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Leipzig buddelt 1,2 Millionen Euro für marode Schulspielplätze aus

Leipzig buddelt 1,2 Millionen Euro für marode Schulspielplätze aus

Wer lange genug buddelt, findet irgendwann doch noch einen Schatz. Nach langer Zeit, in der Leipzig für die Instandsetzung der Spielplätze in Grundschulen, Horten und kommunalen Kitas überhaupt kein Geld mehr übrig hatte, soll nun ein Sofort-Progamm das Ausufern der Schäden stoppen.

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Auf dem Spielplatz der August-Bebel-Grundschule in der Husemannstraße fehlen die Schaukeln am Klettergerüst, eine Rutsche wurde bereits demontiert.

Quelle: André Kempner

1,2 Millionen Euro wird das Rathaus dafür in naher Zukunft zusätzlich bereitstellen. Noch in diesem Jahr fließen die ersten 250 000 Euro.

Zu dem Sonderprogramm konnte sich die Verwaltungsspitze allerdings erst nach einer verheerende Analyse des Ist-Zustands durchringen. Demnach überprüften Sachverständige die Spielanlagen an 79 schulischen Einrichtungen. Sie stellten fest, dass an 19 Standorten insgesamt 42 Spielgeräte "wegen akuter baulicher Mängel von der Nutzung ausgeschlossen" werden mussten, weitere 27 Anlagen wurden sogar ersatzlos abgebaut". Die Kosten allein für "die dringend erforderlichen Mängelbeseitigungen sowie Rückbaumaßnahmen der nicht mehr reparaturfähigen Geräte und Anlagen" an den Schulen schätzten die Fachleute auf 800 000 Euro.

Kaum besser sah es bei den kommunalen Kindertagesstätten aus. Auch dort wurden mehrfach "Außenspielgeräte zurückgebaut", zudem bestehen in zehn Kitas dauerhafte Sperrungen. Teilweise könne "mangels finanzieller Mittel" nicht mal mehr die Montage bereits beschaffter Ersatzgeräte veranlasst werden, heißt es in einer nicht öffentlichen Vorlage, der die Bürgermeisterrunde an diesem Donnerstag ihren Segen gab. Der akute Finanzbedarf bei den Kita-Spielplätzen wurde darin auf 250 000 Euro geschätzt. Nochmals 250 000 Euro wären für die Ersatzbeschaffung solcher Geräte nötig, die in den insgesamt rund 100 Einrichtungen in den vergangenen Monaten ersatzlos verschwanden.

Obwohl bei der Prüfung ausschließlich fest mit dem Erdboden verbundene Rutschen, Schaukeln, Sandkästen oder Kletteranlagen untersucht wurden, prophezeiten die Sachverständigen einen Anstieg der Schäden für die nächste Zeit. Der "sehr hohe Reparatur- und Erneuerungsbedarf" betreffe fast alle Spielplätze, sei den Sparzwängen der letzten Jahre geschuldet, in denen das Amt für Jugend, Familie und Bildung fast alles Geld für den "Werterhalt baulicher Anlagen" in die Instandhaltung der Schulhäuser stecken musste.

Bereits im April 2014 hatte die Stadtratsfraktion der Grünen mit einem Antrag auf das Dilemma aufmerksam gemacht. Deren familienpolitischer Sprecher Michael Schmidt forderte damals eine umfassende Bestandsaufnahme der Schäden sowie ein Programm zu deren Beseitigung. Nachdem 2013 hierfür gar kein Geld zur Verfügung stand, konnten die Grünen zumindest für 2014 eine Nothilfe von 50 000 Euro durchsetzen.

Doch das sei nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein gewesen, erklärte Schmidt gestern auf Nachfrage. "Zwar hatte die Stadt 2012 ein Programm für die Instandhaltung der öffentlichen Spielplätze wie zum Beispiel in den Parks aufgelegt und mit jährlich 250 000 Euro ausgestattet. Damit konnte das dort zuständige Amt für Grünflächen und Gewässer einige Erfolge erzielen." Doch für alle schulischen Einrichtungen, die das Jugendamt betreut, gab es nichts, so Schmidt. "Das Nebenher von Zuständigkeiten und somit das Bestehen von Spielplätzen erster und zweiter Klasse in Leipzig muss aufhören."

Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) sagte, das neue Sofortprogramm sei keine Folge des Antrags der Grünen. "Wir sind dabei, jetzt in allen baulichen Bereichen stufenweise neue Konzepte zu entwickeln, die mehr Nachhaltigkeit bei den Investitionen schaffen sollen. Wir werden dabei nicht umhinkommen, auch ein vergleichbares Programm für die Sanitäranlagen in den Schulen aufzulegen." Wie berichtet, gibt es da ebenfalls Riesenprobleme. Für die Ertüchtigung der Spielplätze in Schulen, Horten, Kitas sollen nun bis einschließlich 2016 mindestens 1,2 Millionen Euro fließen, danach konstant 200 000 Euro pro Jahr.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.09.2014

Jens Rometsch

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