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Lokales Leipzig denkt über Selbstversorgung mit Heizwärme nach
Leipzig Lokales Leipzig denkt über Selbstversorgung mit Heizwärme nach
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22:00 26.06.2017
29 Meter hoch sind die 2014 errichteten Wärmespeicher an der Arno-Nitzsche-Straße. Bei einem Ausfall können sie das Leipziger Fernwärmenetz für etwa sieben Stunden weiter versorgen. Quelle: Foto: Bertram Bölkow
Leipzig

Die Leipziger Stadtwerke wollen ein dezentrales Wärmesystem aufbauen, damit sich die Messestadt in Zukunft selbst mit Heizwärme versorgen kann. 25 Jahre nach der Firmengründung – am 1. Juli 1992 – sehe sich das kommunale Unternehmen längst als Vorreiter der Energiewende, erklärt Geschäftsführer Johannes Kleinsorg. Zum Beispiel seien die Stadtwerke schon in der Lage, 75 Prozent des Stromverbrauchs ihrer Leipziger Privat- und Gewerbekunden aus erneuerbaren Energien wie Wind und Biomasse zu gewinnen, sagt er. Deutschlandweit liege der Anteil erst bei 32 Prozent.

Die größten Herausforderungen beim ökologischen Umbau kämen auf das Unternehmen aber nicht beim Strom, sondern bei der Heizwärme für Wohnungen und Firmen zu. Gegenüber der Elektroenergie liege der Verbrauch der Leipziger in dem Bereich mehr als doppelt so hoch.

„Die Energiewende in der Stadt ist in erster Linie eine Wärmewende“, prophezeit der 55-Jährige. Einerseits würden immer mehr Gebäude durch dezentrale Anlagen wie Wärmepumpen, Blockheizkraftwerke oder Solarthermie ökologisch befeuert. Andererseits könne wegen der wechselhaften Vorgaben der Bundesregierung niemand seriös einschätzen, bis wann das Braunkohle-Kraftwerk in Lippendorf in Betrieb bleibt. Dessen Bau hatte 2,3 Milliarden Euro gekostet. Aus Lippendorf stammen rund 60 Prozent der in Leipzig benötigten Fernwärme. „Solange dort in hocheffizienter Kraftwärmekopplung Strom produziert wird, wäre es ökologisch wie wirtschaftlich unsinnig, die Abwärme davon nicht bei uns zu nutzen.“

Es sei aber nicht auszuschließen, dass der Betreiber Lausitz Energie Kraftwerke AG (LEAG) in zehn oder 20 Jahren Lippendorf abschalten muss. Auch deshalb würden die Stadtwerke an einem neuen Wärmesystem arbeiten, das nicht mehr zentral gespeist wird. Vielmehr soll es laut Technikchef Karsten Rogall die schnell wachsende Zahl kleiner und mittlerer Erzeuger im Stadtgebiet verbinden.

Aktuell betreiben die Stadtwerke in Leipzig schon 280 dezentrale Anlagen zur Energiebereitstellung bei Kunden aus Gewerbe, Industrie und Wohnungswirtschaft. Diesen Herbst beginne der Bau von vier weiteren Blockheizkraftwerken in Volkmarsdorf, Zentrum-Ost, Reudnitz und Eutritzsch. „Zusammen verfügen sie über eine thermische und eine elektrische Leistung von acht Megawatt.“ Zum Vergleich: Die vier Windmühlen am Leipziger BMW-Werk, die den Strom für die ganze Produktion der Elektroautos liefern, leisten zusammen zehn Megawatt.

Mit den riesigen Wärmespeichern in Connewitz, dem Gas- und Dampfturbinen-Heizkraftwerk (GuD) in der Eutritzscher Straße und den kleineren Heizwerken in Kulkwitz, Nord und Nordost gebe es schon eine gute Basis für ein dezentrales Wärmesystem, erläutert Rogall weiter. Es solle allen Interessenten zur Einspeisung wie Entnahme offen stehen. Neue Speichertechnologien, die Brenngas, Wärme und Strom verlustarm ineinander umwandeln, könnten dabei die natürlichen Schwankungen bei der Erzeugung erneuerbarer Energien ausgleichen. „Als 360-Grad-Energiedienstleister wollen wir jedem Partner alle klimaschonenden Technologien anbieten, sie vernetzen und steuern.“ 2018 solle das Grundkonzept für Leipzigs künftiges Wärmesystem fertig sein. Perspektivisch gehöre dazu auch eine deutliche Senkung der Fernwärme-Vorlauftemperatur von derzeit 130 Grad.

Durch bessere Gebäudedämmungen sowie andere Einsparungen werde der Heizenergieverbrauch in Leipzig absehbar um ein Drittel sinken. Der Rest lasse sich zur Hälfte dezentral im Stadtgebiet erzeugen. Die andere Hälfte könnte die höchst umweltfreundliche GuD-Anlage auf Basis von Erd- und Biogas bereitstellen. Bei einem frühen Aus für Lippendorf müsste sie jedoch erweitert werden. Oder noch ein Schwesterkraftwerk bekommen.

Von Jens Rometsch

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