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Lokales Leipzig muss sparen: Gutachten zeigt Möglichkeiten für Oper, Gewandhaus und Theater
Leipzig Lokales Leipzig muss sparen: Gutachten zeigt Möglichkeiten für Oper, Gewandhaus und Theater
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13:11 02.11.2011
Gewandhaus (Foto), Oper, Schauspiel und Theater der jungen Welt müssen mit Strukturveränderungen rechnen. Quelle: Volkmar Heinz
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Leipzig

Offenbar können nur radikale Einschnitte in den Kulturbetrieb die Entwicklung aufhalten. Das legt ein Gutachten der Beraterfirma Actori aus München nahe. Mit zwei Szenarien, in deren Mittelpunkt das Angebot der Musikalischen Komödie steht, lassen sich sechs bis zehn Millionen Euro sparen. Jung betonte, für Wertungen sei es zu früh. Er wolle die Leipziger per Bürgerforum an der Diskussion beteiligen.

Gemeinsam mit Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) stellte Actori-Projektleiter Martin Dehli am Mittwoch in Leipzig zwölf Entwicklungs-Szenarien für die Kulturbetriebe vor.

Mit einer Schließung der Spielstätte in Lindenau könnten laut Expertise rund sechs Millionen Euro gespart werden. Dieses Szenario geht davon aus, das etwa 30 Operetten- und Musical-Vorstellungen künftig in der Oper am Augustusplatz gespielt werden. "Allerdings kann Actori nicht einschätzen, welchen Stellenwert die Musikalische Komödie für die Entwicklung des Stadtteils Lindenau hat", sagte Martin Dehli. Diese Fragen seien kulturpolitischer Art, könnten auch nur hier in Leipzig beantwortet werden.

Noch weiter geht ein Szenario, das die komplette Schließung der Sparte Operette und Musical sowie der MuKo als Spielort annimmt. 10,3 Millionen Euro könnten auf diese Weise eingespart werden. Doch das Gutachten verhehlt nicht, dass damit die Vielfalt des kulturellen Angebots Leipzigs deutlich verlieren würde.

Als ebenfalls heftigen Einschnitt in die künstlerische Struktur der Stadt wertete Actori das Szenario, Leipzigs Ballett zu schließen. 6,3 Millionen Euro Kosten fielen weg. Damit wäre aber eine Sparte betroffen, die sich aktuell einer äußerst hohen Anerkennung des Leipziger Publikums erfreut, hieß es weiter.

"Ohne Schere im Kopf", so Oberbürgermeister Jung, hätte das Kulturberatungsunternehmen die wirtschaftliche Gesamtsituation der Eigenbetriebe analysieren und Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen sollen. Die Untersuchung geht davon aus, dass die städtischen Zuschüsse für die Eigenbetriebe von etwa 70 Millionen Euro gleich bleiben. Durch Inflation und Tarifsteigerungen würde die genannte Deckungslücke von 5,7 Millionen Euro entstehen.

Das Gutachten zeige aber auch, so Jung, dass die großen Kulturhäuser besser aufgestellt seien, als ihr Ruf glauben mache. "Alle haben ganz intensiv daran gearbeitet, für die Zukunft gewappnet zu sein", sagte der Oberbürgermeister. So ergab die Analyse, dass eine Fusion der Leitung und Verwaltung von Oper und Gewandhaus lediglich 1,3 Millionen Euro sparen würde. Kosten ließen sich vor allem durch gemeinsame Werkstätten der Theater und ein gemeinsames Orchester erzielen, sagte Martin Dehli. Das sei in Leipzig schon umgesetzt.

So spielt das Gewandhausorchester bisher auch bei den Opernaufführungen am Augustusplatz. Keine Option für die Zukunft sei die Trennung des Gewandhausorchesters in ein Opern- und ein Konzertorchester. Durch die Gründung eines eigenen Opernorchesters entstünden trotz Stellenstreichungen auf der anderen Seite des Augustusplatzes Mehrkosten.

Mit den Ergebnissen der Expertise, die auch Optimierungsmaßnahmen z.B. im Marketing und bei der Preispolitik sowie pauschale Kürzungen der künstlerischen Budgets - mit allen negativen Auswirkungen auf die Stadt - in Betracht gezogen hat, will der Oberbürgermeister jetzt "in eine Phase der Anhörung" gehen. Das Bürgerforum sei für Dezember geplant, außerdem werden die politischen Gremien in die Diskussion einbezogen.

Im ersten Quartal 2012 soll sich der Stadtrat mit einer Vorlage zur Entwicklung der kulturellen Eigenbetriebe der Stadt auseinandersetzen.

Evelyn ter Vehn

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