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Leipzig legt "alles auf den Tisch" beim Krisengipfel zum Freiheits- und Einheitsdenkmal

Leipzig legt "alles auf den Tisch" beim Krisengipfel zum Freiheits- und Einheitsdenkmal

Krisengespräch im Neuen Rathaus: Die Stadt Leipzig hat den Vertretern von Bund und Land einen Vorschlag unterbereitet, wie es mit dem ins Stocken geratenen Verfahren für eine Freiheits- und Einheitsdenkmal weitergehen könnte.

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Umstritten in Leipzig: Die Errichtung eines Freiheits- und Einheitsdenkmals auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz.

Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig. „Zwischen Beendigung und Fortführung des Wettbewerbes ist alles auf den Tisch gekommen“, sagte der Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) am Freitag.

In einer „konstruktiven Atmosphäre“ hätten alle Seiten die Lage erörtert. Zu Details äußerte sich das Stadtoberhaupt allerdings nicht. Zunächst müssten Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) in Berlin und CDU-Ministerpräsident Stanislaw Tillich durch ihre Abgesandten in der Arbeitsgruppe informiert werden. Er rechne fest damit, dass der Abklärungsprozess in zwei, drei Wochen beendet sein werde, so Jung weiter. Danach soll der Stadtrat einen mit Land und Bund abgestimmten Vorschlag auf den Tisch bekommen.

Das Stadtoberhaupt hatte nach Monaten des Streits über die prämierten Denkmalentwürfe vor wenigen Tagen angekündigt, mit den Geldgebern des Projekts auch über eine Beendigung des laufenden Wettbewerbs und einen neuen Ausscheid sprechen zu wollen. Der Bund zahlt fünf Millionen Euro für das Denkmal, das Land schießt 1,5 Millionen Euro zu. Der Stadtrat hatte als Standort den Wilhelm-Leuschner-Platz festgelegt.

 

Jung bekräftigte am Freitag seinen Willen, die Leipziger in der Frage nach einem angemessenen, würdigen Gedenken „mitnehmen“ zu wollen. Wie genaus das aussehen soll, ist offen. Der OBM betonte aber: Man könne kein Denkmal über die Köpfe der Menschen hinweg installieren.

Stadt muss mit Schadensersatzforderungen rechnen

 

Das Denkmal ist jetzt schon ein Fall für die Justiz. Die Architektengruppe des zunächst erstplazierten Entwurfs „70.000“ war vors Oberlandesgericht gezogen, um ihre Idee zu retten. Zuvor hatte ein Begutachtergremium, nicht identisch mit der Preisjury, den ursprünglichen Siegerentwurf in einer weiteren Wettbewerbsphase auf Rang drei zurückgestuft. Doch auch der neue Favorit „Herbstgarten“ missfällt vielen. Im vergangenen Jahr hatte Jung darauf hingewiesen, dass auf die Stadt Schadensersatzansprüche von mindestens einer halben Million Euro zukommen könnten, sollte der Wettbewerb scheitern.

Plauen statt Leipzig?

Am Donnerstagabend war das Freiheits- und Einheitsdenkmal bereitsThema beim LVZ-Wahlforum. Axel Dyck, SPD-Fraktionsführer im Stadtrat erklärte mit Bedauern, dass er das Verfahren als gescheitert ansehe. „Eine Unmenge Fehler wurden gemacht“, sagte er. Er appellierte, den „großen Bogen“ nicht aus den Augen zu verlieren. Es gehe nicht nur um Leipzig, sondern um das Thema Freiheit generell. „Wir brauchen jetzt erst einmal Zeit zum Luftholen“, sagte er. Bei einem neuen Anlauf müsste dem Thema Akzeptanz mehr Zeit eingeräumt werden.

Reik Hesselbarth, Fraktionschef der FPD, zeigte sich „enttäuscht, dass wir nicht weiterkommen mit dem Freiheits- und Einheitsdenkmal“. Skadi Jennicke (Die Linke) favorisierte einen Bürgerentscheid. „Ich frage mich, warum man so viel Angst in Leipzig davor hat“, sagte sie. Katharina Krefft von den Grünen forderte, Erinnerung nicht nur museal zu bewahren, sondern durch Bildung zu vermitteln. „Für diese Arbeit brauchen wir finanzielle Mittel.“

Robert Clemen (CDU) zeigte sich zuversichtlich, dass Bund und Land bei ihrer Finanzierungszusage für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal bleiben. „Die Frage ist nur, wo“, sagte er. „Plauen sagt: Wenn Leipzig das Denkmal nicht haben will, nehmen wir es gern. Es wäre blamabel, wenn Leipzig das nicht hinbekäme, Plauen oder andere es bekommen, und wir gucken in die Röhre.“

Dominic Welters / Evelyn ter Vehn

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