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Leipzig plant großen Abschied von Kurt Masur - Stadt will Straße umbenennen

Kondolenzbuch liegt aus Leipzig plant großen Abschied von Kurt Masur - Stadt will Straße umbenennen

Leipzig verneigt sich vor Kurt Masur. Im Gewandhaus liegt ein Kondolenzbuch aus. Im Januar soll dann eine Trauerfeier in der Thomaskirche und die Beisetzung auf dem Südfriedhof folgen. Auch eine Straße soll nach Masur benannt werden.

 Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und Gewandhaus-Ehrendirigent Herbert Bloomstedt waren die Ersten, die sich in das Kondolenzbuch eingetragen haben.

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. Leipzig plant gemeinsam mit der Familie des am vergangenen Sonnabend verstorbenen Kurt Masur eine große Trauerfeier. „Mitte Januar wird die Stadt Abschied nehmen“, sagte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) am Montag. Er trug sich am Morgen als Erster in ein Kondolenzbuch ein. Es liegt bis Silvester auf einem Schreibtisch im Foyer des Gewandhauses aus. Daneben stehen ein Porträt des Verstorbenen und ein Strauß weißer Lilien.

Jung telefonierte am Sonntag mit der Witwe des ehemaligen Gewandhauskapellmeisters. „Dabei wurde bekannt, dass Kurt Masur in Leipzig beigesetzt werden wollte“, so der Oberbürgermeister. Die Details sind noch unklar, die Hinterbliebenen wünschten sich über Weihnachten zunächst Ruhe. Am Mittwoch ist zunächst eine Trauerfeier in New York geplant, danach werde der Leichnam Masur eingeäschert, hieß es.

Voraussichtlich solle der Dirigent auf dem Künstlerfeld des Südfriedhofs seine letzte Ruhestätte finden. Dort wurden bereits Masurs Vorgänger Franz Konwitschny und Arthur Nikisch beigesetzt. Auch die Maler Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke haben dort ihre Gräber. Ein Extrabereich für Ehrenbürger der Stadt existiere nicht, hieß es vom Südfriedhof.

Die Stadt berät nun, wie sie Kurt Masur dauerhaft ehren kann. Oberbürgermeister Jung will vorschlagen, eine Straße oder einen Platz nach ihm zu benennen. An welcher Stelle ist noch unklar.

Zuvor sollen die Leipziger noch einmal Gelegenheit erhalten, Masur die letzte Ehre zu erweisen. Laut Oberbürgermeister Jung ist eine Trauerfeier in der Thomaskirche vorgesehen. „Dabei werden auch das Gewandhausorchester und der Thomanerchor eine Rolle spielen“, kündigte das Stadtoberhaupt an.

Das Kondolenzbuch für Kurt Masur liegt seit Montagmittag im Leipziger Gewandhaus aus.

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„In großem Respekt und außerordentlichem Dank, lieber Kurt Masur!“, schrieb Jung ins Kondolenzbuch. Der Oberbürgermeister hatte bis zuletzt regelmäßigen Kontakt zum Dirigenten. „Vor vier Monaten hat er mich noch einmal besucht“, berichtet Jung. Dem Dirigenten sei es da um die Ausrichtung des Bachfestes gegangen. Es solle internationaler werden und mehr Strahlkraft erhalten, forderte Masur.

Für Jung war der Musiker auch ein wichtiger Ratgeber. Bei bedeutenden Fragen der Stadtentwicklung rief er ihn an und wollte seine Meinung hören. „Das war bei der Zukunft des Marx-Reliefs an der Universität und auch dem Einheitsdenkmal der Fall“, so Jung. Eine Rückkehr der Bronzeplastik aus dem Jahr 1973 vor die Hochschule habe sich Masur nur schwer vorstellen können, auf keinen Fall unkommentiert. Sie hat inzwischen auf dem Sport-Campus an der Jahnallee einen neuen Platz gefunden. Die Vorschläge für das Einheitsdenkmal, so Jung, hätten dem Maestro allesamt nicht gefallen. „Er wollte ein großes Monument“, erinnert sich der Oberbürgermeister. Mit dem Standort am Wilhelm-Leuschner-Platz habe er dagegen keine Probleme gehabt.

Den Stift für den Eintrag ins Kondolenzbuch übernahm Masurs Nachfolger Herbert Blomstedt von Burkhard Jung. „In Verehrung und tiefer Dankbarkeit“, schrieb der 88-jährige Schwede auf die Seite.

Blomstedt: "Habe  Masur nie kennengelernt"

Er beneide Masur um seine enorme Kraft und Energie, so Blomstedt. Persönlich kennengelernt habe er seinen Vorgänger nicht. „Wir haben uns privat nie getroffen“, sagte er. Einmal sei er noch als Student Masur in Stockholm begegnet und später in San Francisco, wo er als Musikdirektor tätig war, so Blomstedt. Masur habe dort ein Gastspiel mit dem Gewandhausorchester gegeben. „Er stand in der Pause auf dem Gang und studierte die Plakate an der Wand, da wollte ich nicht stören“, erinnert sich Blomstedt.

Trotz Trauer und Betroffenheit: Nicht nur Jung und Blomstedt haben am Montag Geschichten und Anekdoten über Kurt Masur parat. Frank-Michael Erben, heute erster Konzertmeister des Gewandhausorchesters, hat dem Maestro den Einstieg in seine Karriere als später international gefeierter Geiger zu verdanken. Masur habe ihn angerufen und zu einem Vorspiel eingeladen. „Da war ich 18 Jahre alt und Student am Konservatorium in Leipzig“, berichtet Erben. Der Musikstudent überzeugte und trat kurz darauf bei einem Konzert zur Messeeröffnung, mit Fernsehübertragung und der SED-Parteispitze in der ersten Reihe, auf. „Das war eine exponierte Sache“, so Erben heute.

Nach dem offiziellen Teil, bei dem sich weitere Vertreter des Gewandhauses und Persönlichkeiten der Stadt mit einem letzten Gruß verewigten, lag das Kondolenzbuch offen für alle Leipziger Bürger. Als Erster nutzte Waldemar Schieber die Möglichkeit zum persönlichen Abschied. Er war einst erster Hornist im Gewandhausorchester. „Kurt Masur war für uns ein hilfsbereiter Kollege“, so der ehemalige Blechbläser. Er habe sich auch um die privaten Belange seiner Musiker gekümmert. Schieber etwa habe durch Masurs Hilfe in der DDR eine Neubauwohnung erhalten.

Matthias Roth

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