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Leipzig vergibt Louise-Otto-Peters-Preis an die Organisation „Pinkstinks“

Kampf gegen Sexismus und Stereotype Leipzig vergibt Louise-Otto-Peters-Preis an die Organisation „Pinkstinks“

„Pinkstinks“ setzt sich gegen Sexismus und für Vielfalt und Geschlechtergerechtigkeit ein. Für ihr politisches Engagement und generationenübergreifendes Arbeiten erhält die Organisation am Freitag von der Stadt Leipzig den Louise-Otto-Peters-Preis.

Geschlechtergerechtigkeit ist für die Organisation „Pinkstinks“ ein wichtiges Thema. Chefredakteur Nils Pickert sagt: "Kinder und Jugendliche werden in Schubladen gesteckt."
 

Quelle: Collage: Markus Abele / Portrait: Privat

Leipzig. Gegen Sexismus und Stereotype, für Vielfalt und Geschlechtergerechtigkeit: Dafür setzt sich seit fünf Jahren die Organisation „Pinkstinks“ ein, die dieses Jahr den Louise-Otto-Peters-Preis der Stadt Leipzig erhält. Der Preis ehrt besondere Leistungen zur Förderung von Frauen und Männern und wird am Freitag zum dritten Mal verliehen.

Der Name „Pinkstinks“ (deutsch: Pink stinkt) soll die Farbe Pink nicht verteufeln, das ist den Verantwortlichen wichtig. Die Hamburger Organisation um Geschäftsführerin Stevie Schmiedel engagiert sich nicht dagegen, dass Mädchen rosa tragen und sich schminken. Wichtig sind den Machern vielfältige Mädchen- und Jungenbilder. Der Name entstand durch das Entsetzen einer Mutter nach einem Kindergeburtstag: Der Gabentisch ihrer Zwillingstöchter quoll über von ausschließlich rosa Geschenken.

„Kinder und Jugendliche werden in Schubladen gesteckt, ihnen werden Verhaltensweisen aufgezwungen“, sagt Nils Pickert, der seit 2014 als Chefredakteur für Pinkstinks arbeitet und selbst vier Kinder hat. Dass auf dem Gebiet noch einiges passieren muss, merke er selbst jeden Tag: „Wenn meiner Tochter in der weiterführenden Schule verboten wird, Hotpants zu tragen, zum Beispiel“, zählt er auf. „Oder wenn mein zehnjähriger Junge im Matheunterricht gezwungen wird, sich seine langen Haare zum Zopf zu binden, weil ihn die Haare sonst ja stören würden. Und neben ihm sitzen lauter Mädchen, bei denen das kein Problem ist.“

Der politische Kampf gegen sexistische Werbung

Genka Lapön, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Leipzig, erzählt, dass die Jury vor allem die generationenübergreifende Arbeit von Pinkstinks überzeugt habe. „Die Organisation wendet sich an Erwachsene und auch an Kinder und Jugendliche, das ist toll“, sagt Lapön. Die Arbeit von Pinkstinks beginnt schon bei den Kleinsten, zum Beispiel mit eigenen Theaterprojekten an Schulen. Außerdem bietet die Organisation den YouTube-Kanal „Lu Likes“ an, der sich vor allem an 12- bis 17-jährige Mädchen richtet. Das Format setzt den zahlreichen Schmink-Tutorials auf YouTube etwas entgegen.

Pinkstinks arbeitet auch politisch, kämpft seit 2014 für eine Gesetzesnorm gegen Sexismus in der Werbung, betrieb dafür jahrelang gezielt Lobbyarbeit. Auch das hat die Leipziger Jury beeindruckt. „Sie scheuen die Auseinandersetzung nicht, setzen sich lautstark ein, und erreichen damit auch etwas“, sagt Lapön. Tatsächlich bekam Pinkstinks 2017 den Auftrag der Bundesregierung für ein Monitoring sexistischer Werbung in Deutschland.

Petition gegen die Verharmlosung sexualisierter Gewalt

Über den Louise-Otto-Peters-Preis freut sich Pinkstinks sehr: „Wir finden es ganz großartig, dass wir einen Preis zur Gleichstellung von Frauen und Männern bekommen. Männer profitieren vom Feminismus genauso wie Frauen. Und auf die Männer kommt es im Moment vor allem an, wir sollten sagen: So können wir nicht miteinander umgehen, es muss sich etwas ändern“, sagt Pickert. Das werde auch in der aktuellen Debatte deutlich. Unter diesem Hashtag #MeToo berichten Frauen gerade in den sozialen Netzwerken von ihren eigenen Erfahrungen mit Sexismus.

Gerade hat Pinkstinks eine Petition gestartet, die sich an die Chefredaktionen der deutschen Medienhäuser richtet.  „Stoppt die Verharmlosung von sexualisierter Gewalt“, ist ihr Titel. Die Petition sensibilisiert für die Wortwahl vieler Journalisten bei der Berichterstattung im Fall des US-Produzenten Harvey Weinstein, der zahlreiche Frauen sexuell missbraucht und vergewaltigt haben soll.

Die Stadt Leipzig verleiht den  Louise-Otto-Peters-Preis immer abwechselnd an eine Einzelperson und an eine Organisation. Er erinnert an die Leipzigerin Louise Otto-Peters (1819-1895), die sich für die Rechte der Frauen in Politik, Bildung und Literatur engagierte, und ist mit 5000 Euro dotiert. Vergangenes Jahr wurde die Leipzigerin Heide Steer für ihr Lebenswerk geehrt. Steer setzt sich seit Jahren für die Rechte von Frauen und Mädchen ein. Sie ist unter anderem bei der Menschenrechts-Organisation „Terre Des Femmes“ aktiv und organisierte zum Beispiel verschiedene Ausstellungen und Aktionen zum Thema Geschlechtergerechtigkeit in der Messestadt.

Von Sophie Aschenbrenner

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