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Leipzig entwickelt sich immer mehr zur Kongress-Stadt – Messe braucht mehr Hotels

Kongressstadt Leipzig Leipzig entwickelt sich immer mehr zur Kongress-Stadt – Messe braucht mehr Hotels

Die Leipziger Messe baut das Kongressgeschäft aus. 2014 gab es 88 Veranstaltungen; dieses Jahr über 170. Für einen Engpass beim Wachstum sorgt aber die Hotel-Situation. Messechef Martin Buhl-Wagner im Interview über Trends, Ami und die Messe der Zukunft.

Messechef Martin Buhl-Wagner.

Quelle: Leipziger Messe

Leipzig. Die Leipziger Messe kann auf ein starkes Wachstumsfeld bauen: das Kongressgeschäft. 2014 gab es noch 88 Veranstaltungen; dieses Jahr werden es über 170 sein. Für einen Engpass beim Wachstum sorgt allerdings die Situation bei den Hotels. Messechef Martin Buhl-Wagner im Interview über Trends, Ami und die Messe der Zukunft.

Das Kongressgeschäft scheint zu boomen. Heißt das: Mehr Kongresse, weniger Messe?

Nein, es geht nicht darum, dass wir uns jetzt allein auf das Kongressgeschäft konzentrieren und ein anderes Feld nicht mehr im Blick haben. Das von uns bediente Veranstaltungsgeschäft umfasst Messen, Kongresse und Events. Die Kongresse haben aber im Verhältnis zu den Messen an Gewicht gewonnen. Und sicher wird die Wahrnehmung durch die wieder eröffnete Kongresshalle am Zoo noch verstärkt.

Wie ist die Entwicklung?

In den vergangenen zehn Jahren hat die Zahl der Kongressbesucher um mehr als ein Drittel zugelegt. Unser Umsatz stieg in diesem Zeitraum von unter vier Millionen Euro auf mehr als das Doppelte. Der Kongressmarkt hat sich zu unseren Gunsten verändert. Urologen, Röntgen-Experten, Tierärzte – von ihnen kommen mehrere tausend Experten nach Leipzig. Wir hatten im Jahr 2014 insgesamt 88 Kongresse. In diesem Jahr landen wir bei über 170 Veranstaltungen in CCL und Kongresshalle. Die Kongresshalle wird noch besser angenommen als wir es erwartet hatten. Es zeigt sich deutlich: Leipzig hat klare Vorteile als Kongressstadt.

Welche?

Es ist zum einen die Kompaktheit, die eine Verbindung des Fachprogramms mit Abend- und Rahmenveranstaltungen ermöglicht. Dass Leipzig eine stark wachsende Stadt ist, können wir für unsere Argumentation bei der Akquise national und international bedeutender Kongresse gut nutzen. Das funktioniert, weil jeder ein bisschen dabei sein will. Ein Veranstalter wirbt zum Beispiel mit dem Umzug nach Leipzig „in die In-Stadt schlechthin“. Die Kongresshalle als neuer Standort hilft dabei auch. Schließlich: Wir bieten den Veranstaltern nicht nur das Objekt an, sondern ganze Service-Pakete – inklusive Abendveranstaltungen – abgestimmt auf das jeweilige Publikum.

Können das Messe-Gesellschaften in anderen Städten nicht auch?

Ja, aber sie machen es nicht so konsequent. Für uns ist das Firmen-Philosophie: Wie kann ich dem Kunden helfen, damit sein mehrtägiger Kongress insgesamt eine runde Veranstaltung wird? Wenn uns das gelingt, erhöhen wir auch die Verweildauer der Gäste.

Was konkret hat die Eröffnung der Kongresshalle bewirkt?

Wir können mit ihr den Kongressstandort weiter ausbauen. Die Investition geht ja auf eine klare Analyse zurück: Leipzig fehlte ein Veranstaltungsobjekt für ein konkretes Segment, nämlich im Bereich zwischen 500 und 1000 Teilnehmern. Diese Lücke war nicht besetzt, es gab keinen geeigneten Veranstaltungsort. Für einen Kongress ist eine bestimmte Infrastruktur nötig – ein großer Raum, in dem alle Teilnehmer Platz finden, mehrere kleinere zum Beispiel für Workshops und Ausstellungen. Wir hatten den Effekt, dass mit kleineren Veranstaltungen das CCL blockiert war und wir zeitgleich keine größere Veranstaltung einwerben konnten. Es findet also keine Schwächung des Kongressgeschäftes auf der Messe statt, sondern wir gewinnen Veranstaltungen, die wir vorher nicht hatten. Mit der durch die Kongresshalle geschlossenen Lücke bilden wir das komplette Veranstaltungsgeschäft über alle Größen ab.

Wo saugen Sie denn die zusätzlichen Kongresse ab, wo kommen die her?

Anders als das Messe- ist das Kongressgeschäft viel unabhängiger vom Standort. Kongresse finden an wechselnden Orten statt; man will den Teilnehmern unterschiedliche Städte anbieten.

Wie gelingt dann eine nachhaltige Entwicklung?

Wir haben sehr gute Verbindungen zu einer Vielzahl von Veranstaltern, die für verschiedene Organisationen tätig sind und die unsere Leistungsfähigkeit genau kennen. Und: Pro Woche geht mindestens eine Bewerbung für einen Kongress raus.

In Leipzig reiben sich die Bürger die Augen, weil immer mehr Hotels gebaut werden. Manche vermuten, dass es zu viele sind. Sie sehen das anders...

