Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Leipzig in Trümmern: Stadtgeschichtliches Museum zeigt verbotene Fotos aus Kriegsjahren
Leipzig Lokales Leipzig in Trümmern: Stadtgeschichtliches Museum zeigt verbotene Fotos aus Kriegsjahren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:57 28.03.2011
Anzeige
Leipzig

Für ihre Aufnahmen begaben sich die Fotografen häufig in Lebensgefahr. Sie nahmen nicht nur das Risiko in Kauf, von Trümmerteilen getroffen zu werden, sondern setzten sich auch über das Fotografierverbot während der Kriegszeit hinweg. „Zerstörte Häuser zu fotografieren, war nicht erwünscht und auch gesetzlich untersagt. Die Bilder waren deshalb eine Gratwanderung“, sagt Christoph Kaufmann, Kurator der Ausstellung.

Mehr als 1000 Bilder aus der Zeit von 1943 von 1945 befinden sich heute im Besitz des Museums. Die meisten Aufnahmen wurden in der Nachkriegszeit an die Einrichtung übergeben. Es sind vor allem Bilder von Berufsfotografen, die während der NS-Zeit illegal die Zerstörung ihrer Stadt dokumentierten. „Es gibt aber auch viele Bilder von Bürgern, die mehr oder weniger heimlich ihr Wohnumfeld fotografiert haben“, weiß Kaufmann. So ist auf einem der Fotos ein in Flammen stehendes Gebäude nach einem der Luftangriffe in der Nacht des 4. Dezember 1943 zu sehen. Ein anderes Foto zeigt den Bau des Bunkers am Richard-Wagner-Platz. „Diese Fotos hätte es eigentlich nicht geben dürfen“, betont Kaufmann.

[gallery:700-NR_LVZ_GALLERY_8333]

Welche Strafe den Fotografen gedroht hätte, wenn sie erwischt worden wären, weiß Kaufmann nicht. Ein Prozess wäre ihnen aber wohl sicher gewesen, schließlich brachen sie damit Propagandaregeln der Nationalsozialisten. Das NS-Regime setzte Fotos aufgrund ihrer Wirkung gezielt ein, um die Bevölkerung in die Irre zu führen. „Fotografien zerstörter Städte passten nicht in dieses Bild und durften nicht veröffentlicht werden“, erklärt Kaufmann.

„Bilder, die es nicht geben durfte“ heißt deshalb auch der Vortrag, bei dem der Kurator am Dienstag ab 17 Uhr eine Auswahl der Trümmerbilder im Stadtgeschichtlichen Museum zeigt. Die Veranstaltung ist Teil der Ausstellung „Leipzig. Fotografie seit 1839“, die derzeit in drei Leipziger Museen stattfindet, darunter auch im Bildermuseum und im Grassimuseum. Noch bis zum 15. Mai lassen dabei historische Aufnahmen aus Leipzig die Geschichte der Messestadt lebendig werden.

Robert Nößler

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Stadt Leipzig hat am Samstagabend ein Zeichen für den Klimaschutz gesetzt. Zwischen 20.30 Uhr und 21.30 Uhr knipste die Verwaltung die Beleuchtung bekannter Gebäude und Sehenswürdigkeiten aus, um an der weltweiten "Earth Hour" teilzunehmen.

17.01.2017

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Verurteilung der Drahtzieher eines Schneeballsystems, mit dem Arbeitslose abgezockt wurden, bestätigt. Sie seien der verbotenen progressiven Kundenwerbung schuldig, entschied der 5. Strafsenat in Leipzig in einem am Freitag veröffentlichten Beschluss.

17.07.2015

960 Müllsäcke stapelten sich vergangenes Jahr beim Frühjahrsputz, 500 Bürger beteiligten sich nach Auskunft des Ordnungsamtes daran. Auch dieses Jahr ruft die Stadt wieder dazu auf, mit anzupacken, damit „Leipzig ein Stück schöner wird“, wie Bürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) bei der Eröffnungsaktion am Freitagnachmittag an der Ecke Roßplatz/Wiilhelm-Leuschner-Platz sagte.

25.03.2011
Anzeige