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Lokales Leipzig lässt sich Wirtschaftsförderung was kosten
Leipzig Lokales Leipzig lässt sich Wirtschaftsförderung was kosten
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00:18 13.04.2017
UlrichHörning Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Leipzig, Hypezig, Boomtown: Der Aufschwung hat viele Namen. Dass die Wirtschaft brummt und so viele Menschen wie lange nicht in Leipzig einen Job haben, kam jedoch nicht von allein. Eine Schlüsselrolle bei der Ansiedlung neuer und der Pflege bestehender Unternehmen spielt im Rathaus traditionell der Wirtschaftsförderer. Die Amtsleiterstelle gehört nach LVZ-Informationen zu den am höchsten dotierten innerhalb der Stadtverwaltung. Ab Oktober soll sie neu besetzt werden, da Amtsinhaber Michael Schimansky dann in Rente geht (die LVZ berichtete).

140 000 Euro lässt sich die Stadt den Schlüsselposten dann im Jahr kosten, darin eingeschlossen sind Gehalt und Arbeitgeberbeiträge. Diese Summe bestätigte Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning (SPD) jetzt gegenüber der LVZ. „Die Stelle des Amtsleiters Wirtschaftsförderung im Dezernat Arbeit und Wirtschaft unterliegt einer durch den Stadtrat beschlossenen außertariflichen Vergütung der Besoldungsgruppe B 2 (Beamte) beziehungsweise AT 2 (tariflich Beschäftigte)“, ließ er mitteilen. Den Beschluss zur Festlegung einer außertariflichen Vergütung habe der Stadtrat bereits 2007 in einer nicht öffentlichen Sitzung gefasst.

Die reguläre Beamtenbesoldungsgruppe B 2 sieht aktuell bereits ein Gehalt von 7066 Euro monatlich vor. In diese Gruppe „Höherer Dienst“ sind derzeit lediglich drei Beamte im Rathaus eingestuft. Mehr verdienen nur noch die sieben Bürgermeister und der Oberbürgermeister. Zum Vergleich: Ein Bürgermeister in der Gruppe B 7 kommt monatlich auf 9350 Euro. Mit der außertariflichen Zulage erreicht der neue Wirtschaftsförderer ähnlich hohe Monatsbezüge.

Wie berichtet, will sich Verwaltungsbürgermeister Hörning zur Neubesetzung der Stelle erstmals eines externen Personalberatungsunternehmens bedienen. 45 000 Euro plant die Kommune für den Headhunter ein. Dem Vernehmen nach stößt das Vorhaben jedoch auf Widerstand im Stadtrat. Eine Abstimmung im nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss darüber kam bislang jedenfalls nicht zustande, soll jetzt in die Ratsversammlung verwiesen werden. Wie üblich will die Stadt die Stelle öffentlich ausschreiben. Die Rolle des Headhunters beschreibt Hörning so: „Die Aufgaben des Personalberatungsunternehmen konzentrieren sich auf die Direktansprache möglicher Kandidaten als auch die Unterstützung der Stadtverwaltung Leipzig bei der Bewertung und Einschätzung ausgewählter Bewerber nach Eignung, Leistung und Befähigung.“

In der Branche ließ das Salär manchen aufhorchen. Frank Niemetz von der Leipziger SCN Personalberatung ist seit 26 Jahren im Geschäft. Er bezeichnete die Summe als „vollkommen überzogen“. Sie stehe „in keiner Relation zu aktuellen Marktbedingungen“. In den meisten Fällen bewege sich das Honorar bei maximal „15 Prozent des Jahresbrutto oder 10 000 Euro Festhonorar für Fach- und Führungskräfte“. Christoph Nehring, Geschäftsführer der Hanseatischen Personalkontor GmbH in Hamburg, sieht das ähnlich. „45 000 Euro Beratungshonorar zur Besetzung der Stelle ist unüblich hoch, eher doppelt so hoch.“

Mit einem Änderungsantrag will die CDU-Fraktion nun zum üblichen Stellenbesetzungsverfahren zurückkehren: Eine Auswahlkommission, der Vertreter aller Ratsfraktionen angehören, soll aus den Bewerbungen geeignete Kandidaten dem Stadtrat vorschlagen. Erst wenn es zu wenig qualifizierte Bewerber gibt, solle ein Headhunter engagiert werden.

Von Klaus Staeubert

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