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Lokales Leipzig hängt andere deutsche Metropolen ab
Leipzig Lokales Leipzig hängt andere deutsche Metropolen ab
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00:37 30.05.2015
Leipzig erfreut sich zunehmend großer Beliebtheit (Archivfoto). Quelle: Leipzig report
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Leipzig

Arm, aber sexy – lange beschrieb dieser Slogan das Lebensgefühl der Berliner. Mittlerweile hat Leipzig aufgeholt, sich binnen weniger Jahre von der Armutshauptstadt zur Trend-Metropole gemausert. „Die Welt" findet sogar, dass Leipzig mittlerweile „den Rest der Bundesrepublik abhängt". Und diese Fakten sprechen eindeutig dafür:

Leipzig wächst am schnellsten

Leipzig ist die am schnellsten wachsende Großstadt Deutschlands. „Die Einwohnerentwicklung hat all unsere Prognosen deutlich übertroffen", erklärt Andrea Schultz vom Amt für Statistik und Wahlen gegenüber der LVZ. Noch stärker als die Rathaus-Statistiker daneben gelegen hatten die Vorhersagen von Bertelsmann und des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Ende des ersten Quartals 2015 lebten 554 334 Menschen in Leipzig – genau 12 966 mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. „Keiner weiß, wie lange der Run auf Leipzig noch anhält oder ob er sich nicht sogar noch verstärken wird", sagt Schultz. Jahrelang sog Leipzig aus dem Umland die Bevölkerung auf. Doch inzwischen gibt es ein neues Phänomen: Immer mehr Menschen kommen aus Großstädten hierher. Zogen aus Gemeinden mit über 100 000 Einwohnern im Jahr 2010 noch 671 Menschen an die Pleiße, waren es im vorigen Jahr schon fünfmal so viele. Erstmals seit einem halben Jahrhundert verbuchte Leipzig wieder einen Geburtenüberschuss. Im vorigen Jahr erblickten 352 Leipziger mehr das Licht der Welt als starben. Vor zwei Jahren prognostizierten die Statistiker das Erreichen der 600 000-Einwohner-Grenze noch für das Jahr 2032. Gut möglich, dass Leipzig diese Marke schon viel früher erreicht. Die nächste Bevölkerungsvorausschau erscheint 2016.

Das Wirtschaftswunder

Weltweit geschätzte Marken wie Porsche, BMW, DHL und Amazon haben Leipzig in die Liga der Weltklasse-Player aufsteigen lassen. Um die Wirtschaftskerne herum entstand ein weit verzweigtes Netz an Zulieferbetrieben. Namhafte Institute wie Max Planck, Leibniz, Helmholtz und Fraunhofer haben aus Leipzig einen wichtigen Forschungsstandort gemacht. Der im Vergleich zu anderen Großstädten unterdurchschnittliche Gewerbesteuer-Hebesatz lockt Firmen an. Die Infrastruktur ist ein Pfund, mit dem die Stadt zunehmend punkten kann. Neben Straßen- und Schienennetz bildet der Flughafen ein wichtiges Drehkreuz. Erfolgsrezept: Der 24-Stunden-Betrieb für Frachtflüge beschert ihm Vorteile gegenüber Berlin und Frankfurt/Main. Vor Jahren war noch jeder Fünfte ohne Beschäftigung. Inzwischen liegt die Leipziger Arbeitslosenquote bei zehn Prozent. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg allein 2014 um 5,27 Prozent, bundesweit waren es nur 0,9 Prozent. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten stieg zwischen 2005 und 2013 um mehr als 44 000 auf 236 004. Viele Leipziger fanden jedoch nur im Niedriglohnbereich Arbeit.

