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Lokales Leipzig erreicht 2018 erneut Gästerekord
Leipzig Lokales Leipzig erreicht 2018 erneut Gästerekord
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10:47 07.01.2019
Blick vom Völkerschlachtdenkmal auf die Messestadt: Leipzig kann auch für 2018 wieder einen Rekord bei den Übernachtungen vermelden. Quelle: LVZ-Archiv/Heinz
Leipzig

Die Gästezahlen in Leipzig sind 2018 mit knapp 3,4 Millionen Übernachtungen (2017: 3,17 Millionen) erneut gestiegen. Das freut Volker Bremer, den Geschäftsführer der Leipzig Tourismus und Marketing (LTM) GmbH. Doch eine Vielzahl neuer Betten in Leipzig wollen „gefüllt werden“. Die Hotelbranche boomt, muss aber 2019 erstmals eine Gästetaxe an die Stadt abführen.

Frage: Ihre Branchenkollegen haben für Sie den Spitznamen „Mr. Rekordjahr“ erfunden. Werden Sie dem 2018 gerecht?

Ja, und ich hoffe, ich werde ihn noch ein paar Jahre behalten. Die detaillierten Zahlen für 2018 liegen zwar noch nicht vor. Wir rechnen aber damit, das Jahr 2018 mit knapp 3,4 Millionen Übernachtungen zu beenden. Leipzig zählt unter Deutschlands Städten weiterhin zu den wachstumsstärksten.

LTM: Interesse an Leipzig gesteigert

Wie erklären Sie sich die alljährliche Steigerung?

Es ist uns über all die Jahre gelungen, die Bekanntheit von Leipzig als Reisedestination zu steigern und das Interesse an einer Leipzig-Reise bei den Touristen zu wecken. Das Besondere: Wir sind die deutsche Großstadt, die sowohl bei inländischen als auch ausländischen Touristen große Zuwächse hat. Gemeinsam mit der Leipziger Messe und den Partnern der Kongressinitiative Do-it-at-Leipzig gelang es, auch die Anzahl der Tagungen und Kongresse in Leipzig signifikant zu erhöhen.

Dabei ist aber der Anteil ausländischer Gäste im Vergleich zu Düsseldorf oder München gering. Wann ändert sich das?

Dazu brauchen wir einen langen Atem. Viele Großstädte profitieren von sogenannten nicht promo-tablen Geschäftsreisen, das heißt Mitarbeiter aus der ganzen Welt reisen zu Schulungszwecken oder Businessmeetings in die Zentralen der ansässigen Großunternehmen. Da es in Leipzig diese großen Unternehmenssitze mit vielen tausend Mitarbeitern nicht gibt, kann man hier durchaus von einem strukturellen Nachteil sprechen. Während die großen internationalen Weltleitmessen in den letzten 50 Jahren feste Plätze in den Messekalendern der westdeutschen Großstädte gefunden haben, musste in Leipzig ab den neunziger Jahren wieder Pionierarbeit leisten. Gerade bei den großen internationalen Leitmessen kommen jeweils zehntausende von internationalen Übernachtungen zusammen. Der Werbeetat der LTM ist begrenzt, so dass wir uns auf ausgewählte ausländische Quellmärkte konzentrieren müssen.

Bremer: Für Briten war Leipzig immer attraktiv

Wo kommen die meisten Ausländer her?

2018 werden es wieder die US-Amerikaner vor Großbritannien sein. Schweiz, Österreich und die Niederlande liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Aber auch Russland, Tschechien und Polen entwickeln sich gut.

Ryanair stellt im Frühjahr seine Flüge nach Leipzig ein. Alle schauen auf den Brexit. Welche Auswirkungen wird dieser haben?

Ich hoffe natürlich, dass es dem Flughafen gelingt, einen neuen Anbieter für eine London-Verbindung zu akquirieren. Die Linie war ja trotz sehr ungünstiger Flugzeiten sehr gut ausgelastet. Es gibt auch Flugverbindungen über die Drehkreuze Frankfurt/Main und Berlin, auch von dort kommt man per Bahn oder Bus gut nach Leipzig. Für die Briten war Leipzig immer sehr attraktiv. Das wird hoffentlich so bleiben.

Die meisten Ausländer kommen aus den USA

Warum kommen so viele US-Amerikaner?

Sie sind vielseitig interessiert, für sie ist der Osten Deutschlands nach wie vor Neuland. Die friedliche Revolution, die Spinnerei aber auch die Musikstadt und die Reformation sind wichtige Themen für diesen Markt. Auch wissenschaftliche Kongresse ziehen sie an. Hinzu kommt der internationale Frachtverkehr, viele amerikanische Crews übernachten in unseren Hotels und bringen zusätzliche positive Effekte.

LTM setzt auf Clara Schumann

Sie haben Bach angesprochen. Leipzig hat 2019 zum Clara-Schumann-Jahr ausgerufen. Was versprechen Sie sich davon für die Musikstadt Leipzig?

Clara Schumann reiht sich ein in die Geschichte und die Geschichten, die die Musikstadt Leipzig mit ihren Jubiläen erzählen kann. Sie ist gebürtige Leipzigerin und die einzige Frau, die in der Romantik als Pianistin und Komponistin bekannt war. Gemeinsam mit dem Schumann-Haus und anderen Partnern sind daher in diesem Jahr vielfältige Aktivitäten geplant. Dieses „Storytelling“, das Geschichten erzählen über die Musikstadt Leipzig, ist für uns immer wieder ein wichtiger Faktor. Ausstellungen, Konzerte, eine Festwoche und vieles mehr sind tolle Aktivitäten, die wir auf Messen, Werbeaktivitäten und bei nationalen und internationalen Auftritten bewerben können.

