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Leipzig prüft Tunnel für S-Bahn, Straßenbahn und Autos

Sechs Verkehrsszenarien Leipzig prüft Tunnel für S-Bahn, Straßenbahn und Autos

Um die seit Langem heiß geführte Debatte zur Verkehrspolitik auf eine faktenbasierte Grundlage zu stellen, hat die Stadt Leipzig sechs Szenarien für eine „Mobilitätsstrategie 2030“ erarbeitet.

Wird in Leipzig bald ein “Stadtbahn-Tunnel“ gebaut? Hier eine der neuen XXL-Straßenbahnen der Leipziger Verkehrsbetriebe.

Quelle: Kempner

Leipzig. Um die seit Langem heiß geführte Debatte zur Verkehrspolitik auf eine faktenbasierte Grundlage zu stellen, hat die Stadt Leipzig sechs Szenarien für eine „Mobilitätsstrategie 2030“ erarbeitet. Der Parkraum werde immer knapper, durch das starke Einwohnerwachstum kommen jährlich auch 4500 Fahrzeuge hinzu, erklärte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) am Dienstag zur Vorstellung des 88 Seiten starken Papiers. „Wenn wir alles lassen wie es ist und nichts tun, stehen wir in zehn Jahren im Stuttgarter Stau“, warnte er. Folglich müsse Leipzig jetzt auch Ideen prüfen, für die noch niemand sagen könne wie sie sich finanzieren lassen. Dazu gehörten auch ein zweiter S-Bahn-Tunnel in Ost-West-Richtung oder ein Auto-Tunnel zwischen der Berliner Straße und der Red-Bull-Arena.

Wer die 88 Seiten studiert, erfährt aber, dass die Fachleute vom Verkehrs- und Tiefbauamt (VTA) eine zweite S-Bahn-Röhre skeptisch sehen: Diese würde vor allem den Verkehr zwischen Leipzig und der Region entlasten, hätte wenig innerstädtische Effekte, heißt es dort. Verheißungsvoller klingt in den Ohren der Rathaus-Planer hingegen ein Straßenbahntunnel in Ost-West-Richtung.

Die sechs Szenarien seien mit wissenschaftlichen Methoden erstellt worden, so Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos). „Auch IHK und Handwerkskammer haben uns dafür ihre aktuellen Verkehrsstudien zur Verfügung gestellt.“ Möglichst bis zum April 2018 solle sich der Stadtrat für eine Variante grundsätzlich entscheiden, damit sie noch rechtzeitig im neuen Nahverkehrsplan für Leipzig, in weiteren Strategien und im Finanzhaushalt berücksichtigt werden kann.

So sehen die einzelnen Szenarien aus:

Fortführungsmodell: Hier würden die Investitionen nicht gesteigert. Der Autoverkehr nimmt zu, die Durchschnittsgeschwindigkeit der PKW sinkt auf 13,8 Stundenkilometer. Luftqualität und Wirtschaftsverkehr leiden. Investitionsbedarf bis 2030: fast 600 Millionen Euro. Der jährliche Zuschuss für den ÖPNV steigt von heute 51 auf 56 Millionen Euro.

Fortführungsmodell ohne Preiserhöhungen im ÖPNV: Ähnliche Effekte wie im ersten Modell. Die Qualität aller Verkehrsarten würde schlechter, Stickoxid- und Lärmbelastung kritisch. Der Zuschussbedarf für Bus- und Straßenbahn steigt auf jährlich 115 Millionen Euro an.

Nachhaltigkeitsmodell: Weniger privater Autoverkehr soll bewirken, dass die Geschwindigkeit bei ÖPNV und Wirtschaftsverkehr auf heutigem Stand (19 bis 20 Stundenkilometer) bleibt. Sehr leises Szenario. Umweltgrenzwerte werden eingehalten. Investitionsbedarf: 1,4 Milliarden Euro. Zuschuss für Bus und Straßenbahn: 83 Millionen Euro pro Jahr.

Fahrradstadt-Modell: Leisestes Szenario mit höchster Kohlendioxid-Einsparung. Ein ganzjährig nutzbares Radwege-Netz wäre nötig, der ÖPNV hätte leicht wachsende Passagierzahlen, private PKW das Nachsehen. Investitionsbedarf: fast eine Milliarde Euro. Jahreszuschuss für Straßenbahn und Bus: 76 Millionen Euro.

ÖPNV-Vorrang-Modell: Veränderungen würden so betrieben, dass sie vor allem S-Bahn, Bus und Straßenbahn nutzen. Fahrgastzahlen steigen deutlich, Geschwindigkeit sinkt im ÖPNV leicht, beim privaten Autoverkehr dramatisch auf 16,2 Stundenkilometer. Jahreszuschuss für den ÖPNV: 57 Millionen Euro. Investitionsbedarf: etwa 1,2 Milliarden Euro.

Bürgerticketmodell: Durch eine Art der Gemeinschaftsfinanzierung würde ein sehr billiges oder Gratis-ÖPNV-Ticket geschaffen. Gute Werte bei Umwelt und Lärm, die Geschwindigkeit von Bahn, Bus und Autoverkehr bliebe wie heute. Investitionsbedarf: zwischen 2 und 4,5 Milliarden Euro. ÖPNV-Zuschuss pro Jahr: 141 Millionen Euro.

„Sicher, sauber und für alle bezahlbar – so wünsche ich mir die Mobilität Leipzigs in der Zukunft“, sagte Jung. Vor allem der Bund müsse mehr Geld zur Verfügung stellen, damit die Städte dessen Klimaschutz-Vorgaben erfüllen können.

In den nächsten Wochen sind mehre Fachforen mit Stadträten, Kammern und Verbänden zu dem Thema geplant. Die Einwohner können sich bis Mitte Januar an der Diskussion beteiligen: jedoch nur online über die Internetseite der Stadt.

Von Jens Rometsch

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