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Lokales So gedenkt Leipzig der Opfer der November-Pogrome von 1938
Leipzig Lokales So gedenkt Leipzig der Opfer der November-Pogrome von 1938
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09:26 03.11.2018
Gegen Relativierung von Nazi-Verbrechen. Zsolt Balla (Israelitische Religionsgemeinde Leipzig), OBM Burkhard Jung und Küf Kaufmann (Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Leipzig, v. l.). Das Foto zeigt den Brand der Synagoge von Frankfurt/Main. Aus Leipzig gibt es von jener Nacht nur wenige und nicht groß druckbare Fotos. Quelle: André Kempner
Leipzig

Es ist 40 Quadratmeter groß und zieht sich über die Südfassade: Seit Freitagmittag hängt ein Banner am Neuen Rathaus, das Mahnung wie auch Botschaft ist. Vor 80 Jahren zündeten die Nationalsozialisten deutschlandweit Synagogen an, verfolgten, misshandelten und ermordeten Menschen jüdischen Glaubens. Das riesige Bild einer brennenden Synagoge erinnert an die Pogrome in Leipzig.

„Die Pogromnacht ist in diesem November 80 Jahre her, es gibt kaum noch Zeitzeugen, die aus eigener Erfahrung über die Schrecken von damals berichten können“, sagt Oberbürgermeister Burkhard Jung und betont: „Gleichzeitig zeigt sich heute, wie Fremdenhass, Pöbeleien und eine zunehmend verrohende politische Kultur auch in Deutschland wieder um sich greifen. ‚Unmenschlichkeit und Gewalt beginnen mit Worten‘ – das galt vor 80 Jahren und gilt auch heute.“ Die Stadt sowie viele Vereine und Initiativen laden zu Veranstaltung zum Jahrestag des 9. November 1938 ein.

Demonstration am Donnerstag, Mahnwache am Freitag – das Programm

• Am Donnerstag beginnt um 11 Uhr der Netzwerktag im Ariowitsch-Haus: Das Projekt „EnterHistory!“ um Jane Wegewitz und Tom Pürschel veranstaltet einen Workshop für Lehrer und Lehramtsstudenten bis 14 Uhr und stellt das Projekt „ReMembering – Jüdische Lebenserinnerungen“ vor. 14 Uhr folgen Vorträge zur sogenannten Polenaktion und den Pogromen, 16.45 Uhr gibt’s die Diskussion „Wegschauen, hinschauen, umschauen: Erinnerungskultur heute“. Auf remembering-leipzig.de sind zudem elf neue Audiobeiträge zum Thema zu hören.

• Am Donnerstag-Abend beginnt um 18.30 Uhr am Ariowitschhaus eine Gedenkdemonstration von Projektgruppen, Institutionen und Privatpersonen. Die Initiatoren gehen „gegen Nazi-Hetze, gegen die geistigen Brandstifter in der AfD und gegen das gleichgültige Schweigen auf die Straße“. Die Demo führt über die Zentralbücherei für Blinde (früher Israelitische Schule), Parthe-Ufer, Synagoge Keilstraße, Brühl und Nikolaikirche, sie endet am Synagogen-Denkmal in der Gottschedstraße. Außerdem erinnert das Bündnis an eine mutige Demo vor 30 Jahren: Am 9. November 1988 gingen Leipziger gegen ein Erstarken neonazistischer Tendenzen in der DDR auf die Straße.

• Am Freitag sprechen OBM Burkhard Jung und Ministerpräsident Michael Kretschmer sowie Eva Wechsberg, eine der letzten Zeitzeuginnen des Geschehens, um 9.30 Uhr an der Gedenkstätte Gottschedstraße.

• Am Freitag sorgen Leipziger Bürger von 16.30 bis 18 Uhr für eine Mahnwache an den von ihnen zuvor gereinigten Stolpersteinen im gesamten Stadtgebiet. Zur Auftaktveranstaltung an den Stolpersteinen der jüdischen Familie Frankenthal am Dittrichring 13 um 11 Uhr kommen der OBM, Superintendent a.D. Friedrich Magirius und Frank Kimmerle, Ehrenvorsitzender des veranstaltenden Erich-Zeigner-Hauses. Schüler erinnern mit kurzen Redebeiträgen an die Familie. Dass sich für die 179 Gedenksteine binnen kurzer Zeit Putzpaten fanden, wertet Zeigner-Haus-Leiter Henry Lewkowitz als gutes Zeichen „insbesondere in Zeiten, in denen eine Tendenz zur systematischen Relativierung der Nazi-Verbrechen und eine Diffamierung von Geschichtsaufarbeitung zu konstatieren ist.“

• Am Sonntag findet um 18 Uhr in der Thomaskirche ein Ökumenischer Gottesdienst für die Opfer der Pogrome statt.

• Montag bis Donnerstag von 9 bis 17 Uhr und sonntags zu Veranstaltungen ist im Ariowitsch-Haus die Ausstellung „Bruch-Stücke“ zu sehen.

Von Mark Daniel

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