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"Leipzig leidet Notstand" - Öffentliche Toiletten sind in der Stadt rar

"Leipzig leidet Notstand" - Öffentliche Toiletten sind in der Stadt rar

Wohin, wenn es pressiert? Öffentliche Toiletten sind speziell im Zentrum rar gesät. Das beklagen Bewohner ebenso wie Besucher der Stadt. Anstatt für zusätzliche Bedürfnisanstalten zu sorgen, stößt die Kommune die bislang von öffentlicher Hand finanzierten Häuschen sogar ab.

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Dieter Oppermann wünscht sich im Stadtzentrum noch mehr öffentliche Toiletten.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Aus Kostengründen. Ins Gebüsch muss trotzdem niemand.

Egal, ob Leipziger nur mal kurz zum Einkaufen oder Bummeln in die Innenstadt kommen oder ob Ortsunkundige die Stadt entdecken wollen - früher oder später ist wohl jeder auf der Suche nach dem gewissen Örtchen. Wer die entsprechenden Hinweisschilder an den Zugängen zur City übersehen hat, kann rasch in die Bredoullie kommen. Dann heißt es Daumendrücken und Toi, toi, toi! auf der Suche nach einer Toilette. Öffentliche WC werden am Floßplatz, an der Jahnallee, der Breitkopfstraße, der Karl-Liebknecht-Straße sowie der Kurt-Eisner-Straße bereits privat betrieben. Für die Anlage an der Antonienstraße sucht die Stadt nach einem Investor. Die Firma JCDecaux betreibt im Stadtgebiet 19 Standorte.

Der Zufall hilft

"Leipzig leidet Notstand", beklagt dennoch Dieter Oppermann. "Die Begeisterung für unsere schöne Stadt stößt schnell an ihre Grenzen, wenn sich bei Besuchern ein nur allzu menschliches Bedürfnis einstellt. Im Zuge der Stadtplanung wurde offenbar vergessen, öffentlich zugängliche Toiletten einzurichten", moniert der über 70-Jährige. "Die einzige Toilette kenne ich im Petersbogen." Und selbst das sei eher Zufall, denn "ein Hinweisschild fehlt", sagt Oppermann.

Guter Rat in Sachen Wasserlassen ist nötig, wenn gar ein Reisebus seine Passagiere in die City entlässt. Je nachdem, wo sie eine Gruppe in Empfang nehme, sei die Situation durchaus schon mal "verheerend", räumt Birgit Scheffel ein. Seit 17 Jahren preist die Gästeführerin Leipzigs Schönheiten an. "An der Thomaskirche oder am Völkerschlachtdenkmal ist alles in Ordnung und sauber", sagt sie. Wer momentan noch auf dem Busbahnhof ankomme, könne ebenfalls bequem in den Promenaden seine Notdurft erledigen, ehe es auf Rundgang geht. "Hoffentlich wird an dieses Problem auch gedacht, wenn ein neuer Standort für den Busbahnhof eingerichtet wird", schaut die Gästeführerin bereits voraus.

Stadtplan mit Standorten

Einen Tipp von Ortskundigen erhoffen sich nahezu täglich Besucher der Tourist Information in der Katharinenstraße. Neben manch ganz privatem halten die Mitarbeiterinnen dort auch den offiziellen Tipp bereit. "Unser touristischer Faltplan, der in dreizehn Sprachversionen kostenlos erhältlich ist, und die spezielle Citykarte für Menschen mit Behinderung markieren alle Standorte öffentlicher Toiletten", so der Sprecher der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH, Andreas Schmidt. "Angesichts der enormen Dichte an Gaststätten in Leipzig sehe ich das Problem nicht so dramatisch", so Schmidt.

Bernhard Rothenberger, Wirt von Auerbachs Keller, sieht das dann schon anders. Natürlich freue er sich über die Attraktivität seines Wirtshauses. Doch das, was Rothenberger als "neue Entwicklung" tituliert, treibt dem Gastronomen immer häufiger die Zornesfalten auf die Stirn. "Ganze Schwärme von Besuchern, die nur das Klo aufsuchen wollen, kommen immer häufiger zu uns", sagt er. "Dass hin und wieder einer oder zwei Besucher davon Gebrauch machten, war nicht so tragisch." Doch dass ihn mittlerweile ganze Busladungen ereilen, das gehe ihm zu weit. Die Folge: Rothenberger zieht die Notbremse. "Mittlerweile beschäftigen wir einen Mitarbeiter, der sich um die Betreuung der Toiletten kümmert. Außerdem erheben wir eine Nutzungsgebühr von 50 Cent." Es bringe nichts, wenn die Stadt Häuschen aufstellt, um sie dann wieder zu entfernen, weil sie Vandalismus zum Opfer gefallen sind. "Wichtig sind betreute Anlaufstellen, etwa in öffentlichen Gebäuden", so Rothenberger.

Diese Entwicklung bestätigt auch Fabian Soldmann, Restaurantmanager von Burger King am Markt. "Es gab Tage beim Weihnachtsmarkt, da standen Leute, die nur zur Toilette wollten, bei uns Schlange, so dass unsere Kunden nicht mehr an den Tresen kamen." Weil auch bei ihm Toiletten-Tourismus überhand nehme, seien dort ebenfalls 50 Cent fällig. "Anders werde ich der Situation nicht mehr Herr, kann ich die Qualität dieser Örtlichkeit - übrigens auch einer Euro-Toilette - einfach nicht mehr garantieren", bedauert Soldmann, der auf eine Entspannung der Situation mit dem Bau des City-Tunnels hofft.

Und das nicht zu unrecht. Wie Jörg Bönisch, Sprecher der Deutschen Bahn AG, auf Anfrage bestätigt, werde am Tunnel-Eingang im Bereich des historischen Untergrundmessehauses wieder eine Toilettenanlage zu finden sein.

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.04.2013

Cornelia Lachmann / Juliane Lange

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