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Leipzig erleidet Millionen-Debakel: Bauland in Knauthain ist jetzt ein Wald

Leipzig erleidet Millionen-Debakel: Bauland in Knauthain ist jetzt ein Wald

Lebt denn der alte Holzmichel noch, dürften sich einige Experten im Leipziger Rathaus nun fragen. Denn die Messestadt hat plötzlich einen neuen Wald, den niemand bestellt hat.

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Zwischen dem alten Angerdorf Rehbach (links oben) und der Thomas-Müntzer-Siedlung (rechts) ist ein Wald gewachsen, der nie geplant war.

Quelle: Google Maps LVZ

Trotzdem kostet er den Steuerzahler Millionen. Auf das Debakel wies die Fraktion der Linken soeben hin. In einem Antrag an die Ratsversammlung forderte sie, den "Bebauungsplan 132.1 Erweiterte Thomas-Müntzer-Siedlung" für alle Teilflächen zurückzunehmen, auf denen mittlerweile das Waldgesetz greift. Und das sind etwa zehn Hektar.

In Knauthain sollten zwischen Rehbacher Straße und Hagebuttenweg ursprünglich mal 600 Eigenheime und Reihenhäuser entstehen. Stattdessen wachsen dort heute Weiden, Birken, Pappeln und Ahornbäume in die Höhe. Es sind Tausende Vertreter dieser Pionierholzarten, viele schon mehrere Meter hoch.

1997 hatte die Stadt ihre Tochterfirma LESG gegründet. Sie sollte schnell günstiges Bauland bereitstellen, um die Abwanderung Leipziger Familien ins Umland zu stoppen. Als Mitgift gab es von der Kommune auch rund zehn Hektar neben der historischen Thomas-Müntzer-Siedlung. Bald begann deren Erschließung mit Hilfe von Bankkrediten.

Wegen eines neuen Kiestagebaus in der Nähe (der heute durch einen dichten Waldgürtel abgeschirmt ist) hielten sich die Häuslebauer aber lange in diesem Gebiet zurück. Ende 2009 blieb der LESG nichts anderes übrig, als 8,2 Hektar "teilerschlossene Flächen" wieder an die Stadt zu verkaufen - für 3,2 Millionen Euro. Anders hätte sie einen Kredit nicht mehr bezahlen können. Heute sprießt auf dem Areal ein Wald.

Weitere 1,5 Hektar "voll erschlossenes Bauland" behielt die LESG. Laut Geschäftsführer Ralf-Dieter Claus schufen sich an der Thomas-Müntzer-Siedlung bislang 170 Familien ihr eigenes Zuhause. Das letzte Mal vorsorglich roden lassen habe sein Unternehmen alle anderen Flächen im Jahr 2007, sagte Claus: "Als wir dann 2010 die 8,2 Hektar an das Liegenschaftsamt übergeben haben, war da noch kein Wald."

Heute - nur vier Jahre später - ist da Wald. Sogar amtlich. Laut Rathaus-internen Dokumenten, die der LVZ vorliegen, haben Sachsens Forstbehörden "die Waldeigenschaft einer Fläche von zirka zehn Hektar festgestellt". Demnach gelten dort nun Bundes- und Landeswaldgesetze. Ob der Stadt eine Erlaubnis zur Rückumwandlung in Bauland durch die Obere Forstbehörde erteilt würde, ist fraglich. Selbst wenn, würde das teuer.

Allein für das Roden und die zwingend vorgeschriebenen Ersatzpflanzungen in diesem Fall veranschlagen Fachleute 250000 Euro. Ungleich mehr dürfte der Kauf von Flächen kosten, auf denen sich Ersatzpflanzungen überhaupt vornehmen ließen. Diese müssten mindestens gleich groß, wenn nicht anderthalb mal so groß wie der Wald sein.

Daher schlug die Linke nun vor, alle bewachsenen Teile aus dem gültigen Bebauungsplan herauszulösen und durch Zupflanzen weiterer Baumarten etwas höherwertiger zu gestalten. "Die Anwohner freuen sich sehr, dass da ein kleines Naherholungsgebiet wächst", meinte Stadtrat Reiner Engelmann. "Zugleich fordert meine Fraktion in dem Antrag aber auch, die Schadenshöhe dieser riesigen Geldverschwendung durch Nichtstun zu ermitteln. Und die Verantwortlichen in Regress zu nehmen."

Ob die Stadt den Wald Wald sein lassen oder fällen will, dazu bilden sich gegenwärtig drei Ämter eine Verwaltungsmeinung, so Robert Staacke vom Wirtschaftsdezernat. Meist schließe das Liegenschaftsamt für größere Flächen, die nicht zeitnah vermarktet werden, befristete Nutzungsverträge mit Landwirten oder Schäfern ab - damit sich dort keine Biotope bilden. Warum das in Knauthain nicht geschah? Staackes Antwort: "Gute Frage. Das prüfen wir jetzt gerade."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.08.2014

Jens Rometsch

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