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Leipzig übernimmt Mehrheit an krisengeschüttelter Deponie Cröbern

Leipzig übernimmt Mehrheit an krisengeschüttelter Deponie Cröbern

Es ist keine drei Jahre her, da setzte die Stadt Leipzig noch auf eine Verkleinerung ihres kommunalen Firmenreiches. Monatelang diskutierte der Stadtrat, bevor die Firmen Perdata und HL komm für insgesamt 86 Millionen Euro verkauft wurden.

Die Deponie Cröbern gehört nun zu 60 Prozent der Stadt Leipzig.

Quelle: Andrè Kempner

Leipzig. Inzwischen weht der Wind aus einer anderen Richtung. Ohne öffentliche Debatte hat sich Leipzig gerade die Mehrheit an einem Unternehmen einverleibt, das zuletzt vor allem mit der Aufnahme von Bauschutt aus Atomkraftwerken und falsch deklariertem Giftmüll aus Italien Schlagzeilen machte. Die Rede ist von Sachsens größtem Müllendlager - der Deponie Cröbern.

Leipzig gehören jetzt rund 60 Prozent des Deponie-Betreibers WEV, bestätigten die Beteiligten auf LVZ-Anfrage. Bereits am 19. Juni sei die Änderung ans Registergericht übersandt worden. Merkwürdig dabei ist, dass sich weder auf der Internetseite der Stadt noch beim Zweckverband Abfallwirtschaft Westsachsen (ZAW) oder der WEV auch nur der kleinste Hinweis auf diesen nicht unbedeutenden Vorgang findet.

Die WEV hat eine krisengeschüttelte Geschichte. Mehrfach stand sie kurz vor dem Bankrott. Alles begann damit, dass 1990 private Entsorgungsfirmen und Ingenieurbüros durch den wilden Osten zogen, um möglichst große Deponien zu errichten. "Allen Warnern zum Trotz wurde Cröbern damals durch Private auf ehemaligem Tagebaugelände gebaut", erinnert sich Linke-Stadtrat Reiner Engelmann. "Als sich das Fiasko abzeichnete, übergaben die Privaten die Deponie an die öffentliche Hand - mitsamt den angehäuften Schulden." Um die völlig überdimensionierten Anlagen besser auszulasten, sei Leipzig 1992 durch die Politik in den Zweckverband ZAW gezwungen worden, so der langjährige Verbandsrat. Nach Gebietsreformen hält die Messestadt heute 60 Prozent der ZAW-Anteile, die übrigen 40 Prozent der Landkreis Leipzig. Engelmann sieht das als gewaltigen "Solidarbeitrag der Leipziger".

Immerhin sind in die Deponie 194 Millionen Euro investiert worden. Auf dem gleichen Areal kam 2005 noch eine Mechanisch-Biologische Anlage (MBA) für 83 Millionen Euro hinzu. Dies verlangten geänderte Umweltgesetze. Ohne die MBA, in der organische und brennbare Stoffe aus dem Müll herausgefiltert werden, hätte Cröbern damals schließen müssen. Das Fiasko sollte mit Hilfe des französischen Energiekonzerns Suez abgewendet werden. Dessen deutscher Ableger Sita baute die MBA und erwarb 49 Prozent des Deponiebetreibers WEV - der Kaufpreis blieb geheim. Die Mehrheit von 51 Prozent ließ sich der Zweckverband nicht aus der Hand nehmen.

Allerdings geriet auch die MBA etwas zu groß, sie soll nicht mal zur Hälfte ausgelastet sein. Nach jahrelangem Streit mit der Sita (auch vor Gericht) hat der Zweckverband den privaten Teilhaber nun aus dem Unternehmen herausgekauft. Nach LVZ-Informationen lag der Preis im einstelligen Millionen-Bereich - er wird von der WEV aus dem laufenden Geschäft finanziert. Nach den langjährigen Abschreibungen haben Deponie und MBA heute noch einen Zeitwert von zusammen 73 Millionen Euro. Die Schulden des Betreibers sind um einiges höher und teilweise kommunal verbürgt.

Offiziell wurde die Trennung nicht mit der wirtschaftlichen Lage begründet. Sita-Geschäftsführer Peter Pester sagte: "Der Rückzug aus dem Deponiegeschäft ist Teil unserer strategischen Ausrichtung." Das Unternehmen wolle sich in der Region noch stärker auf Recycling und Abfall-Verwertung konzentrieren.

Der ZAW-Verbandschef und Leipziger Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) begrüßte die Rekommunalisierung: "Entgegen den kurzfristigen Ausschüttungszielen eines privaten Mitgesellschafters kann nunmehr eine Ausschüttungspolitik unter langfristigen Gesichtspunkten umgesetzt werden." Dies sei nötig, um Rekultivierung und Nachsorge der Deponie solide zu finanzieren.

Nach andauernd roten Zahlen schrieb die WEV in den letzten drei Jahren Gewinne: insgesamt drei Millionen Euro. Die heutige Geschäftsführung wird allseits gelobt, warnte aber in der jüngsten Bilanz: "Die Preise für die Entsorgung kommunaler Restabfälle haben sich weiter reduziert. Es sind unverändert schwierige Bedingungen am Markt zu verzeichnen. Dabei fällt es Anlagen, deren Entsorgungsverträge auslaufen, immer schwerer, Kapazitäten langfristig zu wirtschaftlichen Preisen auszulasten."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.07.2015
Rometsch, Jens

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