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Leipzig in Blauschaf-Herde aufgenommen – 99 Tiere stehen bis Mittwoch auf der Thomaswiese

Leipzig in Blauschaf-Herde aufgenommen – 99 Tiere stehen bis Mittwoch auf der Thomaswiese

99 blaue Schafe weiden seit Dienstagmorgen auf der Thomaswiese in der Leipziger Innenstadt. Das städteverbindende und für Toleranz werbende Kunstprojekt ist noch bis Mittwochabend zu sehen, bevor es nach Dresden weiter zieht.

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Kunstaktion: Blaue Schafe auf der Leipziger Thomaswiese.

Quelle: Manuel Binternagel

Leipzig. Eines der Polyestertiere bleibt in Leipzig und erhält, wie in den anderen 98 Städten zuvor, Unterschlupf im Rathaus.

Was soll das, fragten sich viele und zückten trotz der Ratlosigkeit vorsorglich erstmal ihren Fotoapparat oder ließen ihre Kinder auf oder neben einem Exemplar vor der Wiese posieren. Der Mensch als Herdentier, Ernährungskritik oder einfach nur verrückte Kunst – Die Spannbreite von Deutungen von Leipziger Bürgern und Touristen war breit. Die eigentliche Botschaft des Künstlerpaars aus dem Rheinland jedoch ist ganz simpel, wenn einmal gehört.

„Auf den ersten Blick sehen alle Schafe unterschiedlich aus“, sagt der anwesende Künstler Rainer Bonk. „Irgendwann bemerkt man, dass das nicht stimmt und alle gleich sind. Die Erkenntnis wächst, dass die ganze Herde zählt. Jeder ist wichtig, egal welche Position er in der Gesellschaft hat“, so der 68-Jährige. Ein Gedanke, der die Toleranz der Menschen stärken und Frieden fördern soll. Auch wenn diese Erkenntnis offenbar nicht so eindeutig transportiert wird, wie es der Künstler gerne hätte.

Seine einprägsame Wirkung verfehlt das Projekt nicht. Was ihm gelingt ist Interesse für die Sache zu wecken, ins Gespräch zu kommen. „Wann immer jemand ein Schaf sieht, soll er diesen Friedensgedanken haben“, hofft Rainer Bonk. Das Motiv der Schafe und die Farbe blau sind in Anlehnung an die Jahrtausende alte, christliche Symbolik gewählt und stehen für das friedliche Miteinander.

In diesem Sinne sind er, seine Frau Bertamaria Reetz und weitere Mitstreiter bereits seit drei Jahren durch Deutschland und Europa gereist. Bis auf Hamburg und Dresden, wo die Herde am Wochenende aufschlägt, stationierte sie bereits in allen Hauptstädten der Republik, in der Regel für zwei Tage. Meistens gehen die Künstler auf die Städte zu, so auch im Fall von Leipzig. Die Messestadt hat Interesse daran, in die Friedensherde aufgenommen zu werden. Gemeinsam mit dem Künstlerpaar wurde die Thomaswiese vor der gleichnamigen Kirche als Weideplatz gewählt. „Es muss immer ein markanter Ort sein, der für die Stadt steht“, erklärt Rainer Bonk.

 

250 Städte sollen am Ende besucht worden sein. Letzte Station: Venedig, die Stadt in der alles anfing, 2009 auf einer internationalen Kunstausstellung. „Irgendwann bin ich zu alt für die Wanderschäferei“, sagt Bonk. In zweieinhalb Jahren könnte das Ziel erreicht sein, schätzt er. „Ich könnte mir vorstellen, dass die Schafe anschließend zu internationalen Friedenskonferenzen aufgestellt werden“, wünscht sich der einstige Schmuck-Designer.

Die Kommunen kostet die Teilnahme nichts. „Kunst muss sich selbst tragen“, sagt Bonk. Und das tue sie. Dabei hilft unter anderem der Verkauf der blauen Hingucker. 125 Euro kostet eines der acht Kilo schweren und 60 Zentimeter hohen Kunstobjekte. Bereits für 3,50 Euro gibt’s die daumengroße Version zur Erinnerung. Fotos sind sowieso erlaubt. Nur nicht unbedingt auf der grünen Wiese zwischen der Herde. „Das stört die Optik“, erklärt der Künstler und muss zwischendurch das ein oder andere Elternteil darauf hinweisen, sein Kind nicht auf die abgesperrte Fläche zu lassen.

Noch bis 20 Uhr grasen die Blauschafe am Dienstag. Über Nacht verschwindet die Installation. Mittwochmorgen, 10 Uhr, steht die Herde wieder und wird eine Stunde später von Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) besucht. Dieser nimmt eines davon schließlich mit ins Rathaus. Wo es die Erinnerung der Leipziger wach halten soll. Die Stadt ist von da an Mitglied der Blauschaf-Herde.

Katharina Schultz

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