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Leipzig schreibt das Buch der Bücher

Finale des Jubiläumsjahres 2015 Leipzig schreibt das Buch der Bücher

Es wird der krönende Abschluss eines Jubiläumsjahres, das ohne einen alten Kirchenvater gar nicht möglich gewesen wäre: Am 20. Dezember – 1000 Jahre, nachdem der Merseburger Bischof Thietmar der Nachwelt hinterließ, dass „in urbe Libzi“ ein gewisser Bischof Eid(o) von Meißen gestorben war – kreieren hunderte Messestädter eine Leipziger Bibel.

Der Leipziger Maler Michael Triegel, der auch als Papstmaler bekannt ist, vor seinem Bild „Deus absconditus“ („Der verborgene Gott“). Der 46-Jährige gestaltet das Cover der Bibel, die hunderte Leipziger am 20. Dezember zusammen niederschreiben wollen. Auch dabei soll es um den verborgenen Gott gehen.
 

Quelle: Waltraud Grubitzsch/dpa

Leipzig. Bereits im Frühjahr schrieben der evangelisch-lutherische Superintendent Martin Henker, der römisch-katholische Propst Gregor Giele, der jüdische Rabbiner Zsolt Balla und der emeritierte Pfarrer Wolff als Kirchenvertreter im Organisationsteam zum Stadtjubiläum dutzende Kirch- und Pfarrgemeinden an, um sie auf den 20. Dezember einzuschwören. Denn wenn die gesamte Bibel – also das Alte und das Neue Testament – an einem Tag abgeschrieben werden soll, braucht es jede Menge Mitstreiter. „Für eine Spalte, wie wir sie aus der Luther-Bibel oder der Einheitsübersetzung kennen, sind 20 bis 30 Minuten vonnöten. Das heißt, jeder einzelne Schreiber würde circa 1000 Stunden beschäftigt sein. Wenn 50 Gemeinden mitmachten und dort jeweils nur einer einen Stift in die Hand nähme, benötigte er 20 Stunden. Würden aber 40 Personen über den Tag verteilt an der Aktion beteiligt sein, schriebe jeder Teilnehmer nur 30 Minuten. Das ist zumutbar“, rechnet Wolff vor.

Neben den Gemeinden hat der umtriebige Theologe auch 200 stadtbekannte Persönlichkeiten angeschrieben und sie gebeten, am 20. Dezember mit von der Partie zu sein. Unter denen, die bislang zugesagt haben, an verschiedenen Orten in der Stadt zur Feder zur greifen, sind neben Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und dem städtischen „Leipzig 2015“-Beauftragten, Finanzbürgermeister Torsten Bonew (CDU), noch Thomanerchor-Geschäftsführer Stefan Altner, Landesjustizminister Sebastian Gemkow (CDU), der Maler Matthias Klemm, Ex-Superintendent Friedrich Magirius, Bildermuseumschef Hans-Werner Schmidt, Gewandhausdirektor Andreas Schulz, Bosnien-Honorarkonsul Michael Weichert sowie MDR-Moderatorin Griseldis Wenner.

Die 6000 Druckbögen, auf die Leipzig die Heilige Schrift bannt, sind vorbereitet und geschnitten. Kostenlos zur Verfügung stellt sie die Druckerei Böhlau in der Renftschen Gasse. „Eine tolle Idee, da wollten wir mit dabei sein“, sagt Druckereichef Thomas Böhlau. „Auf die Art und Weise kommen wir sogar ins Museum“, schiebt der 59-Jährige lächelnd nach. Auch Papstmaler Michael Triegel ist fasziniert von dem Vorhaben: „Die Bibel als Brücke, die 1000 Jahre überspannt: Wie passend! Nichts hat die Geschichte unserer Stadt, ja die europäische Kultur überhaupt so nachhaltig geprägt wie das Wort Gottes. Sie mit der Hand zu verfassen, ist zugleich anachronistisch, setzt einen Kontrapunkt in einer digitalisierten Welt“, sagt der 46-jährige gläubige Katholik, der sich 2014 taufen ließ. Eine Idee für die Gestaltung des Covers hat er bereits: Der Arno-Rink-Schüler will das Motiv des „Deus absconditus“ („Der verborgene Gott“) aufgreifen, mit dem er sich 2013 bereits in einem Gemälde auseinandersetzte.

Auf dem einheitlichen Titelblatt der insgesamt circa 15 Bibel-Bände dürfte es also um das Thema „Verhüllen und Enthüllen“ gehen. Was am großen Stadtfeiertag 20. Dezember ansonsten noch gespielt wird, darüber hüllt das Rathaus gegenwärtig noch den Mantel der Überraschung. Zu erwarten ist, dass eine Riesentorte mit 1000 Kerzen angeschnitten wird und dass eine symbolische Übergabe der Leipziger Bibel an die Rathaus-Oberen stattfindet – denn das eigentliche Werk kann zu diesem Zeitpunkt logischerweise noch nicht gebunden sein. Die auf einigen Plakaten und Flyern bereits beworbene Live-Übertragung des Weihnachtsliedersingens der Thomaner auf eine Leinwand auf dem Richard-Wagner-Platz findet allerdings nicht statt. Aus Kostengründen, wie es hieß.

Von Dominic Welters

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