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Leipzig gerüstet für weitere Ebola-Patienten - St. Georg-Mediziner Bernhard Ruf im Interview

Leipzig gerüstet für weitere Ebola-Patienten - St. Georg-Mediziner Bernhard Ruf im Interview

Das Leipziger Klinikum St. Georg wird in rund vier Wochen wieder in der Lage sein, neue Ebola-Patienten aufzunehmen. Und die werden kommen – davon geht der Chefarzt der Klinik für Infektiologie, Bernhard Ruf (65), im Interview mit LVZ-Redakteur Andreas Dunte fest aus.

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Gelände des Sankt-Georg-Klinikums in Leipzig. Chefarzt Bernhard Ruf geht davon aus, dass weitere Ebola Patienten in dem Krankenhaus behandelt werden. (Archivbild)

Quelle: dpa

Herr Professor, der ins St. Georg eingelieferte Ebola-Patient ist verstorben. Was genau wurde vom ärztlichen Personal unternommen, um ihn zu retten?

Leipzig. Wir haben alle medizinischen Maßnahmen ergriffen, die notwendig waren. Ich bitte um Verständnis, dass ich dazu keine näheren Angaben machen kann, da wir der ärztlichen Schweigepflicht unterliegen, und auch der Patient uns hierzu nicht die Erlaubnis erteilt hat. Alle medizinischen Behandlungsmöglichkeiten, die unsere moderne Quarantänestation vorhält, kamen zur Anwendung, auch intensivmedizinische Maßnahmen. Dies hat der Gesundheitszustand des Patienten auch erfordert.

Wie ist die Krankheit verlaufen?

Patienten mit Ebola erkranken am Beginn mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, Bauch- und Kopfschmerzen, Fieber und einem Hautausschlag. Die Krankheitsverläufe können sehr unterschiedlich sein. Im fortgeschrittenen Stadium kann es dann zum viral-hämorrhagischen Fieber mit erhöhter Blutungsneigung kommen. Bei allen drei in Deutschland behandelten Patienten war der Krankheitsverlauf unterschiedlich. Wir hatten den Patienten mit dem schwersten Verlauf. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Das Mittel ZMapp, das bislang wenig erprobt ist, hat zwei US-Amerikanern das Leben gerettet. Wurde es auch in Leipzig gegeben?

ZMapp war nicht verfügbar. Wir haben andere Medikamente eingesetzt, die in ersten Untersuchungen eine Wirksamkeit gegen das Ebolavirus gezeigt haben.

Ist die Auswahl so groß?

Weltweit forscht etwa eine handvoll Firmen an Medikamenten oder Impfstoffen. Medikamente, deren Wirkung gegen das Ebolavirus in klinischen Untersuchungen bewiesen ist, gibt es noch nicht. Die Forschung steht hier am Anfang.

Geforscht wird ferner an einem Heilserum?

Das ist richtig. Dieses besteht aus Antikörpern, die aus dem Blut von Patienten extrahiert wurden, die überlebt haben. Aber auch von diesem Serum, dessen Einsatz zumindest in der frühen Krankheitsphase vielversprechend scheint, gibt es bislang nur sehr geringe Mengen.

Die Behandlung dieser Patienten dient also auch der Erforschung der Wirksamkeit neuer Medikamente?

Ja. Dies gilt für alle Medikamente, die wir bei Patienten einsetzen. Nur so können wirksame und sichere Medikamente entwickelt werden. Hierzu stehen wir in engem Kontakt mit den anderen Kompetenzzentren in Deutschland, die Ebola-Patienten behandeln, und auch den pharmazeutischen Unternehmen. Es geht darum, schnell eine wirksame Behandlung von Ebola zu entwickeln und auch Impfstoffe, denn nur mit diesen kann neben anderen Maßnahmen dieser Epidemie wirksam begegnet werden. Denn, seien wir realistisch: Diese Krankheit breitet sich rasend schnell aus. Daher müssen wir uns auf weitere Patienten einstellen, auch in Deutschland.

