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Leipzig lockert Vorschriften für Nahversorger

Neues Einzelhandel-Konzept Leipzig lockert Vorschriften für Nahversorger

Die Stadt Leipzig hat ein neues Einzelhandelskonzept erstellt. Demnach sinkt die Zahl der von der Kommune geschützten Handelszentren von 65 auf nur noch 42 zentrale Bereiche. Im übrigen Stadtgebiet sollen Lebensmittelhändler weitgehende Freiheit bei der Standortwahl erhalten.

Verkaufsoffener Sonntag gestern in Leipzig: Die Innenstadt bleibt das herausragende Handelszentrum. Doch auch in den Randlagen soll die Versorgung besser werden.

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. Weniger ist manchmal mehr. Das Leipziger Stadtplanungsamt hat jetzt den Entwurf für ein neues Zentren- und Einzelhandelskonzept vorgelegt, das Anfang 2017 durch die Ratsversammlung beschlossen werden könnte. Das fast
200-seitige Papier enthält viele Änderungen gegenüber dem letzten Konzept aus dem Jahr 2009. Zum Beispiel sinkt die Zahl der von der Kommune geschützten Handelszentren von gegenwärtig 65 auf nur noch 42 zentrale Versorgungsbereiche. „Das bedeutet aber keine reale Verschlechterung der Versorgungslage“, betont Abteilungsleiter Stefan Heinig. „Im Gegenteil wollen wir mehr Freiheiten in allen übrigen Lagen gewähren, um die Nahversorgung der Einwohner weiter zu verbessern.“ Hier die wichtigsten Neuerungen.

Leipzigs Einzelhandel konkurriert um einen gewaltigen Batzen Geld. 1,12 Millionen Einwohner mit einem jährlichen Einkaufspotenzial von knapp 5,8 Milliarden Euro leben im Einzugsgebiet der Messestadt. Weitere 580 Millionen Euro wandern von Touristen in die hiesigen Ladenkassen. Am wichtigsten ist die City als einziges A-Zentrum. Es soll laut dem neuen Stadtentwicklungsplan (Step) Zentren um das fünf Hektar große Areal des Wilhelm-Leuschner-Platzes erweitert werden. Neben dem Hauptbahnhof würde es damit also künftig zwei Teile geben, die über den City-Ring hinausragen. Bei den beiden B-Zentren (Allee-Center Grünau und Paunsdorf Center) ändert sich nichts.

Sinn auch aller bisherigen Zentrenkonzepte war es, eine möglichst wohnortnahe Versorgung der Leipziger zu erreichen, erläutert Heinig. Seit 2009 seien 83 Neuansiedlungen oder Erweiterungen in den Einkaufszentren oder speziell ausgewiesenen Nahversorgungslagen genehmigt worden. An zehn Stellen gaben indes Marktbetreiber ersatzlos auf. Während die Kaufkraft in Leipzig deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegt, erreiche der Besatz mit Handelsflächen einen Wert deutlich über dem deutschen Durchschnitt, heißt es im neuen Konzept weiter. Deshalb sei es richtig gewesen, dass das Baudezernat seit 2009 rund 50 Märkte an ungeeigneten Stellen (wie Gewerbegebieten) durch das Aufstellen von Bebauungsplänen oder Beratungen der Investoren verhindert habe. Vor allem Lidl habe dabei aber kaum eine juristische Auseinandersetzung gescheut, so Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos). Inzwischen gebe es eine klarere Gesetzeslage sowie gefestigte Rechtsprechung zu dem Thema. Auch das sei ins neue Zentren-Konzept eingeflossen.

Laut dem neuen Konzept soll es noch sieben Stadtteilzentren der Kategorie C sowie 29 Nahversorgungszentren der Kategorie D in Leipzig geben. Die bisher existierende, fünfte Kategorie fällt weg. Lebensmittel-Märkte dürften demnach bald – unabhängig von der Verkaufsflächengröße – an viel mehr Stellen im Stadtgebiet errichtet werden. Bedingungen dafür wären lediglich, dass der Standort gut an Wohngebiete und öffentlichen Nahverkehr („integrierte Lagen“) angebunden ist und nicht innerhalb eines geschützten 500-Meter-Radius um die 42 zentralen Versorgungsbereiche liegt. In Ortsteilen mit „niedriger Wohngebietsdichte“ wie beispielsweise Knauthain, Großzschocher, Lindenthal, Thekla, Mölkau oder Probstheida beträgt der Schutz-Radius 800 Meter. Kleinstmärkte, wie nach dem Konzept des „Leipziger Ladens“, sind überall erlaubt. Gegenwärtig könnten 85 Prozent der Einwohner einen Lebensmittelmarkt innerhalb von fünf Minuten zu Fuß erreichen, rechnet Heinig vor. Ziel sei, das Nahversorgungsnetz noch dichter zu knüpfen.

Einen Schutzradius will die Kommune auch um drei neue Standorte für Einkaufszentren ziehen. Diese „perspektivischen D-Zentren“ befinden sich im Nordbereich der Gorkistraße (wo unlängst ein architektonisch höchst gelungener Rewe öffnete), in der Riebeckstraße (wenige Schritte südlich der Kreuzung zur Oststraße, wo in Kürze ein alter Rewe-Markt abgerissen werden soll) und in der Bernhard-Göring-Straße (neben dem sowie schräg gegenüber vom Amtsgericht, wo schon ein Netto-Markt existiert). Für alle drei Standorte gebe es weit gereifte Pläne von verschiedenen Investoren, so Stadtplanerin Stefanie Komm. „Auch steigt der Bedarf durch das starke Einwohnerwachstum.“

Erstmals schreibt das aktuelle Konzept neun historische Einkaufsmagistralen, die teilweise bereits über C- und D-Zentren verfügen, als „räumliche Handlungsschwerpunkte“ für die nächsten fünf bis zehn Jahre fest. Dort wolle sich die Kommune bei Handelsthemen „im Zweifel sehr flexibel“ zeigen, um die Belebung der Ladenzonen zu unterstützen, so Komm.

Von Jens Rometsch

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