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Leipzig erhält Nachlass von Stadtbaurat Hugo Licht - Tagebuch und Jugendfotos

Leipzig erhält Nachlass von Stadtbaurat Hugo Licht - Tagebuch und Jugendfotos

Die Urenkelin des früheren Stadtbaurates Hugo Licht (1841-1923), der unter anderem das Neue Rathaus entwarf, Christa Heilmann, übergab dessen Nachlass am Mittwoch an die Stadt.

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Das Leipziger Stadtarchiv erhält den Nachlass von Hugo Licht. Präsentation der Bücher, Fotos und Pläne im Ratsplenarsaal im Neuen Rathaus in Leipzig.

Leipzig. Archivarin Annett Müller freut sich besonders auf die Lektüre des Tagebuchs von Lichts Ehefrau Clara – ein seltenes Zeitdokument des 19. Jahrhunderts. Zudem sind seltene Fotos, wie das von Familiendackel Max zu sehen.

Die Unterlagen des für Leipzig prägenden Architekten enthalten Besprechungsprotokolle zu Lichts Bauten, besonders detailliert zu seinem Hauptwerk, dem Neuen Rathaus, aber auch viele private Dokumente wie bisher nie gezeigte Fotos aus seiner Jugendzeit und vom Familiendackel Max. Dazu kommt ein ausschweifender Briefverkehr der Töchter Lichts mit ihren Familien sowie seiner selbst mit Ehefrau Clara.

Bauten von Hugo Licht in Leipzig:

Diese hinterließ zudem einen „Schatz“ für Historiker: In einem Schuhkarton fand Christa Heilmann, Professorin für Sprachwissenschaft in Marburg, ihre Tagebücher. „Sie sagen viel über das Leben einer unberühmten Frau an der Seite eines berühmten Mannes aus. Was ich gelesen habe, ist so berührend“, sagte Heilmann bei der Übergabe im Rathaus, zu der 13 weitere Nachkommen Lichts erschienen waren. „Es handelt von Bedrückung und der Einsamkeit durch die Abwesenheit ihres Mannes.“

Annett Müller, Bestandsreferentin des Stadtarchivs, zeigte sich begeistert von dem Fundus, den sie nun in Augenschein nehmen darf. „Ich möchte mich am liebsten sofort ins stille Kämmerlein zurückziehen und anfangen zu lesen“, sagte sie beinahe euphorisch. Wenigstens ein Jahr werde es dauern, alle Unterlagen zu sichten, zu sortieren und auszuwerten. „Ab 2013 wird Hugo Lichts Nachlass für die Wissenschaft zugänglich sein“, kündigte Müller an.

Ehrfürchtige Enkel: Bei Tisch kein Wort

Christa Heilmann verriet derweil noch einige Details aus Erinnerungen an Gespräche über den Urgroßvater in der Familie. „Wenn meine Mutter Josepha, seine Enkelin, vom Großvater sprach, war da immer eine unheimliche Ehrfurcht zu spüren. Da standen die Kinder beim Essen am Tisch und hatten natürlich kein Wort zu sprechen.“ Zudem sei immer nur von „dem“ Großvater gesprochen worden, ohne seinen Namen zu nennen. Obwohl es andere Großväter in der Familie gab, sei allen klar gewesen, um wen es sich handele.

Der Briefwechsel zwischen Hugo und Clara Licht, auch schon vor ihrer Ehe, sei ein sehr seltenes Dokument des 19. Jahrhunderts, bestätigte Müller. Licht sei demnach beispielsweise kein Freund von großen gesellschaftlichen Festen gewesen. Als ihn der Leipziger Bürgermeister Otto Georgi zu seiner Goldenen Hochzeit einlud, schrieb er seiner Frau, dass er als Preisrichter bei verschiedenen Neubauten gebunden sei und daher hoffe, „um die Sache herumzukommen“, wie Clara dann auch, was ihn sehr freuen würde.

Material gehört nicht in den Schuhkarton

Dass die Unterlagen, die von Lichts Tochter Susanne über deren Bruder und dessen Sohn bei Heilmann landeten, nun geordnet der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, mache die Sprachwissenschaftlerin froh. „Man erfährt, dass das Leben vor 100 Jahren, besonders als Frau, ganz anders war. Die Sammlung bietet soviel Material für Architekten, Historiker und Gesellschaftsforscher, das gehört nicht in einen Schuhkarton in der Familie.“

Sebastian Fink

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