Rechnen Sie auch damit, dass weitere Patienten aus den betroffenen Ländern in Afrika nach Leipzig zur Behandlung eingeflogen werden?

Aktuell gibt es keine Anfragen, weder von den Vereinten Nationen noch von der WHO oder von anderen Organisationen oder Behörden. Aber ich gehe fest davon aus, dass weitere Anfragen kommen werden.

Wäre Leipzig bereit?

Wir sind bestens darauf vorbereitet, haben ein exzellent ausgebildetes und trainiertes Team, das sich zurzeit allerdings etwas Ruhe gönnt und die Station wieder einsatzbereit herrichtet. Der Prozess wird rund vier Wochen in Anspruch nehmen. Für Patienten aus den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, für die wir einen Versorgungsauftrag haben, sind wir jederzeit aufnahmebereit. Übrigens haben alle Sicherheitsmaßnahmen gegriffen. Keiner unserer Mitarbeiter hat sich infiziert. Wir haben gezeigt, dass ein sicherer Umgang mit Ebola-Patienten in Deutschland möglich ist.

Der Westen will seine Hilfe für Afrika verstärken. Nicht auszuschließen, dass sich auch Helfer infizieren. Wie viele Patienten könnte Leipzig aufnehmen?

Trotz einer größeren Aufnahmekapazität können wir maximal zwei schwerkranke Patienten, die einen hohen medizinischen Aufwand benötigen, aufnehmen. Mehr ist personell nicht zu schaffen. Allein im Fall des jetzigen Patienten benötigten wir ein Team von 25 Ärzten und Pflegekräften, die jeweils in Schichten von vier Stunden, rund um die Uhr am Patienten im Einsatz waren. Zusätzlich werden auch noch Personen für andere Tätigkeiten wie beispielsweise Laboruntersuchungen, Dokumentation und Organisationsaufgaben benötigt. Für Patienten mit einem leichten Krankheitsverlauf beziehungsweise für Verdachtsfälle, die keinen so hohen medizinischen Aufwand benötigen, ist die Aufnahmekapazität der Isolierstation wesentlich höher.

Sollte es mehr Infizierte geben, etwa durch einen Ausbruch in Europa, dann könnte die Klinik diese nicht aufnehmen?

Doch, dies hängt vom medizinischen Aufwand für jeden Patienten ab. Übersteigt die Zahl der Patienten die Zahl der Behandlungsplätze in Deutschland, dann muss man ohnehin über ganz andere Maßnahmen diskutieren.

Sie sagen, für den Ernstfall wurde viel trainiert. Waren auch alle Mitarbeiter, als der Ernstfall vor der Tür stand, bereit, den Patienten zu behandeln?

Ja, alle. Denn alle waren gut trainiert und fühlten sich daher sicher. Angst wäre in einer solchen hoch angespannten Situation fatal, denn man muss ruhig, überlegt und konzentriert arbeiten. Zudem ist das Personal gewohnt, ständig mit Infektionskrankheiten umzugehen.

Sollte man mehr Stationen wie die von Ihnen geführte in Deutschland schaffen?

Wir brauchen keine zusätzlichen hoch-spezialisierten Quarantäne-Stationen in Deutschland. Sinnvoll wäre es, die vorhandenen Stationen finanziell und personell besser auszustatten. In Sachsen befinden wir uns in einer recht komfortablen Situation, aber andere Bundesländer haben Nachholbedarf. Zudem sind von den in Deutschland verfügbaren und prinzipiell einsatzfähigen Kompetenzzentren derzeit vier nicht in der Lage, solche Patienten zu behandeln. Die Politik muss endlich erkennen, dass das Gebiet der Infektiologie aufgewertet werden muss. In einer globalisierten Welt ist jedes Land bedroht.

Andreas Dunte

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