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Leipzig stellt sich auf 400 Plätze für minderjährige Flüchtlinge ein

Betreuung von Flüchtlingen Leipzig stellt sich auf 400 Plätze für minderjährige Flüchtlinge ein

Leipzig stellt sich 2016 auf die Betreuung von 400 „UMA“ ein. So heißen die unbegleiteten minderjährigen Ausländer, um die sich das Jugendamt kümmert, im Fachjargon. Im Haushalt werden dafür 11,7 Millionen Euro vorgesehen, die laut Sozialgesetzbuch aber refinanziert werden. Vier Flüchtlingskinder leben derzeit bei Gastfamilien.

Auf die Betreuung von 400 minderjährigen Flüchtlingen stellt sich die Stadt Leipzig ein.
 

Quelle: dpa

Leipzig.  Leipzig stellt sich 2016 auf die Betreuung von 400 „UMA“ ein. So heißen die unbegleiteten minderjährigen Ausländer, um die sich das Jugendamt kümmert, im Fachjargon. Im Juli 2015 waren es 20 unbegleitete junge Männer. Im März 2016 waren es bereits 381 „UMA“. Weil die im Haushalt bisher nicht separat berücksichtigt sind, soll der Stadtrat nun etwa 11,71 Millionen Euro für die Unterbringung und Betreuung freigeben. Die Stadt geht aber davon aus, dass dies zu 100 Prozent refinanziert wird. So jedenfalls steht es im Sozialgesetzbuch. Betreut werden die jungen Menschen – meist junge Männer zwischen 15 und 17 Jahren – in Wohnheimen, vereinzelt in Wohngruppen, aber auch bei Pflegefamilien.

Warum ist das so teuer? Für die Unterbringung gelten die Regeln des Kinder- und Jugendhilfegesetzes wie bei jedem anderen Kind, sagt Nicolas Tsapos, der Leiter des Amtes für Jugend, Familie und Bildung. „Stationäre Hilfen sind im Vergleich zu anderen Betreuungsangeboten pro Kopf teuer.“ So müssten allein für 50 Jugendliche zwischen 25 bis 30 Betreuer beschäftigt werden, die sich quasi rund um die Uhr kümmern. Bis 2018 hat der Freistaat sogar das klassische Betriebserlaubnis-Genehmigungsverfahren außer Kraft gesetzt. Das heißt, Einrichtungen können mehr Menschen beherbergen als bisher. Es ist aber auch möglich, neben dem Fachpersonal Ehrenamtliche, pensionierte Lehrer oder geeignete Personen als Betreuer einzusetzen.

Gibt es nun eine Entspannung? „Davon können wir nicht ausgehen“, sagt Tsapos. Die Aufnahmequote, die nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel errechnet wird, hat Leipzig bereits erreicht. Deshalb wird versucht, weiter ankommende junge Menschen auf Landkreise in Sachsen zu verteilen. Eine Garantie, dass es so bleibt, ist es aber nicht. Derzeit gibt es 159 Plätze für die Betreuung bei 19 Trägern. Als Interim betreibt das Jugendamt ein Interimsdomizil im Offenen Freizeittreff „Am Mühlholz“ sowie in der früheren Kindertagesstätte in der Leonhard-Frank-Straße. Weitere 127 Jugendliche leben in Obhut geeigneter Personen, etwa aus dem Familien- oder Bekanntenkreis. In Gastfamilien leben derzeit vier. „Weitere Familien sind im Eignungsverfahren oder bestätigt. Bis Sommer werden wir 25 bis 30 Gastfamilien haben. Das ist eine gute Zahl in der Kürze der Zeit“, so der Amtsleiter.

Wie viele Plätze für junge Ausländer gibt es? Die Stadt will bis Ende 2017 mit Freien Trägern 400 Plätze vorhalten. Bis Juli entsteht beispielsweise eine Einrichtung in der Riebeckstraße, die der Städtische Eigenbetrieb Behindertenhilfe baut. Solche Plätze werden auch benötigt, wenn der Flüchtlingsstrom nachlässt. Derzeit sind 270 Deutsche, die stationäre Erziehungshilfe brauchen, außerhalb Leipzigs untergebracht. „Am besten sind ohnehin integrative Einrichtungen, wo junge Deutsche und Ausländer gemeinsam leben“, so Tsapos. Das Budget für Hilfen zur Erziehung betrug im Vorjahr 73,94 Millionen Euro (davon 2,7 Millionen Euro für minderjährige Flüchtlinge).

Wie viele Flüchtlinge betreut die Stadt? Ende April leben 4900 Menschen in Leipzig, die Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz bekommen. Weitere 1131 Personen wohnen in Erstaufnahmeeinrichtungen des Freistaates in Leipzig. Die Stadt geht davon aus, dass sie bis Jahresende etwa 4000 Menschen zugewiesen bekommt. In diesem Jahr entstehen 3741 neue Plätze, 2017 noch einmal 2090 Plätze zusätzlich. Das liegt auch daran, dass Notunterkünfte in Zelten sowie in der Messehalle, Interimsdomizile wie in Schulen beendet werden. Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) prognostiziert, dass gut 30 Millionen Euro in den kommenden anderthalb Jahren notwendig sind. Beschlossen wurde, dass auf dem Gelände der ehemaligen Erziehungswissenschaftlichen Fakultät Karl-Heine-Straße 22b ab August bis 2017 etwa 310 Geflüchtete wohnen (Kosten: 1,89 Millionen Euro für Umbau und Betrieb). Drei Mehrfamilienhäuser werden in der Auenseestraße 31-33 bis Januar 2017 zur Asylunterkunft umgebaut (1,6 Millionen Euro). In die ehemalige Heinrich-Heine-Schule in der Hainbuchenstraße sind die ersten Asylbewerber schon eingezogen (Kosten: 3,1 Millionen Euro).

Von Mathias Orbeck

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