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Lokales Leipzig geht in die E-Offensive
Leipzig Lokales Leipzig geht in die E-Offensive
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00:18 30.09.2016
Leipzig fährt in eine elektrische Zukunft. 160 Lademöglichkeiten – hier eine Stromtankstelle am Ring – gibt es derzeit in der Stadt.  Quelle: Jan Woitas
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Leipzig

 Momentan gibt es in Leipzig noch mehr Stromtankstellen als Elektroautos. Die Stadt fördert Gewerbetreibende, die E-Fahrzeuge zwölf Wochen in ihrem Betriebsalltag testen. Jetzt plant die Kommune neue Anreize, um den Umstieg auf die umweltfreundlicheren Autos zu beschleunigen. Leipzig geht in die E-Offensive.

Im November wird das Wirtschaftsdezernat dazu ein „Maßnahmen- und Umsetzungskonzept für E-Mobilität“ in den Stadtrat bringen. Danach soll es künftig öffentlichen Parkraum geben, der speziell Stromern vorbehalten ist. Fünf Prozent der ausgewiesenen Parkflächen im Stadtgebiet, so die Vorstellung im Rathaus, würden dann für Elektrofahrzeuge reserviert. Mit einer Abweichung: In der Innenstadt soll sogar jede zehnte Stellfläche ein E-Parkplatz werden.

Noch sind Elektroautos die Exoten auf unseren Straßen. Doch schon in einigen Jahren dürfte sich das gewaltig geändert haben. „Immer mehr Modelle kommen auf den Markt, die Reichweiten steigen und die Fahrzeuge werden erschwinglicher“, betont Thomas Lingk, Abteilungsleiter im Wirtschaftsdezernat und zuständig für Elektromobilität. Leipzig, sagt er, will die Chance nicht verpassen: „Der Umstieg auf E-Mobilität kommt sowieso. Die Frage ist nur: Gehören wir auch zu den Ersten?“ Und Leipzig will zu den Kommunen in Deutschland zählen, in denen E-Mobilität eine maßgebliche Rolle spielt. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass sich mit BMW und Porsche zwei Autobauer in der Stadt angesiedelt haben, die stark auf Elektromobilität setzen. Mit den neuen Fahrzeugen werden nicht nur neue Arbeitsplätze entstehen, etwa in Werkstätten, in der IT-Branche oder bei Dienstleistern. Mit einer Verringerung der Luftverschmutzung und Lärmbelastung wächst auch die Lebensqualität in Leipzig.

 Zwei Jahre lang haben Lingk und sein Team an der Vorlage für den Stadtrat gearbeitet, sich mit anderen Städten ausgetauscht, Experten der E-Allianz, des Grünen Rings, aber auch Unternehmer hier vor Ort befragt. „Wir haben uns jede Menge Ideen geben lassen“, sagt er. Herausgekommen ist ein Konzept, das der Verwaltung einen Handlungsrahmen gibt.

So könnte sich in Leipzig bald das erste Free-Floating-Angebot für E-Autos etablieren. Das ist ein Carsharing-Modell, bei dem die Nutzer die geliehenen Fahrzeuge überall in der Stadt übernehmen und stehen lassen können, also nicht mehr zu einer festen Station bringen müssen. Sobald der Ratsbeschluss da ist, könnte die Ausschreibung erfolgen. Die Einführung des neuen Carsharings wäre dann schon im kommenden Jahr möglich. Vier bis sechs private Fahrzeuge lassen sich durch ein „geteiltes“ Auto ersetzen. Erst im August war mit Clever Shuttle das erste Sammeltaxi-Startup, das ausschließlich E-Fahrzeuge nutzt, in Leipzig an den Start gegangen (die LVZ berichtete).

Außerdem plant die Kommune, ihre E-Flotte weiter auszubauen. Vor einem Jahr erst übernahm sie mit ihren Unternehmen von BMW 50 der in Leipzig gebauten i3. Bei der Entwicklung neuer Baugebiete wird Leipzig künftig von vornherein die Infrastruktur für E-Mobilität berücksichtigen. „Man muss solche Themen schon heute mitdenken“, sagt Jan Becker von der Wirtschaftsförderung, „denn immer mehr Bauträger sehen den Bedarf dafür.“

In Leipzig gibt es derzeit 160 öffentliche Ladepunkte. Nach den Angaben des Kraftfahrtbundesamtes waren im Januar 142 E-Autos in der Stadt angemeldet.

Wie elektromobil Leipzig in den zurückliegenden Jahren schon geworden ist, konnten erst vor ein paar Tagen Teilnehmer einer von der Grünen-Ratsfraktion organisierten E-Tour durch Leipzig erfahren. Die Verkehrsbetriebe (LVB) betreiben hier mittlerweile 25 Mobilitätsstationen. Die Schnittstellen zwischen öffentlichem Personennahverkehr und Individualverkehr vereinen Bus- oder Bahnhaltestelle, Carsharing, Fahrradverleih und Stromladestation. 14 000-mal wurde die zugehörige „Leipzig mobil“-App, über die die Angebote nutzbar sind, schon heruntergeladen. Der Vorteil: „Ein Vertrag, eine Anmeldung, eine Abrechnung“, sagt LVB-Chef Ulf Middelberg. „Das ist so in Deutschland noch nicht anzutreffen.“ Die Zahl derer, die das Angebot auch käuflich nutzen, liegt aber noch weit unter 100. Mittelfristig peilen die LVB 2000 Kunden an. „Da haben wir noch ein Stück Arbeit vor uns“, räumt Middelberg ein.

Mit Strominator hat sich im Mai dieses Jahres in Leipzig auch der erste Verleih für Elektroautos etabliert. Stefan Moeller und Oliver Beckel betreiben ihn derzeit nebenberuflich. „Wer erstmal selbst damit gefahren ist, findet E-Autos geil“, meint Moeller. Dabei muss es nicht gleich der Tesla S P85D sein, ein lautloser Bolide mit wahnsinnigen 700 PS. Viele Autofahrer seien auch schon vom kleinen Renault Zoe begeistert. „Wir sind überzeugt“, so Moeller, „dass nicht nur jeder fünfte Testfahrer am Ende auch ein E-Auto kaufen wird.“ Das Problem der vielfach noch geringen Reichweite sieht er gerade im Stadtverkehr nicht. Selbst 80 Prozent der gewerblichen Fahrten ließen sich in der Stadt voll elektrisch absolvieren. Inzwischen gibt es auch Transportfahrzeuge mit E-Motor, wofür sich einige Gewerbetreibende gerade im Leipziger Westen interessieren. Strominator hat deshalb schon ein neues Projekt in der Schublade: Carsharing mit E-Transportern.

Von Klaus Staeubert

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