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Lokales Leipzig könnte 1000 Studenten verlieren
Leipzig Lokales Leipzig könnte 1000 Studenten verlieren
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00:39 12.03.2018
HfTL Leipzig Pressebilder Hochschule für Telekommunikation Rometsch Quelle: HfTL
Leipzig

Durch die geplante Schließung der Hochschule für Telekommunikation Leipzig (HfTL) dürfte die Messestadt nahezu 1000 Studenten einbüßen. Wie berichtet, soll zwar an der benachbarten Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) zeitnah eine neue Stiftungsfakultät „Digitale Transformation“ entstehen. Diese wird aber nur eine Kapazität von etwa 500 Studierenden haben. Das geht aus Antworten von Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) auf parlamentarische Anfragen der Linken und Grünen hervor.

Zurzeit noch 1440 Studierende an HfTL

Gegenwärtig zählt die HfTL 1440 Studierende in direkten, dualen und berufsbegleitenden Studiengängen. Im Januar sprach der Deutsche Wissenschaftsrat jedoch ein vernichtendes Urteil über die Einrichtung in Trägerschaft der Deutschen Telekom aus. Sachsens Wissenschaftsministerium reagierte prompt und teilte mit, dass die HfTL ab Herbst 2018 keine neuen Studenten mehr aufnimmt.

Erstes Gespräch mit Tillich im April 2017

Das Aus für die Telekom-Hochschule war aber schon länger absehbar, geht nun aus den Antworten von Ministerin Stange hervor. Schon im April 2017 habe sich der damalige Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) mit Telekom-Vorstandschef Timotheus Höttges getroffen, um über das Thema Stiftungsfakultät zu sprechen. „Im Anschluss“, so Stange, folgten mehrere Gespräche zwischen Vertretern der Telekom, HTWK und ihrem Ministerium.

1,25 Millionen Euro Miete für Sitz in Connewitz

Im Oktober erwarb der Freistaat Sachsen das private Grundstück in Connewitz, auf dem die HfTL Räume mit 10 000 Quadratmetern Fläche nutzt. Miethöhe dort bisher: 1,25 Millionen Euro pro Jahr.

Zahl der Hochschul-Mitarbeiter sinkt deutlich

In einem gemeinsamen Memorandum der drei Gesprächspartner, das der LVZ vorliegt, heißt es zum Ablauf: „Die Telekom hat im Vertrauen auf das beschriebene gemeinsame Vorhaben auf die Ausübung der Verlängerungsoption des Mietvertrages verzichtet. Damit wird ab 2020 die HfTL keinen Hochschulbetrieb anbieten können. Die aktuell dort Studierenden wären bei planmäßigem Studium auch ausgeschieden.“ Für die 62 Lehrkräfte und sonstigen Mitarbeiter sei keine direkte Übernahme zur Stiftungsfakultät vorgesehen. Bei Interesse müssen sie sich dort neu bewerben. Die Stiftungsfakultät soll nur gut halb so viele, nämlich 32,5 Vollzeitstellen zählen. Finanziert werden sie zunächst bis zum Jahr 2031 komplett durch die Telekom, wird in einer Anlage zu dem Memorandum erwähnt. Die Räume stelle der Freistaat. Die HTWK strebe eine kostenlose Übernahme des Labor-Inventars sowie der anderen Technik der HfTL an. Geplant seien ein Bachelor- und ein Masterstudiengang in Informations- und Kommunikationstechnik sowie ein Bachelor in Telekommunikationsinformatik. Start des Studienbetriebes an der HTWK soll möglichst im Herbst 2018 sein.

HTWK braucht 11000 Quadratmeter zusätzliche Flächen

Die Telekom-Hochschule hatte ihre Studentenzahlen zuletzt offenbar schon selbst gesenkt. Laut dem Bericht des Wissenschaftsrats waren 2017 dort noch 1600 Kommilitonen eingeschrieben – darunter 146 in berufsbegleitender Ausbildung.

Wiener-Bau soll an Musikhochschule und HGB gehen

Die staatliche HTWK hingegen platzt aus allen Nähten. Sie hat einen zusätzlichen Raumbedarf am Campus Connewitz von 11 000 Quadratmetern angemeldet, um die Engpässe aufzulösen. Nach Angaben des Freistaates ist dort gegenwärtig aber kein weiterer Neubau geplant. Dennoch gibt es Überlegungen, die Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik an den Standort in Connewitz zu verlegen. Sie residiert heute im historischen Wiener-Bau an der Wächterstraße. Er soll künftig den beiden benachbarten Hochschulen für Grafik und Buchkunst (HGB) sowie Musik und Theater zur Verfügung stehen.

Von Jens Rometsch

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