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Leipzig künftig stärker von Altersarmut betroffen – Altenhilfeplan 2012 vorgestellt

Leipzig künftig stärker von Altersarmut betroffen – Altenhilfeplan 2012 vorgestellt

Wachsende Altersarmut und steigende Kosten für Förderprogramme und Pflege sind Kernpunkte des dritten Altenhilfeplans der Stadt Leipzig, den Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) am Freitag vorgestellt hat.

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Quelle: dpa

Leipzig. Der Plan enthält neben zahlreichen Maßnahmen erstmalig zehn Leitlinien, die künftig als roter Faden in der Seniorenpolitik dienen sollen.

Bis zum Jahr 2024 wird jeder dritte Leipziger über 60 Jahr alt sein, aktuell leben knapp 6000 Menschen in Altenpflegeeinrichtungen in der Messestadt – Tendenz steigend. Insbesondere nimmt durch medizinische Fortschritte der Anteil älterer Menschen mit Behinderung zu, und der Anteil hochbetagter Männer steigt, da die Kriegsverluste sich nicht mehr in der Statistik bemerkbar machen. Auch der Anteil älterer Menschen mit Migrationshintergrund, die nicht mehr in ihr Ursprungsland zurückkehren, sowie der Anteil kinderloser Senioren wird weiter zunehmen.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen des 120-Seiten starken Dokuments basieren im Wesentlichen auf seinem Vorgänger von 2003. Zudem wurden 28 neue Maßnahmen entwickelt. Kernpunkte sind die Entwicklung fachlicher Standards, um die finanzielle Förderung von Vereinen, Bildungsangeboten sowie Begegnungsstätten besser zuweisen zu können. Beratungsangebote sollen künftig stärker vernetzt werden. Dazu startet im März das Modellprojekt Seniorenbüro in Grünau, das bei Erfolg auf die ganze Stadt ausgeweitet werden soll. Zudem wird die Verwaltung nach dem großen Zuspruch im vergangenen Jahr eine jährliche Seniorenkonferenz ausrichten. Die nächste Veranstaltung ist für November geplant. „Und wir möchten Ältere beim Übergang in den Ruhestand vermehrt unterstützen“, berichtete die Leiterin des städtischen Sozialamtes, Martina Kador-Probst. Man müsse verhindern, dass diese ohne ihre Arbeit in ein emotionales Loch fallen, und stattdessen ihr Potenzial für die Gesellschaft stärker nutzen.

Viele Renten durch Arbeitslosigkeit in den 90er Jahren beeinträchtigt

Ein sehr wichtiger Aspekt sei, der Altersarmut entgegenzuwirken, so Sozialbürgermeister Fabian. „Ich befürchte, dass Leipzig davon stärker betroffen sein wird, denn durch die vermehrte Arbeitslosigkeit in den 90er Jahren sind viele Renten beeinträchtigt.“ Dabei sieht er auch auf die Messestadt wachsende Kosten zukommen. Bereits in der Ausgabenauflistung 2010 waren Grundsicherung und Hilfe zur Pflege mit jeweils 15,5 Millionen und 8,3 Millionen Euro die größten Posten, wie der neue Altenhilfeplan offenbart. „Doch damit ist es nicht getan“, sagte Thomas Fabian. „Selbst wenn der Bund in den kommenden Jahren die Grundsicherung übernimmt, werden wir mehr in Förderangebote investieren müssen, wenn wir unsere gesetzten Ziele erreichen wollen.“

2010 gab die Stadt 28,3 Millionen Euro für ältere Bürger aus. Am stärksten ist sie im sogenannten offenen Bereich der Altenhilfe als Leistungsträger eingebunden, unterstützt Beratungsstellen und Bildungsangebote sowie Vereine und Begegnungsstätten. Die Bereiche ambulanter, teilstationärer und stationärer Pflege und Betreuung fallen überwiegend freien und privaten Trägern sowie Verbänden zu.

Schätzungen, wie hoch der finanzielle Mehraufwand für die Stadt in den kommenden Jahren sein wird, gibt es bislang noch nicht, aber Fabian erwartet einen linearen Anstieg – auch in der Pflege. „Auch deshalb sind die hier geplanten Maßnahmen zur Förderung von Gesundheit, geistiger und körperlicher Fitness, aber auch sozialer Einbindung so wichtig. Damit die älteren Menschen so lange wie möglich ohne Pflege auskommen“, sagte er.

Zehn Leitlinien sollen künftig als roter Faden in der Seniorenpolitik dienen

Erstmals wurden im Altenhilfeplan zehn seniorenpolitische Leitlinien formuliert, die über die Maßnahmen hinausgehen sollen. „Damit wollen wir der Seniorenpolitik neuen Schwung geben“, sagte Fabian. Ziel ist, die Selbstbestimmung und Selbstständigkeit von Senioren zu unterstützen und gleichzeitig die Einbindung in Politik und Gesellschaft zu erhalten. Im Einzelnen sollen etwa Gesundheits- und Präventionsprogramme sowie Sport- und Kulturangebote gefördert werden. Ein weiterer Eckpunkt ist die Weiterentwicklung von altersgerechtem Wohnen und der barrierefreien Gestaltung der Stadt.

„Der Punkt generationsübergreifende Projekte liegt mir persönlich sehr am Herzen“, sagte Thomas Fabian. Den gelte es weiter auszubauen. Bereits 70 Kitas in Leipzig würden mindestens einmal pro Jahr mit Altenpflegeeinrichtungen zusammenarbeiten, viele davon unterhielten längerfristige Gemeinschaftsprojekte.

In puncto Pflegekräftemangel sieht die Stadtverwaltung geringe Einflussmöglichkeiten. „Da können wir leider wenig tun“, gestand Martina Kador-Probst. Auf Bundesebene seien bereits Anreize für die Ergreifung eines Pflegeberufes geschaffen worden. „Wir sind mit Trägern betroffener Einrichtungen ständig im Gespräch und versuchen zu unterstützen“, sagte die Sozialamtsleiterin weiter. „Auch im Kampf um die Fachkräfte wollen wir uns mit unseren Konzepten, Leipzig als Wohn- und Arbeitsplatz für junge Menschen noch attraktiver zu machen, deshalb möglichst gut positionieren.“

In den kommenden Wochen beraten der Fachausschuss Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule sowie der Seniorenbeirat den dritten Altenhilfeplan. Im März soll er in der Ratsversammlung beschlossen werden.

Franziska Seifert

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