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Lokales Leipzig plant wieder Baumfällungen im geschützten Auwald
Leipzig Lokales Leipzig plant wieder Baumfällungen im geschützten Auwald
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22:04 11.07.2018
Idylle pur im Auwald: Mit Fotos wie diesem werben Gegner der geplanten Fällaktion um Verbündete. Quelle: Johannes E. Hansmann
Leipzig

Über dem Auwald braut sich ein Sturm zusammen: Weil die Stadt angekündigt hat, dass sie im nächsten Winter erneut im großen Stil Baumfällungen vornehmen will, regt sich Widerstand. Um eine breite öffentliche Diskussion über den Umgang mit dem Wald in Gang zu bringen, veranstalten Kritiker demnächst ein Internationales Leipziger Auenökologiesymposium, das vom 12. bis 14. September in der Alten Handelsbörse stattfinden wird. Eingeladen wurden dazu überregional anerkannte Spezialisten aus Deutschland, Österreich und Portugal. Im Neuen Rathaus hat Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke) angewiesen, dass keine Mitarbeiter an dem Symposium teilnehmen dürfen.

Nukla-Verein sorgt sich um Charakter des Waldes

Der Streit dreht sich darum, wie der Auwald künftig aussehen soll. Kritiker der Stadt vertreten die Auffassung, dass die von der Abteilung Stadtforsten des Rathauses vorangetriebene Umgestaltung den Charakter des Auwaldes unzulässig stark verändert. Die seit mehreren Jahren stattfindenden forstwirtschaftlichen Eingriffe würden vor allem zur Ausbreitung von Brombeere, Holunder und Ahorn führen, heißt es. Diese schnell wachsenden Arten würden neue Setzlinge überwuchern und erdrücken. Auch die durch die starken Fällungen verursachten Lichtungen würden zur Vernichtung des in Teilen noch bestehenden alten auwaldtypischen Baumbestandes führen. Deshalb spreche das Rathaus auch zunehmend vom Leipziger Stadtwald und nicht mehr vom Auwald, heißt es. Die Kritiker fordern jetzt ein Umsteuern: Statt forstlicher Bewirtschaftung müsse wieder der Naturschutz Priorität erhalten.

„Wir wollen mit dem Symposium ein Umdenken erreichen und in einem Schulterschluss mit der Politik eine öffentliche Diskussion anschieben“, sagt Wolfgang Stoiber, Vorsitzender des Vereins Naturschutz und Kunst Leipziger Auwald (Nukla), der das Fachsymposium organisiert. „Die Debatte soll klären, welcher Umgang mit dem Wald in Zukunft für die Leipziger am besten ist. In Zeiten des Klimawandels ist jeder einzelne dicke gefällte Baum einer zu viel.“

Rathaus-Vertreter haben keine Zeit

Stoiber & Co. hatten deshalb zu dieser Veranstaltung unter anderem Leipzigs Umweltamtsleiterin Angelika Freifrau von Fritsch eingeladen, ebenso Rüdiger Dittmar, den Leiter des Amtes für Stadtgrün und Gewässer, sowie Umweltbürgermeister Rosenthal. Auch alle städtischen Mitarbeiter und wissenschaftlichen Begleiter des Projekts „Lebendige Luppe“, das nach Ansicht der Kritiker mehr Wasser in den Auwald bringen sollte, waren eingeplant. Außerdem wurde OBM Burkhard Jung (SPD) gebeten, auf dem Symposium ein Grußwort zu sprechen. „Er sollte deutlich machen, dass die Stadt tatsächlich den behutsamen Umgang mit dem Auwald will, von dem immer gesprochen wird“, so Stoiber. „Aber leider hat er keine Zeit und unsere Bitte an Umweltbürgermeister Rosenthal weitergeleitet, der auch keine Zeit hat.“

Auch vom Umweltamt und vom Amt für Stadtgrün und Gewässer wird niemand kommen. Stoiber hat das Protokoll einer Dienstberatung des Rosenthal-Dezernates vom 9. Mai 2018 erhalten, in dem zu lesen ist, dass der Umweltbürgermeister festgelegt hat, dass die Mitarbeiter seines Dezernates nicht am Auenökologiesymposium teilnehmen dürfen. Bestätigt ist das Papier mit einer Unterschrift von Umweltamtsleiterin von Fritsch.

Kritiker fühlt sich bestätigt

Im Neuen Rathaus wurde diese Entscheidung am Mittwoch bestätigt. Es werde „keine dienstliche Teilnahme für notwendig erachtet“, hieß es. Auch Referenten würden nicht gestellt.

Stoiber fühlt sich jetzt in seiner Vermutung bestätigt, dass die Kommune keinen Auwald wolle, sondern einen normalen Forstwirtschaftswald. „Sie wollen auch nicht, dass die Bürger in dieser Frage mitdiskutieren. Stattdessen sollen die Entscheidung darüber weiter einem ausgewählten Kreis überlassen werden, zu dem leider andere Naturschutzverbände gehören.“ Stoibers Nukla-Verein ist Mitglied des anerkannten Naturschutzverbandes Grüne Liga Sachsen. Dort ist der Markkleeberger auch Mitglied im Landessprecherrat. „Unser Auwald braucht keine Forstwirtschaftspläne, sondern Naturschutzkonzepte“, fordert er.

Zur Überraschung vieler Vertreter der Stadtverwaltung findet ihr unbequemer Kritiker immer mehr prominente Unterstützer. Im Programm des Symposiums heißt es, dass statt Oberbürgermeister Jung jetzt Hartmut Bunsen, Präsident des Sächsischen Unternehmerverbandes, das Grußwort halten wird. Auch Professor Friedrich Schiemer von der Unversität Wien will in Leipzig über „Wissenschaft und die politische Landschaft der Revitalisierung großer Flüsse“ sprechen. Daneben haben sich anerkannte Experten wie Martin Görner von der AG Artenschutz Thüringen/Jena zum Symposium angesagt, ebenso Armin Siepe aus Karlsruhe, Volker Karthaus aus Paderborn und Rocco Buchta aus Rathenow. „Diese Vorträge stehen allen offen, der Eintritt ist frei“, wirbt Stoiber.

Von Andreas Tappert

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