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Leipzig in Angst vor neuem Hochwasser: Die Deiche sind in kritischem Zustand

Leipzig in Angst vor neuem Hochwasser: Die Deiche sind in kritischem Zustand

Die Deiche des Elsterhochflutbetts sind zwischen Knauthain und Schleußig so stark geschädigt, dass sie keinem Hochwasser standhalten. Auf acht Kilometern Länge gibt es Risse, die mehrere Zentimeter stark sind und von der Krone bis zur Deichbasis reichen.

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Flutung des Leipziger Auenwaldes.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Die Lage sei kritisch, heißt es in der Landestalsperrenverwaltung (LTV). Vor allem, weil Leipzig oft von Weihnachtshochwassern heimgesucht wird. Doch bis vor kurzem weigerte sich die Stadt, Deicharbeiten zuzulassen.

Schuld an dem Zustand ist das Hochwasser vom Juni 2013. "Damals flossen in einer Sekunde 600 Kubikmeter Wasser auf Leipzig zu und die Deiche waren bis an die Kronen eingestaut", erinnert LTV-Experte Axel Bobbe. Dies sei viel zu viel gewesen, denn die Statik der Deiche sei so berechnet, dass die Kronen mindestens 50 bis 75 Zentimeter aus dem Wasser ragen müssen.

Der extrem hohe Wasserstand hat die Deiche mehrere Tage lang stark durchweicht. "Anschließend sind die Anlagen stark ausgetrocknet, weil gleich nach dem Hochwasser sehr heißes Wetter einsetzte", so Bobbe. Dies habe die Risse verursacht - im sensiblen Bereich an der Brückenstraße sind an beiden Seiten jeweils rund vier Kilometer lange Abschnitte betroffen.

Fotos vom Hochwasser in Leipzig im Juni:

Gleichzeitig haben sich die Deiche verformt. "Als Wasser durchsickerte, wurde Sand herausgespült", so Bobbe. "Dadurch hat sich die Krone gesenkt und der Deich ist in seinem unteren Teil breiter geworden." In diesem Zustand würden die Anlagen an der Brückenstraße nur einem Durchfluss von maximal 150 Kubikmetern Wasser je Sekunde standhalten. "Wenn jetzt ein Viertel der Wassermenge des letzten Leipziger Hochwassers auf die Stadt zurollt, bekommen wir Probleme."

In der vergangenen Woche gab es eine Krisensitzung von LTV-Experten mit Spitzen der Landesdirektion Leipzig und des Leipziger Rathauses. Die LTV habe der Stadt geraten, sich auf den Einsatz von Deichläufern und auf eine Deichverteidigung vorzubereiten, heißt es. Denn bei einem Deichbruch zwischen Knauthain und Schleußig drohen erhebliche Schäden: Ein Versagen der östlichen Deichseite hätte die Flutung des Cospudener Sees und damit des Nordstrandes sowie der Hafens Zöbigker zur Folge. Auch Randbereiche von Markkleeberg und des dortigen Klärwerks sowie der Wildpark und dessen Nachbarbebauung könnten Schaden nehmen. "Dort würde ein Hochwasser der Weißen Elster bis zur Pleiße fließen", skizziert Bobbe. "Das würde die angrenzenden Häuser in Connewitz unter Wasser setzen."

Auch ein Deichbruch an der Westseite wäre gefährlich. Der Grund: Dort würden Teile von Großzschocher, Kleinzschocher, Schleußig und Plagwitz unter Wasser gesetzt. "Weil die Gefahrenlage so groß ist, hat die Stadt beim Juni-Hochwasser in diesem Deichabschnitt sogar einen Hubschrauber eingesetzt", so Bobbe.

Die LTV hat inzwischen an beiden Deichseiten Baustraßen angelegt, damit im Notfall sofort schwere Technik vor Ort gebracht werden kann. Seit vergangener Woche werden auch Stahl-Spundwände in den Deich gerammt - sie sollen als zusätzliche Dichtung dienen. Montag wird in Knauthain mit dem Einbau von 50 Zentimeter starken Dichtwänden aus Erdbeton begonnen; in der übernächsten Woche sollen im Abschnitt Großzschocher fünf große Erdfräsen den Einbau der Dichtwände beschleunigen. "Die Jahreszeit ist dafür nicht optimal", meint Bobbe. Die Betondichtungen könnten nur bis Temperaturen von minus fünf Grad Celsius eingebaut werden. "Wir gehen davon aus, dass wir bis Mitte Februar fertig sind. Dann verkraften Leipzigs Deiche auch wieder eine Welle wie im letzten Sommer."

Schuld daran, dass die Hochwasserschützer ihre Arbeiten erst jetzt durchführen, ist ein Veto aus dem Leipziger Rathaus. "Wir brauchen für unsere Arbeiten die Genehmigung der Naturschutzbehörde", sagt Bobbe. "An der Mulde, an der Elbe und im Landkreis Leipzig haben wir diese Genehmigung bekommen und sind seit August am Arbeiten." Aus Leipzig sei statt einer Genehmigung eine Schreiben mit einer Strafandrohung für den Fall eingegangen, dass die LTV sofort loslegt. "Eine Genehmigung liegt erst seit Ende Oktober vor. Da haben wir die Arbeiten sofort ausgeschrieben."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.11.2013

Andreas Tappert

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