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Lokales Leipzig könnten Einbußen durch Zensus drohen: Statistikamts-Chefin Ruth Schmidt im Interview
Leipzig Lokales Leipzig könnten Einbußen durch Zensus drohen: Statistikamts-Chefin Ruth Schmidt im Interview
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16:13 31.05.2013
Ruth Schmidt, Leiterin des Leipziger Amtes für Statistik und Wahlen. Quelle: Andreas Döring
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Leipzig

Die Messestadt wird von Dresden und Hannover überholt, rutscht vom 11. auf den 13. Platz unter Deutschlands Metropolen ab, bleibt aber noch knapp über der Grenze von 500.000. Ruth Schmidt, Leiterin des Amtes für Statistik und Wahlen, erklärt im Interview mit LVZ-Online, woher die unerwartet große Differenz kommt und welche Folgen das für Leipzig haben könnte.

Frage:

Frau Schmidt, sind Sie überrascht von den Zensus-Zahlen?

Ruth Schmidt: Über 21.000 Einwohner weniger – das ist schon eine beachtliche Zahl. Wir wussten bereits, dass es eine gewisse Differenz zwischen der Einwohnerzahl aus unserem Melderegister und der amtlichen Zahl des Statistischen Landesamtes gibt. Die Abweichung in dieser Größenordnung, auch im Vergleich zu Dresden (rund 12.000 Einwohner weniger, Anm. d. Red.), lag zwar im Bereich des Möglichen aber nicht des Erhofften.

Wie erklären Sie sich die Differenz zwischen dem Zensus und Ihrer Statistik?

Es gibt offenbar viele Karteileichen, wir nennen das Fehlbestände – also Personen, die in Leipzig gemeldet, aber nicht mehr wohnhaft sind. Die bisherige amtliche Statistik war eine fortgeschriebene Zahl auf Basis des zentralen Einwohnerregisters der DDR von 1990. Über die Ursache der Fehlbestände kann man nur Vermutungen anstellen. Beispielsweise können im Zusammenhang mit Umzügen, zum Beispiel durch nicht erfolgte Abmeldungen, auch bereits zur Wendezeit, Abweichungen entstanden sein, die in Leipzig besonders groß waren. Der Zensus stellt auch und nicht nur für Leipzig fest, dass die Zahl der hier lebenden Ausländer deutlich geringer ist, als gedacht.

Zensus 2011 - Fakten über Leipzig:

Die Zahlen des Zensus sind bereits gut zwei Jahre alt. Wie hat sich die Lage inzwischen verändert?

Leipzig ist in den letzten beiden Jahren durch Zuzüge stark gewachsen, viel stärker als andere, auch sächsische Städte. So ist beispielsweise allein im vergangenen Jahr die Einwohnerzahl Leipzigs um 4000 Personen mehr als die Dresdner gewachsen. Wir sind also kräftig am Wiederaufholen. Schreibt man die Statistik fort, dürften wir momentan bei über 522.000 Einwohnern liegen.

Welche Auswirkungen könnte die starke Korrektur der Bevölkerungsstatistik für Leipzig haben?

Für die Zuweisung von Fördermitteln sind die Einwohnerzahlen ein wichtiger Schlüssel. Da könnte es Veränderungen geben. Ob und welche es konkret sind, müssen wir aber erst noch abwarten. Leipzig liegt mit vier Prozent Verlusten zumindest deutlich über dem Landesdurchschnitt. Auf Wahlkreiseinteilungen wird sich die Korrektur nicht auswirken. Dafür ist die Abweichung nicht groß genug. Stattdessen könnten es in Zukunft sowohl in Leipzig als auch in Dresden eher mehr Wahlkreise werden – wenn das Wachstum der Großstädte weiter anhält.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Interview: Robert Nößler

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