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Leipzig-Wetter sorgt im Internet für Furore

Messdaten aus Gohlis Leipzig-Wetter sorgt im Internet für Furore

Den einmillionsten Besucher erwartet in diesen Tagen der Gohliser Hobby-Meteorologe Michael Jung auf seiner Internetseite leipzig-wetter. Der 53-Jährige hat seine Wetterstation auf der Grünfläche vor einem Mietshaus aufgebaut, in dem er wohnt. Die Wetter-Daten werden alle 15 Minuten ins Internet übertragen.

Neben Temperatur und Luftfeuchte wird auch alle 15 Minuten die Niederschlagsmenge ermittelt.

Quelle: Foto: André Kempner

Leipzig. „Ich hätte nie gedacht, dass das so viele Leute interessiert“, räumt Michael Jung ein, der im öffentlichen Dienst arbeitet und im Jahr 2005 von Dresden nach Leipzig übersiedelte. „Aber die Leute wollen wissen, ob es in Gohlis geregnet hat und ob sie in den Garten fahren müssen, um zu gießen.“ Auf der Internetseite des Gohlisers erfahren sie das relativ präzise: Neben Niederschlagsmenge, Luftfeuchte, Temperatur und Luftdruck werden die Sonnenscheindauer sowie die Windstärke und -richtung festgehalten. Jung hat inzwischen sogar eine Rubrik „Gartenwetter“ kreiert, in der die aktuellen Grünlandtemperaturen rechnerisch ermittelt werden. „Die Gärtner wissen dadurch, wann sie mit der aktiven Bodenbepflanzung beginnen können“, sagt er. Wer möchte, kann die aktuellen Daten dort auch mit anderen Tagen, Monaten oder Jahren vergleichen. Natürlich gibt es auch ein spezielles Medizinwetter – mit Pollenflugangaben für Allergiker und Hinweisen für Wetterfühlige inclusive Migränewetter. „Es gibt definitiv Wetterfühligkeit“, begründet der Familienvater diese speziellen Angebote.

Dem Stadtklima auf der Spur

Jung hat schon vor Jahren entdeckt, dass es in Leipzig ein eigenes Stadtklima gibt. „Die Fernseh-Wetterberichte für Leipzig stimmten nie richtig mit dem Wetter überein, das bei mir in Gohlis zu beobachten war“, berichtet er. Dies sei auch kein Wunder, denn die beiden Leipziger Referenz-Meßstationen stünden nicht wirklich in Leipzig. „Eine befindet sich in Holzhausen, also praktisch auf einem Dorf“, sagt er. „Die andere im ländlichen Schkeuditz.“ Für das Wetter in der Stadt seien diese Unterschiede nicht unwesentlich. „In der Innenstadt ist es wärmer“, hat er entdeckt. „In Leipzig gibt es viel versiegelte Fläche, die sich mehr aufheizt und sich in den Nächten nicht so schnell abkühlt.“

„Schuld“ an seinem Wetter-Hobby sei seine Frau, erzählt Jung schmunzelnd. Sie habe ihm 2006 eine Wetterstation geschenkt. „Die fiel mir beim Auspacken herunter und war gleich kaputt“, berichtet er. „Deshalb habe ich mir eine neue gekauft, an die bis zu neun Sensoren angeschlossen werden können.“ Schon als Kind habe er immer gern seinem Großvater über die Schultern geschaut; einem Bergbau-Ingenieur, der in einem Dorf in Brandenburg dreimal am Tag die Temperatur und die Regenmenge festhielt. „Als Kinder war es für uns eine große Sache, wenn wir messen durften“, erinnert er sich. „Aber es wurde immer nachkontrolliert.“

So richtig Freude bereitet Jung seine Wetterstation seit dem Jahr 2007. Da gelang es ihm, die Daten auf seine Webseite leipzig-wetter zu übertragen. „Ich wollte auch anderen zeigen, dass das Wetter häufig anders ist, als es im Fernsehen gezeigt wird“, begründet er den Aufwand. Ein Hobby-Programmierer habe ihm dafür ein spezielles Programm geschrieben, weil es das im Handel nicht gab. Seitdem sind die Daten seiner Wetterstation im 15-Minuten-Rhythmus auf der Internetseite zu sehen. „Manche Leute denken, dass ich die Daten alle 15 Minuten eintippe“, erzählt er. „Dabei geht alles automatisch.“

Inzwischen hat der Hobby-Meteorologe auch eine Blitzortungsanlage angeschafft, die bei Gewittern alle Blitze genau mit Uhrzeit und Stärke registriert – im Umkreis von 3500 Kilometern. „Jedes Mal wenn ein Gewitter niedergeht, gehen die Nutzerzahlen meiner Internetseite in die Höhe“, berichtet Jung. „Die Leute wollen sehen, wo es kracht.“

Doch nicht nur das: Einige wollen sich von ihm sogar amtlich bescheinigen lassen, wann es geblitzt hat – um bei Versicherungen Schäden geltend zu machen. „Das geht natürlich nicht, denn ich bin keine amtliche Stelle“, erzählt er. Aber inzwischen würden auch schon Versicherungen bei ihm anklopfen, um diese Informationen zu erhalten. „Sie wissen, wenn meine Station Blitze registriert hat, dann bekommen sie bei den amtlichen Meteorologen auch keine anderen Auskünfte“, sagt Jung. Und bei ihm würden keine Gebühren anfallen.

Daten werden europaweit genutzt

Seit einigen Tagen ist auch ein Buch von ihm im Handel, in dem er seine Erlebnisse mit den Wetterkapriolen des vergangenen Jahres schildert. „2015 war nicht nur das global wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1880, sondern hatte für Leipzig auch viele Naturphänomene parat“, begründet Jung seine Ambitionen als Buchautor, die er gemeinsam mit dem Leipziger Geophysiker Professor Franz Jacob verwirklichte. Im Buch „Leipzig-Wetter aktuell“ vom Verlag Edition am Gutenbergplatz Leipzig ist zu lesen, was er damit meint – die eindrucksvolle Sonnenfinsternis im März 2015 und das Leipziger Erdbeben am 16. April 2015. Auch der Blutmond am frühen Morgen des 28. September und der Jahresrekord der Maximaltemperatur am 4. Juli mit 36,5 Grad werden eingeordnet.

Nur mit einem hält sich der Wetterexperte zurück. „Wenn Sie wissen wollen, wie das Wetter wird: Das werden Sie von mir nicht erfahren“, sagt er. „Das ist wie ein Blick in die Glaskugel – zu 50 Prozent falsch.“ Trotzdem ist das Interesse an den Messergebnissen des Gohlisers auch außerhalb von Leipzig groß. So liefert er seine Daten auch an das zentrale wetternetz-sachsen.de, nach Sachsen-Anhalt und in das internationale Netz europäischer Hobbymeteorologen, wo sie wissenschaftlich verwertet werden.

Von Andreas Tappert

Leipzig, Coppiplatz 51.367311 12.366792
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