Ja. Ein Veranstalter sagte zum Beispiel: Wir würden ja gerne mit unserem 6000-Teilnehmer-Kongress zu Euch kommen, aber Eure Hotelauslastung ist zu der Zeit schon so hoch – das wird nicht funktionieren. Anfang Mai hatten wir die OT World mit über 21 000 Fachbesuchern und zeitgleich den Röntgenkongress mit fast 7000 Teilnehmern – beides auf dem Messegelände. Logistisch konnten wir das meistern. Die Veranstalter haben hinterher gesagt: Für die Aussteller und langfristig planende Teilnehmer war die Übernachtungssituation ok, aber mit Blick auf die kurzentschlossenen Besucher wurden unsere Erwartungen nicht ganz erfüllt. Es gab fast keine Hotel-Zimmer mehr. Uns ist mit beiden Partnern für 2018 eine Entzerrung gelungen. So etwas ist aber sehr schwierig. Die verschiedenen Branchen sind international, da gibt es Zyklen und Terminketten, die wenig Spielraum lassen.

Die Hotels waren der einzige Engpass?

Absolut. Bei vielen Kongressen kommen die Besucher mit einer gewissen Kurzfristigkeit – und dafür muss es ein Hotelangebot geben. Ich will aber deutlich sagen: Es geht hier nicht nur um unsere Wünsche. Wir haben eine wachsende Stadt, zahlreiche Unternehmensansiedlungen, wachsendes Wirtschaftsvolumen mit mehr Geschäftsreisenden und Touristen. Wo mehr Leute hinziehen und wohnen, wächst auch die Zahl der Besucher. Wir sprechen natürlich nicht für die Hotelbranche – aber die Zahlen belegen: Es gab 2006 eine Bettenkapazität von 11 000, im Jahr 2015 waren es 14 800. Das sind 35 Prozent mehr. Im gleichen Zeitraum sind die Übernachtungen aber von 1,8 auf 2,8 Millionen gestiegen, also um 53 Prozent. Die Auslastung ist damit deutlich gewachsen.

Wir brauchen also noch mehr Hotels.

Ja, der Zuwachs ist aus unserer Sicht nicht übertrieben. Wir bewerben uns für Veranstaltungen mit mehreren tausend Teilnehmern. Ein Kongress lässt sich nicht mehr kurzfristig in die vorhandenen Hotelkapazitäten schieben. Allein schon deshalb, weil die Verweildauer bei Kongressen drei bis vier Tage beträgt und größer ist als bei Messen, wo sich der Gast im Durchschnitt 1,5 Tage in der Stadt aufhält. Unabhängig von unserer Sichtweise handeln die Hotel-Investoren auf Grundlage harter Zahlen. Wer solche Investitionen vornimmt, schaut sich die Struktur und das Potenzial dieser Stadt an. Und die Entscheidungen der Investoren zeigen klar: Leipzig ist unterbewertet; Hotel-Investitionen lohnen sich.

Von den Kongressen nochmal zurück zur Messe: Ist das Thema Ami für immer erledigt?

Eine Frage, die ich mit einem „Jein“ beantworte. Die Ami wird so nicht wieder stattfinden. Die Messe entstand in ihrer Grundstruktur Anfang der 90er Jahre, weil es einen Markt zu erobern galt. Diese Voraussetzung ist nicht mehr gegeben. Die Industrie hat entschieden: Dieses Messeformat brauchen wir in einem gesättigten Markt nicht mehr. Wir prüfen verschiedene Konzeptansätze, denn das Thema Mobilität soll weiter Teil unseres Portfolios sein. Messen und Kongresse sind nur Spiegel der Märkte und haben einen Lebenszyklus – wie jedes andere Produkt.

Die Automobilindustrie stellt sich gerade neu auf; in Dresden soll der E-Golf vom Band rollen. Wäre eine Automesse für das Autoland Sachsen nicht von zentraler Bedeutung?

Die Automobilindustrie denkt ausschließlich global – das trifft auch auf die Messen und Veranstaltungen zu, die sie besetzt. Natürlich möchten wir das Thema im Portfolio haben und damit auch eine Sichtbarkeit am und für den Standort liefern.

Die Wirtschaft individualisiert und differenziert sich immer weiter. Ist die Zeit der großen Messen vorbei – von einigen Ausnahmen mal abgesehen?

Das trifft so nicht zu. Es gibt themen- und branchenabhängig unterschiedliche Potentiale für Messen. Wir sehen dabei die Digitalisierung als Chance, da das Bedürfnis nach Live-Kommunikation wächst.

Brauchen Sie all die großen Hallen auch außerhalb der großen Publikumsmessen?

Die gesamte Unternehmensgruppe realisiert weit über 250 Veranstaltungen pro Jahr. Die Hallen sind zum Beispiel im ersten Halbjahr 2017 fast vollständig ausgelastet.

Die Messe hat 2015 leicht rote Zahlen geschrieben. Wie sieht es jetzt aus?

Ähnlich. Aber wir haben ja neben unserem wirtschaftlichen Erfolg auch einen gesellschaftlichen Auftrag: Laut ifo-Studie sorgt das Leipziger Messe- und Kongressgeschäft bundesweit für insgesamt rund 660 Millionen Euro zusätzliche Kaufkraft pro Jahr; auf die Region Leipzig entfallen davon 315 Millionen Euro. Wir haben in Leipzig durch das Messegeschäft 3800 Vollzeit-Arbeitsplätze, in ganz Deutschland 6600. Wir erzeugen bundesweit 120 Millionen Euro Steuern pro Jahr. Unsere Tätigkeit sorgt für eine Multiplikation. Unsere Gäste übernachten hier, sie fahren Taxi, gehen essen, ins Gewandhaus.

Von Björn Meine

Leipzig 51.3396955 12.3730747
Leipzig
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