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Leipzig trauert um Christian Führer: Familie nimmt Abschied - Gottesdienst am Sonntag

Leipzig trauert um Christian Führer: Familie nimmt Abschied - Gottesdienst am Sonntag

Mehrfach wurde Christian Führer für seine Rolle bei der Friedlichen Revolution im Herbst 1989 ausgezeichnet. Und immer verstand sich der frühere Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche bescheiden als Einzelner, der stellvertretend für das Volk der Demonstranten geehrt wird.

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Christian Führer, ehemaliger Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche, ist am Montagvormittag gestorben. (Archivfoto)

Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig. Die letzte Auszeichnung, den Nationalpreis vor wenigen Tagen, konnte er wegen seiner schweren Krankheit nicht mehr persönlich in Empfang nehmen. 25 Jahre nach Revolution und Mauerfall ist Christian Führer am Montag nach schwerer Krankheit im Alter von 71 Jahren gestorben. Zum Friedensgebet in „seiner Kirche“ erinnerten am Abend etwa 40 Menschen an den außergewöhnlichen Kirchenmann.

Die Familie Führers wandte sich mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit: Gott habe die Gebete für einen friedlichen Heimgang des ehemaligen Pfarrers erhört, heißt es darin. „Wegen der Erhörung dieser Friedensgebete und in der tiefen Gewissheit, dass Christian Führer durch Jesus Christus erlöst ist, haben wir am Montagvormittag dankbar von ihm Abschied genommen. Wir bitten um Fürbitte für ihn und auch für uns, die wir Trauer und Leid tragen.“

Der Trauergottesdienst soll nach Angaben der Familie voraussichtlich am kommenden Sonntag um 14 Uhr in der Nikolaikirche stattfinden. Beerdigt wird Christian Führer am gleichen Tag um 17 Uhr in Langenleuba-Oberhain (Kreis Mittelsachsen), wo er aufwuchs. Auf dem dortigen Friedhof liegt auch seine Frau begraben.

Statt Blumen oder Kränzen habe der Pfarrer Spenden und Kollekten erbeten, teilte die Familie mit. Die genaue Zweckbestimmung soll spätestens zum Trauergottesdienst mitgeteilt werden.

Bundespräsident Joachim Gauck würdigt Pfarrer Christian Führer

In Leipzig und weit darüber hinaus sorgte die Nachricht von seinem Tod für Trauer und Bestürzung. Bundespräsident Joachim Gauck würdigte den verstorbenen Christian Führer als Hoffnungsträger. Er kondolierte dem Sohn des früheren Pfarrers, Sebastian Führer, stellvertretend für alle Angehörigen. Das Land verliere eine wichtige Persönlichkeit der friedlichen Revolution, schrieb Gauck laut Mitteilung des Bundespräsidialamts vom Montag. „Im Aufstehen gegen das Unrecht sah Ihr Vater einen wesentlichen Auftrag des Evangeliums. In seinen Worten: ’Nicht Thron und Altar, sondern Straße und Altar sind die Dinge, die zusammengehören.’ Diese klare Haltung prägte seinen Widerstand gegen das DDR-Regime und auch seinen kritischen Blick auf manche Entwicklungen im wiedervereinigten Deutschland.“

Auch andere Politiker, Freunde und Weggefährten reagierten bestürzt auf den Tod des früheren Nikolaikirchen-Pfarrers.

Leipzigs SPD-Oberbürgermeister

Burkhard Jung

: „Sein Mut war und ist beispielhaft. Ich habe ihn als einen Menschen erlebt, der im festen Vertrauen auf seinen Glauben das Unmögliche nicht nur zu denken wagte.“

Katrin Göring-Eckardt

, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag: „Pfarrer Führer war im besten Sinn ein Bürger-Rechtler und im wahrsten Sinn ein Pastor, nämlich ein Hirte, der unermüdlich für die Menschen in seiner Stadt und weit darüber hinaus da war.“

Sebastian Krumbiegel

, Sänger der Prinzen: „Ich habe ihn als politisch und menschlich wachen Menschen geschätzt. Nicht nur wir Leipziger haben ihm viel zu verdanken.“

Sachsens Ministerpräsident

Stanislaw Tillich

(CDU): „Als Pfarrer der Nikolaikirche in Leipzig hat er mit Friedensgebeten und Öffnung der Kirche für Oppositionskreise entscheidend zur Stärkung des Engagements für Freiheit und Demokratie beigetragen.“

Martin Dulig

, Vorsitzender der SPD-Fraktion im sächsischen Landtag „Vor 25 Jahren hat es viel Mut gebraucht, um aufzustehen, um zu widersprechen, um Türen zu öffnen. Mut hieß damals auch nicht zu wissen, welche Konsequenzen man am nächsten Tag für solches Handeln zu tragen hatte. Christian Führer hatte diesen Mut.“

Rico Gebhardt

, Fraktionschef der Linken im sächsischen Landtag: „Christian Führer steht mit seiner umstürzlerischen Offenheit, die friedfertig und freundlich mit entschiedener Beharrlichkeit verkrustete Verhältnisse ins Wanken bringt, für den humanistischen Kern der friedlichen Revolution von 1989.“

Tobias Hollitzer

, Sprecher der Initiative „Herbst 89“: „Führer als Gemeindepfarrer hat versucht, die Anliegen von Opposition und Bürgerbewegung in die Gemeindearbeit einzubeziehen. Es ist ihm nach 1989 gelungen, die Friedensgebete bis heute fortzuführen.“

Sachsens Landesbischof

Jochen Bohl

: „Furchtlos und unverzagt trat er für das von ihm als gerecht Erkannte ein.“

maf / dpa

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