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Lokales Leipzig: Wonnebergers Tonanlage aus Zeiten des DDR-Widerstandes in Betrieb
Leipzig Lokales Leipzig: Wonnebergers Tonanlage aus Zeiten des DDR-Widerstandes in Betrieb
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07:00 18.03.2017
Wonnebergers Tonanlage im Einsatz bei der „Oster-Nacht“ 1982 in der Dresdner Weinbergskirche mit Dieter Beckert (Gitarre) und Karl-Heinz Schultz (Gesang). Quelle: Foto: Archiv Wonneberger
Leipzig

Sonntag für Sonntag treffen sich Leipziger auf dem Markt, um für Europa zu werben und um dafür neue Mitstreiter zu gewinnen. „Pulse of Europa“ nennt sich die Initiative, die derzeit in vielen Städten und Ländern aktiv ist. Zu den Leipziger Initiatoren gehört Christoph Wonneberger (73), der 1989 und in den Jahren davor als Pfarrer und Bürgerrechtler maßgeblichen Anteil daran hatte, dass die Friedliche Revolution erfolgreich sein konnte. Nun ist er wieder sensibilisiert und sagt zu seinem neuerlichen Engagement: „Man darf doch das Feld nicht den Europagegnern überlassen. Es geht um unser aller Herzschlag.“

Wonneberger macht mit. Angesprochen dazu wurde er von Andreas Radicke-Schumann, der einst für kurze Zeit der Hausmeister der Lukuskirche war – also in jenem Gotteshaus, das mit Wonneberger in der Endzeit der DDR Geschichte schrieb. „Ich will bei den Europa-Aktionen nicht im Mittelpunkt stehen, versprach aber, einen nützlichen Beitrag zu leisten“, so Wonneberger. Er entsann sich der 1974 gebauten Tonanlage, damals war er Pfarrer in Taucha. Morgen wird sie beim Europa-Event auf dem Markt wieder in Betrieb sein.

Die Beschallungstechnik hatte der handwerklich begabte Pfarrer selbst ersonnen und in allen Details installiert, was in der Mangelwirtschaft DDR durchaus als Kunststück zu bewerten war. Das Mischpult bekam er über Kontakte zu Christenfreunden in der Bundesrepublik als Paket zugesandt, in den zwei aus Holz gebauten Boxen stecken jeweils acht Lautsprecher, sie sind 1,20 Meter hoch, 80 Zentimeter breit, 45 tief. Das Gewicht: jeweils 70 Kilo. „Das war der Hammer, wenn ich das Ding voll aufdrehte. Ich erinnere mich an eine Geschichte mit Jugendlichen im Steinbruch Sehlis. Das war wie in Woodstock. Die ganze Nacht hindurch spielten wir Pink Floyd. So gegen vier Uhr in der Früh kam der Abschnittsbevollmächtigte der Volkspolizei und sagte: Macht bitte nicht so laut, die Leute regen sich auf …“

Wonneberger kennt seine Technik noch immer aus dem Effeff. In Taucha diente sie ihm für seine unkonventionelle kirchliche Jugendarbeit. Als er 1977 als Pfarrer an die Dresdner Weinbergskirche wechselte, war die Tonanlage im Gepäck. Konzerte mit Bettina Wegner, mit der Gruppe Engerling, der Hansi-Biebl-Bluesband und mit Stefan Diestelmann konnten dank der Tontechnik veranstaltet werden. 1985 kam Wonneberger an die Leipziger Lukaskirche, erneut mit umgezogen, keine Frage: die „Hammer-Anlage“. Sie wurde aufgedreht unter anderem bei den legendären Konzerten mit Stefan Krawczyk und war in der Kirche in Volkmarsdorf vielfältig in Betrieb bis Oktober 1989, als Wonneberger einen Schlaganfall erlitt. Was folgte, war seine viele Jahre währende Zeit der Rehabilitation und die frühzeitige Versetzung in den Ruhestand. Die Lautsprecherboxen blieben 28 Jahre lang in der Lukaskirche eingelagert, einige Technikteile hatte Wonnberger vor Jahren seinem Neffen vermacht, die er sich nun von ihm zurückholte: „Zum Glück hatte er die Teile nicht entsorgt.“

„Dass ich die Anlage noch mal in Betrieb nehmen würde, entzog sich meiner Vorstellungskraft. Mit der Technik wird mir nun auf ganz eigene Weise meine Geschichte bewusst“, strahlt Wonneberger und sitzt am Sonntag ab 14 Uhr wieder als Tonmeister bei der Demo, die dieses Mal auf dem Nikolaikirchhof stattfindet. Motto: „Laut sein für Europa.“

Von Tom Mayer

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