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Lokales „Leipzig und Sachsen können auch ILA“
Leipzig Lokales „Leipzig und Sachsen können auch ILA“
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06:00 20.06.2018
Leipzigs Messe ist nur noch ein Schatten seiner einstigen Größe. Eine neue internationale Luftfahrtschau könnte dem flauen Geschäft neue Impulse geben . Quelle: André Kempner
Leipzig

Die Turbulenzen um die Zukunft der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung Berlin (ILA) hat in Leipzig Begehrlichkeiten geweckt: Es werden Stimmen laut, die die Stadtpolitik auffordern, die offenbar in Berlin nicht mehr wohl gelittene Luftfahrtausstellung nach Leipzig zu holen.

In der Rot-Rot-Grünen Berliner Landesregierung mehren sich die Stimmen, der Schau ab dem Jahr 2020 den Geldhahn zuzudrehen. Deren jährliches Defizit in einstelliger Millionenhöhe sollte besser in die Infrastruktur der Messe Berlin fließen, meint zum Beispiel Marc Urbatsch, grüner Abgeordnete im Abgeordnetenhaus von Berlin. „Außerdem wird die ILA immer mehr zu einer reinen Militärshow“, kritisiert er. Und der Fraktionssprecher der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus, Thomas Barthel, erklärte: „Der Fokus der ILA liegt ganz klar auf der Ausstellung von Kriegsmaschinen. Dass wir das indirekt mit Steuergeld bezuschussen, darf nicht ein.“

Leipzig sollte seinen Hut in den Ring werfen“

Stimmen wie diese haben Gewicht, weil die ILA am aktuellen Standort Schönefeld vertraglich nur noch bis zum Jahr 2020 gesichert ist. Anschließend soll dort der neue Hauptstadtflughafen BER eröffnen. Und Berliner Behörden haben das ILA-Messegelände auch schon als ostdeutsches Verteilzentrum für Flüchtlinge im Blick. Nur die SPD stemmt sich gegen diese Entwicklung. Ihre Abgeordnete Ülker Radziwill appellierte an ihre Kollegen, die Schau nicht nur rein „betriebswirtschaftlich“ zu beurteilen.

„Das ist kein gutes Bild für den Technologie- und Messestandort Deutschland“, findet in Leipzig der FDP-Kreisvorsitzende Friedrich Vosberg und spricht sich für den Versuch aus, die ILA nach Leipzig zu holen. „Hier gibt es einen Flughafen, hier gibt es Platz, hier gibt es Hotels und hier gibt es eine super Anbindung von Flughafen und Messe ans Autobahn- und Fernbahnnetz“, so Vosberg. „Wenn die Berliner sich streiten, dann sollten wir als Leipziger selbstbewusst unseren Hut in den ILA-Ring werfen.“ Dass Leipzig gemeinsam mit dem Freistaat eine solche internationale Leitmesse ausrichten könnte, steht für ihn außer Frage. „Vielleicht ist es nur eine kleine Chance, aber die sollten wir nutzen“, so Vosberg.

Messe will kein „Zählkandidat“ werden

Die Leipziger Messe geht davon aus, dass die ILA auf jeden Fall in der Hauptstadt bleiben will. Man habe keine Lust, als chancenloser „Zählkandidat“ bei den Verhandlungen der ILA-Macher mit dem Berliner Senat missbraucht zu werden, heißt es dort hinter vorgehaltener Hand. Gleichzeitig wird betont, habe man schon einmal vergeblich versucht, die Luft- und Raumfahrtausstellung nach Leipzig zu holen „Für unsere gemeinsame Bewerbung mit dem Flughafen Leipzig/Halle gab es 2010 viel Lob“, so Messe-Sprecher Steffen Jantz auf LVZ-Anfrage. „Ausschlaggebend für den Verbleib in Berlin war letztlich die Nähe zu den politischen Akteuren der Hauptstadt. In jüngsten Medienberichten wird auch eine angespannte wirtschaftliche Situation thematisiert. Angesichts dieser Rahmenbedingungen ist die ILA aktuell kein Thema für uns.“

Vosberg lässt diese Einschätzung nicht gelten. „Die Leipziger Messe sollte sich nicht kleiner machen, als sie ist“, meint der Jurist. „Zumal es die Neue Messe mit Zögerei und Zauderei heute wahrscheinlich überhaupt nicht gäbe. Mit Zögerei und Zauderei gäbe es auch Porsche, BMW, DHL und Amazon nicht in Leipzig.“ Dass Leipzig ein ernsthafter Kandidat sein kann, habe die gemeinsame Planung von Messe, Flughafen, Stadt und Freistaat für die ILA im Jahr 2010 gezeigt. „Wenn es erneut eine Chance gibt, diese internationale Leitmesse zu bekommen, dann müssen wir diese Chance ergreifen und ausloten, ob es finanziell sinnvoll ist. Im Schneckenhaus kommen wir nicht voran. Leipzig und Sachsen können auch ILA.“

Von Andreas Tappert

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