
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00:10 24.03.2018
Über die Vertragsverlängerung der LVV-Chefs Norbert Menke und Volkmar Müller (rechts) wird bis Anfang März entschieden. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Hinter den Kulissen des Leipziger Stadtkonzerns LVV rumort es gegenwärtig. Nicht ohrenbetäubend, aber doch hörbar. Der Anlass: Bis Anfang März muss der Aufsichtsrat darüber entscheiden, ob die Verträge der beiden Konzernchefs Norbert Menke (55) und Volkmar Müller (56) um weitere fünf Jahre verlängert werden. Das soll zumindest bei Menke, der am 1. April 2014 von außen und gleich an die Spitze des Unternehmens kam, nicht völlig unumstritten sein, berichten Insider.

Zwar laufen beide Verträge erst am 31. März 2019 aus. Doch aus juristischen Gründen müsste es den Spitzen der Leipziger Gruppe spätestens ein Jahr vorher mitgeteilt werden, falls sie durch andere Manager ersetzt werden sollten. Sehr wahrscheinlich ist das allerdings nicht.

Schließlich wurden fast alle Ziele erreicht, die Menke bald nach seiner einstimmigen Wahl durch den Aufsichtsrat am 10. Februar 2014 verkündet hatte. So hat die LVV seither jedes Jahr 45 Millionen Euro zur Finanzierung des Bus- und Straßenbahnverkehrs in Leipzig erwirtschaftet. Das Sparprogramm „LVV 2017“ wurde zum Großteil durchgezogen. Auch die Stromerzeugung sei so weit umgestellt, dass der Bedarf aller Leipziger Kunden heute umweltfreundlich durch erneuerbare Energien gestillt werden kann.

Wirtschaftlich steht das Unternehmen mit 4700 Mitarbeitern besser da denn je, räumen selbst die Kritiker ein. Hinzu kommt, dass auf Betreiben von Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) in den letzten Jahren aus allen extrem riskanten Finanzgeschäften ausgestiegen wurde, die Leipzigs Kommunalfirmen zu Zeiten von Jungs Amtsvorgänger Wolfgang Tiefensee (SPD) eingerührt hatten. Ob Cross-Border-Leasing, Collateralized Debt Obligation oder Wandel-Memory-Swap: Die Zeiten der Millionen-Wetten mit komplizierten Namen und undurchschaubaren Verträgen sind im Stadtkonzern vorbei. Den Prozess in London zum Wasserwerke-Skandal hat Leipzig bisher tadellos absolviert. Dort verlangt die UBS-Bank als größter Vermögensverwalter der Welt eine halbe Milliarde Euro von den Wasserwerken, hat aber schon zweimal verloren.

Neben der Habenseite gibt es aber auch Kritikpunkte, die jetzt vor allem die Arbeitnehmer-Vertreter umtreiben sollen. Sie stellen die Hälfte der 20 Mitglieder im Aufsichtsrat, könnten mit Hilfe von Stadträten aus der anderen Hälfte leicht eine Mehrheit bilden. Das von Menke 2014 hervorgehobene Ziel, den Firmensitz der Verbundnetz Gas AG (VNG) in Leipzig zu sichern, wurde nicht erreicht, heißt es da zum Beispiel. Tatsächlich fiel im Mai 2017 bei VNG die Sperrminorität ostdeutscher Kommunen. 78,42 Prozent der Anteile am umsatzstärksten Konzern in Ostdeutschland gehören seitdem zwei miteinander verbundenen Unternehmen aus Baden-Württemberg. Auf deren guten Willen sei Leipzig künftig bei der Frage des Firmensitzes und damit vieler Jobs angewiesen.

Moniert wird vor allem, beim Poker um die Ex-VNG-Anteile der Erfurter Stadtwerke (4,21 Prozent) habe die LVV-Spitze ungeschickt agiert. Am Ende ging das Erfurt-Paket für 59,3 Millionen Euro nach Baden-Württemberg. Ein Preis, der auch für Leipzig akzeptabel gewesen wäre und die Sperrminorität weiter gesichert hätte.

Das Sparprogramm „LVV 2017“ kam zwar ohne betriebsbedingte Kündigungen aus. Wer den drei großen Tochterfirmen Befugnisse wegnimmt, um sie in der Konzernzentrale zu bündeln, macht sich damit aber naturgemäß nicht nur Freunde. Zudem beklagen etliche Beschäftigte, durch eine Vielzahl an Tochterfirmen mit unterschiedlichen Tarifen würden massiv die Lohnkosten gedrückt. Etwa die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) könnten bald enorme Probleme haben, genügend Bus- und Straßenbahnfahrer zu finden. Seit Langem seien die Investitionen bei den Stadtwerken zu niedrig. Die Gewinne des Energieversorgers würden fast nur dazu dienen, alle Wünsche des Rathauses nach einem großen ÖPNV-Angebot zu erfüllen. Der Konzernspitze fehle der Mut, das Ausbluten der Stadtwerke zu stoppen und von der Politik einen finanziellen Beitrag für den Nahverkehr einzufordern nach dem Motto: „Wer bestellt, soll auch bezahlen“.

Nicht zuletzt spielt in die aktuelle Personaldebatte wohl auch eine Art psychologischer Bumerang hinein. Bevor Ende 2016 Michael Halberstadt zum neuen LVB-Personal-Geschäftsführer wurde, bedrängte die Konzern-Spitze die Arbeitnehmervertreter, doch lieber eine Frau für diesen Posten vorzuschlagen. Grund: Alle anderen acht Geschäftsführer im Top-Management des Stadtkonzerns sind Männer. Die Arbeitnehmervertreter blieben jedoch stur bei der einzigen Spitzenposition, für die sie traditionell ein Vorschlagsrecht genießen. Wenn der Konzern mehr Frauen an der Spitze will, solle er sich doch bitteschön bei den anderen acht Geschäftsführerposten weiblicher aufstellen, hieß damals ein Gegenargument, das jetzt wieder eine Rolle spielen könnte.

Von Jens Rometsch

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