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Leipzig könnte ein System für Mehrweg-Kaffeebecher bekommen

Antrag der Grünen Leipzig könnte ein System für Mehrweg-Kaffeebecher bekommen

Ein stadtweites Pfandsystem für Mehrweg-Kaffeebecher? Im Oktober wird im Stadtrat ein entsprechender Antrag der Grünen diskutiert. Allerdings hat die Stadt Leipzig kein Geld zur Finanzierung – helfen könnte ein Förderprojekt des Bundes.

Kaffee zum Mitnehmen ist beliebt, verursacht aber viel Müll. Das soll sich in Leipzig ändern. 
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  In Leipzig könnte es bald eine stadtweite Alternative zu Wegwerfbechern für Kaffee zum Mitnehmen geben. Anfang Oktober wird im Stadtrat ein Antrag der Grünen dazu diskutiert. „Wir wollen in Leipzig ein Mehrwegbecher-Pfandsystem einführen, wie es schon in vielen anderen Städten existiert“, sagt Norman Volger, Fraktionsvorsitzender der Leipziger Grünen. Schon seit drei Jahren befassen sich die Grünen mit dem Thema. 

Ganz einfach wird es aber nicht werden: „Die Stadt hat kein Geld, um ein solches System zu finanzieren, doch es gibt die Möglichkeit, sich auf ein Förderprojekt des Bundes zu bewerben. Hierfür müssten wir ein innovatives Modellprojekt entwickeln“, erklärt Robert Simmank vom Dezernat für Umwelt, Ordnung und Sport in Leipzig. Das erfordert Kreativität, denn ein Pfandsystem für Kaffeebecher, wie es bereits in Städten wie Freiburg existiert, ist nicht mehr innovativ.

Den Leipziger Grünen schwebt momentan folgende Idee vor, erklärt Volger: Wer möchte, kauft für einen geringen Betrag einen Deckel für einen Kaffeebecher zum Mitnehmen. Zeigt er den Deckel in einem teilnehmenden Geschäft vor, bekommt er den Kaffee in einem Mehrwegbecher. Den kann er in jedem Laden wieder abgeben, der bei der Aktion mitmacht.

Drei Milliarden Pappbecher jährlich

Handlungsbedarf bestünde auf jeden Fall: Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe werden in Deutschland stündlich 320.000 Coffee-to-go-Becher verbraucht. Das bedeutet, dass pro Jahr fast drei Milliarden Pappbecher in öffentlichen Mülleimern landen. „Die Einwegbecher überlasten die Abfallkörbe und belasten in Leipzig die allgemeinen Abfallgebühren, da die Entsorgung über die Straßenreinigungs– oder Abfallbeiträge von allen bezahlt werden muss“, schreiben die Leipziger Grünen auf ihrer Website.

Freiburg hat schon seit fast einem Jahr ein Mehrwegsystem für Kaffee zum Mitnehmen. Ende November 2016 kam der FreiburgCup auf den Markt – mit Erfolg. Am Anfang waren 14 Cafés und Bäckereien aus der Freiburger Innenstadt dabei, jetzt sind es schon 92. Wer einen Becher bei einem der teilnehmenden Partner erwirbt, zahlt einen Euro Pfand. Den bekommt er zurück, wenn er den Becher in einem mitwirkenden Geschäft zurückgibt. Der FreiburgCup besteht aus recyclingfähigem Kunststoff und wird in Süddeutschland hergestellt.

Einzig der Deckel ist nicht umweltfreundlich: „Aus hygienischen Gründen haben wir uns für einen Einwegdeckel aus Plastik entschieden“, sagt Dieter Bootz von der Freiburger Abfallwirtschaft. Ein Vertreter der Lebensmittelüberwachung habe darauf hingewiesen, dass am Deckel Milchreste kleben bleiben könnten, die auch in der Spülmaschine nicht restlos beseitigt werden könnten. Auch in Dresden lief bis Ende August eine Umfrage unter Gastronomen zum Thema, die momentan noch ausgewertet wird. „Die Stadt Dresden will die Benutzung von Mehrwegbechern stärken und Einwegbecher zurückdrängen“, heißt es von der Stadt.

Die Grünen sind optimistisch

In der Messestadt gibt es bislang nur private Initiativen. In einigen Filialen der Leipziger Bäckerei-Kette Wendl zum Beispiel können Kunden seit drei Monaten für 7,99 Euro einen Wendl-Porzellanbecher kaufen. Wer den in einer Wendl-Filiale auffüllen lässt, bekommt auf seinen Kaffee dann zehn Prozent Rabatt. „Wir tun was kleines Gutes, das ist uns wichtig“, sagt Geschäftsführer Udo Wendl. Von den 900 bestellten Bechern seien mittlerweile etwa 700 verkauft worden.

Bis in Leipzig tatsächlich ein stadtweites Pfandsystem eingeführt wird, dauert es aber wohl noch eine Weile. Volger sagt: „Das kann sich bis 2019 hinziehen.“ Die Bewerbungsfrist für das Förderprojekt des Bundes laufe noch bis April 2018. Jetzt müsse man den Stadtrat im Oktober abwarten. Der Grüne ist aber optimistisch. Die Stadtverwaltung stehe der Sache nicht negativ gegenüber.

Von Sophie Aschenbrenner

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