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Leipzig braucht Partner bei Aufnahme von Flüchtlingen – und steht dabei unter Zeitdruck

Leipzig braucht Partner bei Aufnahme von Flüchtlingen – und steht dabei unter Zeitdruck

An der Max-Liebermann-Straße im Leipziger Norden soll eine neue Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge entstehen. Denn der Flüchtlingsstrom in die Messestadt wächst.

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An der Max-Liebermann-Straße liegt das Gelände, auf dem künftig eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge entstehen soll.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Leipzig muss künftig mehr Asylbewerber aufnehmen. Die Menschen kommen vor allem aus der russischen Föderation, Serbien und Syrien. Bei der Unterbringung von Asylsuchenden hält die Stadt an ihren dezentralen Vorstellungen fest – und sucht zugleich Betreiber für Gemeinschaftsunterkünfte. Die Zeit drängt.

Es kommt nicht von ungefähr, dass der Freistaat an der Max-Liebermann-Straße eine neue Erstaufnahmeeinrichtung sehen will. „Erste Prognosen zeigen, dass es 2014 deutlich mehr Asylbewerber geben wird", sagt Evelin Renner, die die Abteilung Verwaltung im städtischen Sozialamt leitet. Von 1000 Menschen ist die Rede, die Leipzig unterzubringen hat. Renner zufolge waren es vor zwei Jahren noch etwa 400 Flüchtlinge, vergangenes Jahr rund 650.

Flüchtlings-Zuweisung erfolgt nach festgelegten Qutoen

Die Kommune sucht sich dabei nicht nach eigenem Gutdünken aus, wie viele Asylsuchende Platz in Leipzig finden. Die Zuweisung erfolgt zentral anhand festgelegter Quoten, die der Bund vorschreibt. Nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel bemisst sich die Quote nach Steueraufkommen und Bevölkerungszahl der Länder. Sachsen hat demnach rund fünf Prozent der gesamten Asylantragsteller aufzunehmen. 13 Prozent davon kommen wiederum nach Leipzig, untergebracht in Gemeinschaftsunterkünften.

Sechs solcher Unterkünfte verteilen sich momentan über die Stadt, zwei neue sollen ab Mitte März bewirtschaftet werden (siehe unten) – angesichts der Tatsache, dass die Notunterkunft in Schönefeld bis Ende März befristet ist. Die Stadt steht somit vor einem Problem: dauerhaft Betreiber für die Gemeinschaftsunterkünfte zu finden, die sich nach den Vorstellungen der Verwaltung um alles aus einer Hand kümmern sollen. Hausmeister- und Sicherheitsdienste sind dabei ebenso gefragt wie eine soziale Betreuung der Bewohner.

„Wir sind auf der Suche nach weiteren Objekten“

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Der Flüchtlingsstrom nach Leipzig wächst. Die Messestadt muss künftig mehr Asylbewerber aufnehmen (Symbolfoto).

Quelle: dpa

„Angesichts der Größenordnung der Flüchtlingszahlen können wir die Leistungen nicht selbst stemmen", erklärt Evelin Renner. Zumal das Neue Rathaus ohnehin auf eine eigene Strategie hinaus will. Renner: „Unser Ziel ist es, so viele Asylbewerber wie möglich in eigenem Wohnraum unterzubringen." Oder bürokratisch: dezentrale Unterbringung. Auch dafür hat sich die Verwaltung bereits Standards ausgedacht.

In Zwei- bis Drei-Raum-Wohnungen sollen je zwischen drei und fünf Personen Platz finden. Pro Zimmer sollen es maximal zwei Bewohner sein – die Ausnahme sind Familien –, denen pro Kopf mindestens 7,5 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung stehen. Daneben soll es Räume für Aufenthalt und beispielsweise Waschmaschinen geben. „Wir sind auf der Suche nach weiteren Objekten, die sich dafür eignen", sagt Renner.

Derweil wird es allmählich eng mit Blick auf die geplanten Gemeinschaftsunterkünfte in Wahren und Plagwitz. Bis zum 17. Februar will das Sozialamt Betreiber für beide Standorte gefunden haben. „Ein sehr knapper Zeitplan", räumt Renner ein.

Leipzigs Asylbewerberheime im Überblick:

Sechs Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber gibt es derzeit im Stadtgebiet. Hinzu kommen die Notunterkunft in Schönefeld, wo es zuletzt immer wieder zu Demonstrationen kam (die LVZ berichtete) sowie zwei weitere geplante Einrichtungen, für die die Kommune noch Betreiber sucht.

Eutritzsch:

Die Unterkunft in der Eythstraße 17 ist mit derzeit 28 Plätzen, die übersichtlichste Gemeinschaftseinrichtung in Leipzig.

Gohlis-Süd:

In Georg-Schumann-Straße 121 stehen 35 Plätze zur Verfügung. Der Standort hat somit die gleiche Kapazität wie

Altlindenau:

Ebenfalls 35 Plätze finden sich in der Gemeinschaftsunterkunft Georg-Schwarz-Straße 31.

Reudnitz-Thonberg:

Der Leipziger Verein Pandechaion-Herberge verwaltet den Standort in der Riebeckstraße., 63, der auf 115 Plätze ausgerichtet ist.

Schönefeld-Ost:

Das Interimsheim im früheren Fechnergymnasium in der Löbauer Straße 46 fasst 120 Plätze und soll nach Angaben der Stadt bis zum 31. März geräumt werden.

Hintergrund: Ab dem nächsten Schuljahr sollen dort fünfte Klassen übergangsweise unterrichtet werden, bis das Gebäude in der Gorkistraße als Gymnasium verfügbar ist.

Lausen-Grünau:

Der Verein Pandechaion-Herberge kümmert sich auch um die Unterkunft in der Liliensteinstraße 15 a mit ihren 250 Plätzen.

Paunsdorf:

Die Torgauer Straße 290 bietet, verteilt auf zwei Häuser, insgesamt 390 Plätze und ist damit die größte Unterkunft.

Wahren:

Für das Objekt in der Pittlerstraße 5/7 sucht die Stadtverwaltung derzeit noch nach einem Betreiber. Anberaumte Kapazität: 35 Plätze.

Plagwitz:

An der Markranstädter Straße 16/18 soll demnächst ebenso eine neue Flüchtlingsunterkunft entstehen, die über 60 Plätze verfügt. Auch dieser Standort ist noch an einen Betreiber zu vergeben.

Felix Kretz

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