Preiswert wohnen

Unter allen deutschen Universitätsstädten lässt sich nur in Duisburg noch günstiger eine Bleibe finden. Laut Daten des Immobilienportals Immowelt betrug die Kaltmiete für freie Quartiere in Leipzig zum Ende des ersten Quartals 2015 im Schnitt 5,70 Euro. Zum Vergleich: In Dresden waren es 7, in Berlin 9 und in München 15 Euro. Obwohl ungewöhnlich viele Messestädter zur Miete wohnen (82 Prozent), schätzten bei der jüngsten kommunalen Bürgerumfrage nur 18 Prozent deren Höhe als problematisch ein. Laut den repräsentativen Daten aus dieser Erhebung zahlen Leipziger derzeit im Mittel 5,38 Euro Kaltmiete – allerdings nehmen die Unterschiede zwischen einzelnen Lagen zu. Leipzig gehört zu den wenigen Städten, in denen jeder Student, der das möchte, einen Platz im Wohnheim erhält. Professor Dieter Rink, Stadtsoziologe am Umweltforschungszentrum (UFZ), sieht die Ursache für das enorme Einwohnerwachstum dennoch nicht bei den Studierenden. „Ihre Zahl liegt seit 2008 stabil bei 37 000. Vielmehr wissen wir heute, dass nicht nur Leute in Ausbildung herziehen, sondern auch sehr viele 25- bis 30-Jährige, also die Berufseinsteiger."

Tolles Lebensgefühl

Vom Begriff der „Schwarmstadt", den das Forschungsinstitut Empirica erfunden und Leipzig angeheftet hat, hält Professor Rink nicht viel. Es sei eher unwahrscheinlich, dass sich abertausende junge Leute nur wegen besonders guter Musikclubs und Partys zu einem Umzug entschließen würden. Ohne Zweifel gehörten Kultur und Freiräume für Kreative aber zu den Faktoren, die das insgesamt tolle Lebensgefühl und die hohe Zufriedenheit bei einem Großteil der Einwohner ausmachten. „Leipzig gehört bei der Lebensqualität und in Umweltbelangen zu den besten Städten", erläutert er. „Bei Kaufkraft, Einkommen und Armutsquote stehen wir noch immer am unteren Ende der Skala. Deshalb dürfen die Investitionen in Wissenschaft und qualifizierte Jobs keinesfalls nachlassen." Immerhin: Die Netto-Einkommen von Familien mit Kindern stiegen im vergangenen Jahr um 241 auf monatlich 3118 Euro. Bei der aktuellen kommunalen Bürgerumfrage bewerteten 78 Prozent der Teilnehmer ihr Leben als gut und sehr gut – so viele wie noch nie. Die Einzelhandelsflächen in der City wurden seit den Neunzigern verdoppelt. Auch dies gehört wohl zu dem sagenhaften Leipzig-Hype, der jüngst noch durch über 100 positive Artikel pro Jahr von auswärtigen Medien befeuert wurde.

Immer Urlaubswetter

Mit 1780 Stunden war Leipzig im vergangenen Jahr die Sonnenschein-Hauptstadt unter Deutschlands Metropolen. Dresden kam auf 1758, Berlin auf 1651 und München auf 1674 Stunden. Am Cospudener oder Kulkwitzer See machen längst auch Touristen aus Skandinavien, den Benelux-Staaten oder der Schweiz Urlaub, berichtet Christian Conrad vom Seenbewirtschafter Pier 1 (60 000 Übernachtungen pro Jahr). „Leute aus Bielefeld oder Baden-Baden bauen hier Häuser, weil es ihnen einfach bei uns besser gefällt." Der unglaubliche Wandel von einer Tagebau- zur Erholungsregion habe Leipzigs Image einer extrem dynamischen Stadt beflügelt. „Die enge Verbindung zwischen Seen, Flüssen, Auenwäldern und einer pulsierenden Großstadt mit erstklassiger Kultur und Freizeitangeboten – das findet sich nirgendwo in Mecklenburg-Vorpommern. Das haben Sie nur hier."

Klaus Staeubert und Jens Rometsch

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.05.2015.

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