2019 ist Bauhausjahr, 2020 das Jahr der Industriekultur. Leipzigs Industriepionier Karl Heine wurde am 10. Januar 1819 geboren. Wie kann Leipzig davon profitieren?

Das Thema Bauhaus haben vor allem die Medien sehr interessiert aufgenommen. So hat der Lonely Planet, einer der weltweit größten Reiseverlage, als Empfehlung erstmals Deutschland als Reiseland nach Sri Lanka auf Platz zwei gesetzt. Ich glaube, vorher war Deutschland noch nie in den Top 10 platziert. Ein Hauptgrund für diese Empfehlung ist das Bauhaus-Jubiläum. Leipzig kann davon profitieren, dass Weimar und Dessau zu wenige Übernachtungsmöglichkeiten bieten können. Diese Städte sind von Leipzig recht schnell zu erreichen, abends kann man dann in der pulsierenden Großstadt viel erleben. Das ist unsere Chance.

Lebendige Industriekultur weckt Interesse

Und Industriekultur?

Laut uns vorliegenden Studien ist das Interesse an reiner Industriekultur im Zusammenhang mit Urlaubsreisen nur schwach. Wir werben hingegen mit lebendiger Industriekultur. Die Spinnerei mit ihren Galerien und Ateliers, Aufführungen der freien Szene in ehemaligen Fabrikhallen, kreative Ausstellungsformate im noch relativ neuen Kunstkraftwerk oder im Asisi-Panometer. Im Sommer können die Gäste beispielsweise in Plagwitz Industriekultur vom Boot aus erleben oder gleich im Leipziger Neuseenland in eine renaturierte Bergbaufolgelandschaft samt Technik-Park eintauchen.

Braucht Städtetourismus immer ein Themenschwerpunkt als Zugpferd?

Es war ein Geschenk, dass wir in den vergangenen Jahren häufig Jubiläen wie die runden Geburtstage von berühmten Komponisten oder die Jahrestage der Friedlichen Revolution hatten. Musik und Kultur sind in Leipzig aber immer erlebbar. Die Themen gehen uns da nicht aus.

Keine Nachteile für Wachstum durch Gästetaxe befürchtet

Ab 2019 kassiert Leipzig eine Gästetaxe auf Übernachtungen. Was hat das für Auswirkungen auf den Tourismus?

Negative Auswirkungen auf unser Wachstum sehe ich nicht. Die Beispiele aus vielen anderen Städten im In- und Ausland zeigen das. Entscheidend wird sein, wie das eingenommene Geld verteilt wird. Es soll ja in die touristische Infrastruktur reinvestiert werden. Es gibt bereits viele Begehrlichkeiten der unterschiedlichsten Einrichtungen und Dezernate. Für die LTM und die Tourismusbranche wäre es immens wichtig, dass Teile aus diesem Aufkommen für den Betrieb und die Unterhaltung der Tourist-Information eingesetzt werden. Die vom LTM dann eingesparten Mittel könnten direkt in die Leipzig-Werbung investiert werden.

LTM-Chef warnt vor Überhitzung des Marktes

Der Bau-Boom in Hotels in Leipzig hält an. Es sind etliche Hotels wie jüngst in der ehemaligen Hauptpost am Augustusplatz hinzugekommen. Was verkraftet Leipzig noch?

Mit dem Astoria wird gerade ein altes Grandhotel belebt. Einige Hotels bieten jetzt zum Beispiel auch Familienappartements an, wir merken gerade, dass sich die Hotellerie auf unterschiedliche Zielgruppen einstellt. Es hat Leipzig gut getan, dass wir neue Hotels bekommen haben, auch im preiswerteren Segment. In den nächsten Jahren kommen weitere 3500 Zimmer  dazu. Dann sehe ich einen Punkt der Konsolidierung erreicht. Die Investoren müssen aufpassen, dass sie den Hotelmarkt nicht überhitzen. 20.000 Betten habe ich immer als vernünftige Kapazität für Leipzig angesehen, derzeit haben wir etwa 18400 Betten.

Was wäre Ihr touristischer Wunsch an eine gute Fee?

Eine Weltleitmesse in Leipzig, zusätzliche stets gut frequentierte Fluglinien und für den Leipziger Zoo weitere außergewöhnliche Besucherattraktionen.

Was ist Ihr persönliches Highlight in diesem Jahr?

Ich bin neugierig, wie Yadegar Asisi „Carolas Garten“ umsetzt, auf die Neuerungen im Zoo Leipzig, auf tolle Aufführungen in Oper und Gewandhaus und natürlich auf diverse Sporthighlights.

RB Leipzig bringt viel Aufmerksamkeit

Apropos Sport. Was bringt RB Leipzig aus touristischer Sicht?

Vor allem viel Aufmerksamkeit für die Stadt. Die Hilfe bei der Steigerung des Bekanntheitsgrades unserer Stadt durch eine Profifußballmannschaft ist enorm. Die Übernachtungseffekte hingegen sind eher gering, weil die meisten Gästefans mit Autos, Bussen oder der Bahn kommen und nach dem Spiel direkt nach Hause fahren. Natürlich gibt es auch Fans, die hier übernachten. Bei internationalen Spielen von RB, z.B. in der UEFA Champions League hatten wir touristisch gesehen noch nicht das richtige Losglück. Mannschaften, die mit tausenden Fans anreisen, fehlten bisher leider.

Von Mathias Orbeck

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