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Lokales Leipzig hat keinen Pfennig dazubezahlt
Leipzig Lokales Leipzig hat keinen Pfennig dazubezahlt
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15:11 18.07.2017
Flughafen-Geschäftsführer Major a. D. Goebel (links) im Gespräch mit dem Architekten Hans Wittwer, 1930/31.  Quelle: Archiv GBSL
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Leipzig,

 
 Circa 60 Morgen Land – also 15 Hektar – stellte die Stadt Schkeuditz für die Gründung der Flughafen-Aktiengesellschaft unentgeltlich zur Verfügung. Außerdem zahlte die Stadt in fünf Jahresraten insgesamt 100 000 Mark. Einen entsprechenden Beschluss fassten die Stadtverordneten nach zwar heftiger Diskussion 1926 binnen nur weniger Minuten einstimmig.

Zuvor war vom preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe entschieden worden, nordwestlich von Schkeuditz einen Flughafen zu bauen. Grund war die auslaufende Befristung des Flugplatzes in Halle-Nietleben und damit akuter Handlungsbedarf für Halle. Die Stadt stellte am 21. Juni 1926 den Antrag zum Flughafenbau und erhielt nur drei Monate später, am 25. September, die Genehmigung vom Reichsverkehrsministerium. Voraussetzung: Die Betriebserlaubnis des neuen Flughafens musste bis spätestens zum 1. April 1927 vorliegen.

Enormer Zeitdruck

Also unter enormem Zeitdruck stehend beauftragte die Stadt Halle den Rektor der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein, Paul Thiersch, mit dem Entwurf einer Flughafenanlage. Thiersch legte einen auf die Expansion des Luftverkehrs ausgerichteten Entwurf vor: Zwei quadratische Flugzeughallen flankierten den zentralen dreistöckigen Terminal für die Abfertigung, Verwaltung und für Restaurants von insgesamt 150 Metern Länge. Jede der beiden quadratischen Flugzeughallen hatte ebenfalls eine Länge von 150 Metern.

Von diesem Gebäudekomplex mit einer fast einen halben Kilometer langen Luftseite führte ein 30 Meter breiter Flugsteig aus Ara-Hartsteinplatten etwa 130 Meter in das Fluggelände hinein. Ein Doppelkreis von 1000 Metern Durchmesser orientierte die ankommenden Flugzeuge auf den Mittelpunkt des Platzes.

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Alle Teile der LVZ-Serie "90 Jahre Flughafen Leipzig/Halle" finden Sie hier!

Schon im August 1926 löste das hallesche Hochbauamt die Aufträge zur Einebnung und Umzäunung des Platzes aus. Die Bauern konnten gerade noch das Getreide auf den Feldern ernten, da erfolgte am 1. September der erste Spatenstich.

400-Tonnen-Stahlkonstruktion

Als Teil der entworfenen Gesamtanlage wurde nur die 46 000 Liter Treibstoff fassende, unterirdische Tankanlage und der vordere Teil der östlichen Halle realisiert. Letztere wurde als Doppelhalle mit zwei seitlichen Anbauten aus gemauerten Eckpfeilern und mit Verglasung in einer Frontbreite von 150 Metern errichtet.

Die Gesamtmasse der von der Firma Reuter & Straube gelieferten Stahlkonstruktion für den Hangar betrug 398 Tonnen. Die bekam am 19. Oktober 1926 den Bauauftrag. Am 16. Dezember wurden die ersten Stahlkonstruktionen auf der Baustelle angeliefert und am 22. Februar 1927 wurde der letzte Dachbinder gezogen. Nach Anbringung der Glasschürzen mit kittlosen Sprossen und Blechabschlusswänden von insgesamt 26 Tonnen waren die Bauarbeiten am 14. März beendet. Eine Ingenieur- und Bauleistung, die heute noch Respekt abverlangt.

Für die Abfertigung der Fluggäste und die Verwaltung des Flughafens entwarf Paul Thiersch ein „vorläufiges“ Gebäude als Fachwerk in Holzausführung. Im Februar 1927 mit der Holzmontage begonnen, konnte nach nur einem Monat der Innenausbau erfolgen.

Provisorische Abfertigung

Selbst das als Provisorium gedachte Abfertigungsgebäude von Paul Thiersch war eine architektonische Meisterleistung. Es diente der Flugleitung, dem Zoll und der Post, hatte Funk- und Telefonzellen sowie Räume für die Luftpolizei und die Wetterwarte und war natürlich für die Abfertigung der Fluggäste da. Im Erdgeschoss befand sich außerdem ein Restaurant für Fluggäste und im Obergeschoss eins für Besucher. Das gesamte Mobiliar – die Tische, die Stühle, die Deckenbeleuchtung – wurden nach Entwürfen von Thiersch ausgeführt und zum Teil in der Metallwerkstatt der halleschen Kunstgewerbeschule gefertigt. Das Provisorium existierte länger als geplant. Erst 1938 ging ein neues Abfertigungsgebäude in Betrieb. Es wird auf dem Industriegelände südlich des heutigen Flughafens Leipzig/Halle immer noch als Bürogebäude genutzt.

Kleineres Vorfeld

Das Zusammenstreichen des Bauumfanges hatte auch Auswirkungen auf das Vorfeld. Jetzt auf 40 statt auf 140 Meter Breite ausgelegt, konnten die Flugzeuge nur einreihig in Parkposition gehen. Es gab aber eine kurze Rollstraße zur unbefestigten Grasnarbe. Das war für deren Schonung durchaus von Bedeutung. Aber auch die abgeschmolzene Planung gestattete geordnete Bewegungen der Flugzeuge am Boden.

Schkeuditz zahlt gute halbe Million

Bei den erwähnten Ausgaben der Stadt Schkeuditz blieb es nicht: Aus einer Aufstellung vom November 1927 geht hervor, dass die Stadt insgesamt rund 570 000 Mark kalkulierte. Von einer angebotenen Beteiligung am Flughafen Halle/Leipzig haben die Sachsen – die Stadt Leipzig und das Land – nie Gebrauch gemacht. Keine Mark ist nach Schkeuditz geflossen. Auch als Preußen und Halle mit dem Argument, dass fast 80 Prozent aller Passagiere nach oder von Leipzig kämen, zur Mit-Finanzierung drängten, blieb man abweisend: Eben darum habe man ja für Mockau votiert, ließ man wissen.

*Hans-Dieter Tack, 1940 in Schkeuditz geboren, lebte bis 1986 in der Region. Der Flugzeugschlosser und Diplom-Ingenieur für Maschinenbau war 17 Jahre in Schkeuditz tätig. Als profunder Kenner der Luftfahrtgeschichte arbeitete er an mehreren Publikationen mit. Er ist Vizechef der Gesellschaft zur Bewahrung von Stätten deutscher Luftfahrtgeschichte.

Von Hans-Dieter Tack* und Roland Heinrich

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