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Leipzig gibt immer mehr Geld für vernachlässigte Kinder aus

Leipzig gibt immer mehr Geld für vernachlässigte Kinder aus

Kurz vor Jahresende braucht Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) einen kräftigen finanziellen Nachschlag von 3,5 Millionen Euro für erzieherische Hilfen. Die haben sich von geplanten 44,9 Millionen auf 48,4 Millionen Euro verteuert.

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Quelle: Andr Kempner

Leipzig. Der Stadtrat soll am Mittwoch über eine Eil-Vorlage votieren.

Das Amt für Jugend, Familie und Bildung benötigt 3,5 Millionen Euro mehr für Hilfen zur Erziehung. Die Zahl der Familien und Alleinerziehenden, deren Kinder betreut werden müssen, ist sprunghaft gestiegen. Das deutete sich im Laufe des Jahres an.

Darum geht es: Der Allgemeine Sozialdienst (ASD) macht regelmäßig Hausbesuche, wenn es um vernachlässigte Kinder oder überforderte Eltern geht, prüft zudem Hinweise aus der Bevölkerung. Dann wird nach Sachlage entschieden, ob Unterstützung notwendig ist, die dann in der Regel durch freie Träger der Jugendhilfe organisiert wird. Das können sowohl ambulante Beratungen als auch die Unterbringung der Sprösslinge in einer Wohngruppe, einem Heim oder bei einer Pflegefamilie sein. "Ich vergleiche das Netzwerk zum Kinderschutz oft mit einem Spinnennetz. Der Sozialdienst reagiert, wenn jemand im Netz zappelt und aufgefangen werden muss. Und es zappelt immer häufiger", sagt der amtierende Jugendamtsleiter Thomas Schmidt.

Bereits seit 2011 ist ein Anstieg bei den vergebenen Hilfen zu verzeichnen, der nun besonders deutlich ausfällt. 2011 musste der ASD 1768 Fälle bearbeiten, derzeit sind es bereits 2142 (bis 30. September). Der Anstieg betrifft sowohl stationäre und ambulante Hilfen, als auch eine Zunahme von vermittelten Pflegefamilien. Ein Grund könnte neben der Überarbeitung des Kinderschutz-Gesetzes auch der tragische Todesfall im Juni 2012 sein. Wie berichtet, ist damals das zweijährige Kind einer drogensüchtigen Mutter in Gohlis verdurstet. Das hat zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft geführt - aber auch zu öffentlichen Diskussionen. Seitdem sind Bürger, Institutionen, Sozialarbeiter viel aufmerksamer geworden - besonders was Risikogruppen betrifft. Nach dem tragischen Todesfall wurden Fachstandards angepasst, mittlerweile werden auch Einzelfälle nach Gefährdungen wie Drogen, Sucht, psychische Erkrankungen, Gewalt in der Familie gesondert erfasst.

"Die ursächlichen Problemlagen sind teilweise über Generationen hinweg familiär bedingt, hochkomplex und mit schweren traumatischen Hintergründen belegt", heißt es in einem Papier für den Stadtrat. Dieser hat kaum eine andere Wahl, als den höheren Zuschuss zu gewähren. "Es handelt sich um eine Pflichtaufgabe", sagt Rüdiger Ulrich (Linke), Vizechef des Jugendhilfeausschusses. Die Konsequenz: Präventive Maßnahmen in Kita, Schule, Hort und Freizeiteinrichtungen müssten verstärkt werden: "Da ist es kontraproduktiv, wenn es bei der Jugendhilfe zu Kürzungen kommt." Bei den Erziehungshilfen hat das Amt für 2014 vorsorglich eine halbe Million Euro mehr eingeplant. Ob das reicht, ist ungewiss. "Wir können nicht in die Glaskugel blicken, müssen mit Prognosen arbeiten. Darauf sind die Mittel ausgerichtet", so Schmidt.

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.12.2013

Mathias Orbeck

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