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Lokales Leipzig setzt stärker auf digitale Verkehrstechnik
Leipzig Lokales Leipzig setzt stärker auf digitale Verkehrstechnik
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19:04 31.03.2017
An der Kreuzung Waldstraße/Zöllnerweg/Leutzscher Allee gibt’s bereits Wechselverkehrszeichen.   Quelle: André Kempner
Leipzig

 
 

Rund 700 000 Euro soll für ein besseres Verkehrsmanagement bei Großveranstaltungen ausgegeben werden, vor allem für die Entwicklung und Installation von sogenannten automatischen Strategien für Eventprogramme an neuralgischen Kreuzungen. Denn wegen der wachsenden Verkehrsströme und der zunehmenden Zahl von Baustellen müssen die Experten der Stadt immer häufiger eigenhändig in den zentralen Verkehrsrechner eingreifen, der an vielen Stellen des Stadtgebiets die Ampeln eigentlich automatisch verkehrsabhängig schaltet. Um diese „händischen“ Eingriffe einzugrenzen, sollen jetzt weitere Sonderprogramme installiert werden.

Wie die funktionieren, ist an der Kreuzung Waldstraße/Zöllnerweg/Leutzscher Allee zu sehen, wenn auf dem Sportforum eine Großveranstaltung stattfindet. An der Kreuzung wird dann der Verkehr mit Wechselverkehrszeichen gesteuert: Die Zufahrt zur Waldstraße und von dort zur Jahnallee wird durch eine elektronisch veranlasste Zeichenänderung gesperrt, um diese Trassen zu entlasten. „Das könnte auch noch an anderen Kreuzungen geschehen“, so Michael Jana, Leiter des Verkehrs- und Tiefbauamtes der Stadt. Ob es dazu kommt hänge auch davon ab, wie Leipzigs Autofahrer auf solche Veränderungen ihrer gewohnten Verkehrsführung reagieren. „Im Moment läuft das sehr gut“, berichtet der Amtsleiter. „Es gibt nur vereinzelt Falschfahrer.“

Eine „dynamische Verkehrsführung“ erwägt die Stadt auch an den Ausfahrten der Arena-Parkplätze 1 und 2. Dort sollen LED-Tafeln installiert werden. „Sie können die Wegweisung ebenfalls ändern, statt in Richtung Jahnallee geht es dann für die Autofahrer nach Norden“, skizziert Jana. Auch das könnte die Jahnallee entlasten.

Auch die umweltorientierte Verkehrssteuerung wird ausgebaut. Die Idee: Ampeln ganzer Straßenzüge werden in Abhängigkeit vom Lärm und Schadstoffaufkommen geschaltet. Sind die Werte zu hoch, wird die Zufahrt gedrosselt oder gesperrt und elektronisch eine Umleitung ausgewiesen.

Erste Untersuchungen laufen dafür in der Harkortstraße, die in Leipzig ein Hotspot der Luftverschmutzung ist. „Wir sehen mit Sorge, dass dort wegen zu hoher Schadstoffwerte eine pauschale Einschränkung für sieben Tage in der Woche verfügt werden könnte“, sagt Jana. Eine moderne Verkehrssteuerung würde den Verkehr drosseln, bevor Grenzwerte überschritten werden. Die Autos würden dann zum Beispiel über die Karl-Tauchnitz-Straße umgeleitet. „Wir schauen uns gemeinsam mit dem Umweltamt an, ob Umleitungen in andere Gebiete möglich sind, ohne dort die Grenzwerte zu überschreiten“, so der Amtsleiter. „Im Prinzip geht es um alle Hotspots im Stadtgebiet.“

Auch in das Verkehrsinformationssystem wird investieren. „Wir haben in unserem Verkehrsrechner zahlreiche Daten, die für Autofahrer interessant sind“, skizziert der Behördenchef. „Zum Beispiel die aktuelle Verkehrsbelegung von Straßen oder die Wartezeiten an Ampeln.“ Diese Daten könnten für Dritte verfügbar gemacht werden.

Zum Beispiel dem „Mobilitätsdatenmarktplatz“ des Bundes, der mit Autoherstellern und Anbietern von Verkehrsinformationssystemen zusammenarbeitet. Auch eine Kooperation mit dem „Mobilitätsportal Mitteldeutschland“ ist im Fokus. Dort will man Autofahrer ebenfalls deutlich mehr aktuelle Informationen über die Verkehrslage zugänglich machen.

Vorgesehen ist ebenfalls „nicht planbare Verkehrszustände“ intelligent zu entschärfen. Als Beispiel dient die Straßenbahnlinie 3. Wie berichtet, werden die Ampeln auf ihrem Fahrtweg bereits so geschalten, dass sie in Abhängigkeit von der Fahrplantreue der Bahnen arbeiten: Kommt eine Bahn zu früh, wird die bevorrechtigte Schaltung für den Nahverkehr unterbrochen und die Autos können fahren. Technisch möglich sind auch Schaltungen, die Rettungsdiensten bevorzugt Grün gewähren.

Sogenannte Qualitätsanalysetools sollen jetzt solche Schaltungen besser mit dem Verkehrsgeschehen im übrigen Stadtsystem abstimmen – und so ein optimal funktionierendes Gesamtsystem erzeugen. „Wir wollen unsere hohe Qualität der Beschleunigung des öffentlichen Nahverkehrs mit der Sicherstellung einer hohen Verkehrsqualität für andere Verkehrsarten verbinden“, beschreibt Jana das Ziel.

Von Andreas Tappert

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