Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Leipzig sichert Lichtfest: Stadt zahlt 450 000 Euro
Leipzig Lokales Leipzig sichert Lichtfest: Stadt zahlt 450 000 Euro
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:12 17.09.2009
Leipzig

Zehntausende Besucher werden dazu in der Stadt erwartet.

Nach einem Schlagabtausch und zum Teil heftiger Kritik an der Stadtverwaltung und der Leipzig Tourismus und Marketing Gmbh (LTM), denen schon seit dem Frühjahr die Deckungslücke bekannt war, stimmte die Ratsversammlung gestern mehrheitlich einer von Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) kurzfristig beantragten Aufstockung des kommunalen Budgets um 250.000 Euro zu. Dafür wird in diesem Jahr der Zuschuss an die Stiftung Völkerschlachtdenkmal um 75 000 Euro gekürzt. Der Rest kommt aus dem Topf für ein IT-Projekt in der Verwaltung.

Damit finanziert sich das Fest nunmehr zur Hälfte aus dem angeschlagenen Stadthaushalt, für den Bürgermeister Andreas Müller in diesem Jahr ein Defizit von 28 Millionen Euro prognostizierte. Ursprünglich wollte LTM-Geschäftsführer Volker Bremer für das Revolutionsevent 700 000 Euro von Sponsoren einwerben. Doch angesichts der Wirtschaftskrise fielen die Beiträge vor allem der großen Unterneh-

men doch nicht so üppig aus wie erwartet.

"Wieder einmal werden wir mit Mehrkosten kurz vor der Angst konfrontiert", beklagte CDU-Stadtrat Torsten Bonew. "Wieder einmal haben wir keine andere Wahl als zuzustimmen. Denn das Geld, über das wir heute beschließen sollen, ist schon ausgegeben." Gleichwohl sei er sich darüber im Klaren, dass der 20. Jahrestag der Friedlichen Revolution einer angemessenen Würdigung bedarf. "Im Oktober 1989 waren viele Menschen auf der Straße", sagte Bonew und fügte spitz hinzu: "Die einen privat, die anderen dienstlich." Er forderte, dass sich der Rechnungsprüfungsausschuss detailliert mit dem von Bremer zu verantwortenden Finanzierungsplan für das Lichtfest befasst und "gegebenenfalls auch personelle Konsequenzen gezogen werden".

Neben Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee wird am 9. Oktober auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in Leipzig erwartet. "Ich will nicht hoffen, dass das der Grund für die überplanmäßige Ausgabe ist", sagte die Fraktionschefin der Linken, Ilse Lauter, die wie Bonew auch eine frühere Einbeziehung des Stadtrates vom Oberbürgermeister erwartet hätte. "Die Deckungslücke bringt uns in erheblichen Zugzwang", so Lauter. "Und das nicht zum ersten Mal."

"Es geht nicht um eine Illuminierung von Persönlichkeiten", versicherte Oberbürgermeister Jung, der sich ausdrücklich bei der Leipziger Wirtschaft für ihren Beitrag zum Fest bedankte. Aber er streute sich auch Asche aufs Haupt. "Mir ist bewusst, dass das für Sie eine Zumutung ist", gestand er den Stadträten und bat sie inständig, dem höheren Zuschuss dennoch zuzustimmen. "Das Lichtfest ist für Leipzig eine Riesenchance, und einen Imageverlust können wir uns nicht leisten".

Lauter hätte sich vorstellen können, dass sich auch der Freistaat mit mehr als nur 63.000 Euro an der 900.000 Euro teuren Veranstaltung beteiligt. "Wenn es wenigstens 89.000 wären", sagte sie.

Zum Abschluss der Debatte zeigte sich Grünen-Fraktionsvorsitzender Wolfram Leuze etwas verwundert. Nämlich darüber, dass Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht (CDU) die Sitzung schon lange verlassen hatte, obwohl gerade das Lichtfest in seinen fachlichen Verantwortungsbereich falle. Leuze: "Ich denke bei ihm immer mehr an Doktor Kimble auf der Flucht."

Von Klaus Stauebert

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!